JUVE Kanzlei des Jahres

Gesundheitswesen

Neue Regelungen treiben die Branche

Das Antikorruptionsgesetz sorgt unverändert für erhebliche Unsicherheit bei allen Akteuren und beschert spezialisierten Anwälten viel Arbeit. Unternehmen sind bei Kooperationen mit Krankenhäusern sehr vorsichtig und warten ab, wie die Staatsanwaltschaften das neue Recht umsetzen werden.

Daneben sorgen Digitalisierungsprojekte für viel Beratungsbedarf. Durch vermehrte telemedizinische Methoden gewinnt die Schnittstelle zum Datenschutzrecht an Bedeutung. Durch neue Verordnungen zu Medizinprodukten und klinischen Prüfungen ist eine Europäisierung des Arzneimittelrechts zu beobachten: Infolge der stärkeren Regulierung nimmt besonders der Beratungsbedarf von Medizinprodukterhestellern zu. Kanzleien umwerben diese intensiv, auch weil der Markt noch nicht so aufgeteilt ist wie bei klassischen Pharmaunternehmen.

Urteil zur AMNOG-Preisbildung sorgt für Aufruhr

Ein heißes Thema ist auch das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG), das seit April 2017 in Kraft ist: Überraschend sind weder die heiß diskutierte Preisbremse noch die Vertraulichkeit von Erstattungspreisen eingeflossen. Zudem hat der Gesetzgeber es versäumt, bei der Frage der Mischpreise für Rechtssicherheit zu sorgen. So hat die vorläufige Entscheidung des Landessozialgerichts (LSG) Berlin-Brandenburg vom März 2017, welche die gängige Praxis der Preisbildung im AMNOG-Verfahren komplett auf den Kopf stellen könnte, die gesamte Branche in Aufruhr versetzt.

Weitere wegweisende Urteile waren die Entscheidung der Vergabekammer des Bundes zu Open-House-Verträgen, welche die Anzahl von Nachprüfungsverfahren steigern könnte, und das EuGH-Urteil zur Preisbindung, das für Aufruhr unter den Apotheken sorgt. Außerdem hat der EuGH mittlerweile auch im aufsehenerregenden Streit um Brustimplantate geurteilt: Demnach ist der Tüv Rheinland als benannte Prüfstelle nicht grundsätzlich verpflichtet, Medizinprodukte selbst zu prüfen.

Daneben gibt es weiterhin viele Transaktionen, wie den €1,3 Milliarden schweren Biotechdeal, bei dem Astellas die Mainzer Ganymed Pharmaceuticals erwarb. Im Trendsegment Biosimilars zahlte Fresenius bis zu €670 Millionen für die Sparte von Merck. Ungebrochen sind weiterhin die starken Trends zum Einstieg von Investoren im MVZ-Markt, während es im Krankenhaussektor ein vergleichsweise ruhiges Jahr war.

Boutiquen stehen vor Generationsübergang

Der Kanzleimarkt entwickelt sich zweigeteilt. Nach wie vor haben Boutiquen eine starke Marktposition. Die Neugründung Novacos Heil Hübner Natz Oeben Stallberg konnte sich schon nach einem Jahr ihren Nischenplatz erobern. Sie positioniert sich internationaler und stärker bei der Begleitung von Transaktionen als andere Boutiquen wie Sträter und Dierks + Bohle. Diese stehen mittelfristig intern vor einer großen Herausforderung, denn sie müssen den Generationsübergang von ihren hoch angesehenen Namenspartnern zur nächsten Riege aktiv gestalten.

Großkanzleien fokussieren sich auf internationale Mandate

Großkanzleien treibt eine andere Entwicklung um. So fokussieren sich Baker & McKenzie, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Hogan Lovells – wie bereits in den Vorjahren – auf internationale Mandate und beraten zu grenzüberschreitenden Compliance-Untersuchungen, komplexen E-Health-Projekten und oft an den Schnittstellen zu den Branchen Chemie oder Lebensmittel.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im deutschen Gesundheitswesen beraten. Durch die massive Veränderung dieses Gebiets stellt sich eine Herausforderung an alle Akteure dieser Branche: In die Beratungstätigkeit spielen immer mehr Rechtsgebiete hinein. Die Rechtsberatung von Arzneimittel- und Medizinprodukteherstellern – und damit regulatorische sowie sozial- und wettbewerbsrechtliche Fragen – stehen allerdings nach wie vor im Fokus und bilden üblicherweise einen wichtigen Teil des Renommees der in diesem Segment tätigen Kanzleien. Auch die Expertise im ?Patent-, ?Kartell- und ?Vergaberecht spielt immer wieder eine entscheidende Rolle. Daneben lohnt sich ein Blick in die Kapitel ?Informationstechnologie, ?Konfliktlösung (Produkthaftung), ?Vertriebs-, ?Marken- und Wettbewerbs- sowie ?Lebensmittelrecht. Einen tieferen Einblick in die Beratungsvielfalt bieten das transaktionsbezogene Kanzleiranking und eine Auswahl an weiteren Beratern mit Spezialisierung in Gebieten wie dem Krankenhaus- oder Apothekenrecht am Ende des Kapitels ( ?Gesundheitswesen Branchenberater).


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