JUVE Kanzlei des Jahres

Wirtschafts- und Steuerstrafrecht

Zwischen Diesel und Cum-Ex

Es hätte in den vergangenen Monaten im Strafrecht mehr Themen als sonst gegeben, die einer tiefen Diskussion würdig gewesen wären: die Reform der StPO, die jüngsten Beschlüsse zur Europäischen Staatsanwaltschaft, das Inkrafttreten der Europäischen Ermittlungsanordnung und die Umsiedlung der Geldwäschezuständigkeit zu den Zollbehörden.

Beherrschend waren jedoch andere Themen: so etwa der Dieselskandal und die Durchsuchung bei der VW-Kanzlei Jones Day. Nun soll sich erstmals das Bundesverfassungsgericht mit der Frage befassen, welche Unterlagen aus internen Untersuchungen in Anwaltskanzleien beschlagnahmt werden dürfen.

Die zahllosen Ermittlungen rund um Cum-Ex-Geschäfte, die sogar einen Untersuchungsausschuss beschäftigten, sind nur ein Ausdruck dafür, welche Bedeutung inzwischen das Steuerstrafrecht hat. Hinzu kommt das Engagement v.a. nordrhein-westfälischer Ermittler bei der Auswertung früherer Selbstanzeigen, das für eine Flut von Ermittlungsverfahren gegen Banken und Einzelpersonen sorgt.

Unter Volllast

Vor diesem Hintergrund nehmen die traditionellen Wirtschaftsstrafrechtler die Tatsache, dass immer mehr Großkanzleien in ihr Revier drängen, relativ gelassen. Da sich diese Boutiquen umgekehrt immer mehr Marktanteile in der Compliance-Beratung erobern, pendelt sich ein neues Gleichgewicht ein. Die Konkurrenzsituation zeigt sich v.a. beim Thema Nachwuchs: Die Boutiquen könnten in der Compliance-Arbeit noch stärker zulegen, wenn sie genug Associates fänden. Doch hier punkten inzwischen oft die gut zahlenden internationalen Kanzleien. Wenn Strafrechtler ihre Kanzlei verlassen, dann entweder in eigene Kanzlei wie etwa White & Case-Partner Jürgen Klengel oder in Richtung öffentlicher Dienst – so einige Associates von Redeker Sellner Dahs, aber auch eine aufstrebende Partnerin von HammPartner.

Derweil zeichnet sich immer deutlicher ab, wie der Generationswechsel den Markt der Strafverteidiger verändert. Denn einige von jüngeren Partnern geprägte Einheiten wie Ufer Knauer, Grub Brugger, Trüg Habetha, Dr. Frank Dr. Auffermann Halbritter Dr. Horrer und das Strafverteidigerbüro gewinnen inzwischen immer hochkarätigere Mandate. In der Individualverteidigung können die meisten von ihnen zwar den alten Hasen noch nicht ganz das Wasser reichen, bahnen sich aber über die Vertretung in 2. Reihe oder über die Beratung von Unternehmen ihren Weg in den Markt. Sie alle kommen ohne eine seniore Galionsfigur aus. Im Gegenteil: In manchen Einheiten bleibt die Nachfolge sogar wackelig, weil zentrale Mandate zu lange doch durch den Senior selbst betreut wurden, als dass sich die Jüngeren hätten mehr Profil erarbeiten können.

Steuerstrafrecht – einst eher ein Nischenthema für Steuerfreaks – muss dabei heute integraler Bestandteil jeder Strafrechtskanzlei sein, um im Markt zu bestehen. Die junge Kanzlei Rettenmaier & Adick beweist dies: Über die Spezialisierung im Steuerrecht hat sie sich rasch einen festen Platz in der strafrechtlichen Verteidigerszene erobert. Büros ohne steuerstrafrechtliche Kompetenz verlieren an Präsenz, weil sie bei maßgeblichen Verteidigerrunden nicht mehr mit am Tisch sitzen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im Wirtschafts- und/oder Steuerstrafrecht beraten. Bitte beachten Sie auch die Kapitel ?Konfliktlösung, ?Öffentliches Wirtschaftsrecht und ?Steuerrecht. Die tabellarischen Übersichten unterscheiden zwischen Individualverteidigung u. der Beratung bzw. Begleitung von Unternehmen als Geschädigte oder nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz Betroffene. Hinzu kommt eine weitere Übersicht, die ausgewiesene Steuerstrafrechtler erfasst. Die fachübergreifende ?Compliance-Beratung wird in einem gesonderten Kapitel dargestellt. Die Mandatsbeschreibungen beziehen sich in aller Regel auf die Beratung bei zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses laufenden Verfahren mit entsprechend nicht rechtskräftig festgestellten Vorwürfen.


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