Unternehmensbezogene Beratung von Versicherern

In der Versicherungsbranche läuft ein strategischer Umbau

Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Kapitalisierung der Versicherer treiben die Branche unverändert um. In einer Reihe von Transaktionen gaben weitere Unternehmen Lebensversicherungsbestände an Private-Equity-Investoren ab. So übertrug Arag Portfolios an einen der drei derzeit aktivsten Run-off-Spezialisten, Frankfurter Leben. Der Versicherer hatte sich zuvor schon die Basler Leben gesichert. Hinter der Plattform steht u.a. die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun.

Die zum Private-Equity-Haus Cinven gehörige Konkurrentin Viridium (vormals Heidelberger Leben) sicherte sich den schon länger bei Protektor untergebrachten Bestand der früheren Mannheimer Leben. Dritte im Bunde der Investoren ist die Apollo-Tochter Athene, die das deutsche Delta-Lloyd-Geschäft gekauft hatte.

Zum strategischen Umbau des Geschäfts der Versicherer gehört es auch, neue und immer internationalere Risiken wie Cyberangriffe oder automatisiertes Fahren zu erfassen. Digitalisierungs- und Insurtechinitiativen kommen zudem im Rahmen von Sparmöglichkeiten beim Vertrieb und der Schadensbearbeitung zum Einsatz. Und nach wie vor geht die Suche nach Investitionen mit ausreichender Rendite weiter. Denn in der aktuellen Marktsituation ist eine Anhebung von Policenpreisen kaum möglich, weil neue Anbieter massiv in klassische Risiken wie die Managerhaftung oder Großprozesse investieren und den etablierten Versicherern kräftig Konkurrenz machen.

Vor diesem Hintergrund kommt den Möglichkeiten der Refinanzierung und Rückversicherung eine zentrale Rolle zu. Doch gerade deshalb sorgten durch Solvency II ausgelöste Hemmnisse für Rückversicherer aus Drittstaaten für Aufregung. Ende 2016 wurde zumindest mit den USA eine bilaterale Lösung auf den Weg gebracht.

Allen & Overy an der Seite von Frankfurter Leben sehr präsent

Mit dem Engagement der Run-off-Plattformen haben sich auch die Positionen von drei Kanzleien besonders verfestigt. Das angesehene Team von Allen & Overy war für die Mandantin Frankfurter Leben zuletzt sehr visibel, Gleiches gilt für Freshfields Bruckhaus Deringer und ihre Verbindung zu Viridium sowie Linklaters und Athene. Während einige im Markt der Meinung waren, es sei um Hengeler Mueller in letzter Zeit etwas stiller geworden, meldete sich die Praxis an der Seite von Protektor zuletzt wieder zurück.

Doch auch wenn Beziehungen in der Versicherungsbranche notorisch langlebig sind, bahnen sich auch hier Kostenüberlegungen ihren Weg. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht bei jedem externen Mandat eine teure, internationale Großkanzlei benötigen“, sagt etwa der Chefjurist eines Versicherers. Das Feld der Kanzleien könnte sich also künftig durchaus weiter öffnen.

 


Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die eine besondere Branchenerfahrung im Versicherungsbereich aufgebaut haben. Sie beraten die Versicherer bei Unternehmensumstrukturierungen, Run-offs, M&A-Transaktionen oder in Krisensituationen. Dabei spielen immer die speziellen Erfordernisse der Versicherungsaufsicht eine Rolle. Wo diese Kanzleien einzelne fachliche Schwerpunkte haben, wird gegebenenfalls auf andere Rechts- bzw. Branchenkapitel verwiesen.