CLIFFORD CHANCE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Fast 4 Jahre nach dem Beginn der großen Kanzleiumstrukturierung ist CC ihrem selbst gesteckten Ziel ein großes Stück näher gekommen: Sie konzentriert sich heute mehr denn je auf hochvolumiges Transaktionsgeschäft u. angrenzende Felder wie Risikomanagement, das Fondsgeschäft, kartellrechtliche Untersuchungen u. steuerliche Strukturierungen. Zudem zahlte sich ihre langjährige Branchenfokussierung erneut aus, sodass sie auf ein fulminantes Transaktionsjahr zurückblicken kann: Beispielhaft dafür steht eine ganze Reihe von Deals in der Banken- u. Finanzdienstleistungsbranche. Wie tief sie in dieser Branche verankert ist, lässt sich auch in der gesellschaftsrechtlichen Beratung ablesen: So zählt CC zu den auffälligsten Marktteilnehmern, wenn Brexit-getriebene Sitzverlagerungen u. Joint Ventures anstehen. Hier beriet sie etwa HSBC u. RBC. Die gute Vernetzung in der Finanzbranche war es auch, die u.a. dafür sorgte, dass sich die Compliance-Praxis wieder stärker bei internen Untersuchungen ins Spiel bringen konnte. Das ist umso wichtiger, weil ihr Wettbewerber wie Freshfields u. Linklaters in der Vergangenheit diesbezüglich das Wasser abzugraben drohten.
Eine nicht enden wollende Erfolgsgeschichte schreibt Jahr für Jahr die Immobilienpraxis, die ihre dominante Marktposition nachhaltig verteidigt. Dass sie zuletzt den größten Immobiliendeal aller Zeiten vorweisen konnte, den Verkauf der Logistikplattform Logicor, erstaunt deswegen niemanden. Außerdem machen die Immobilienexpertin Cornelia Thaler ebenso wie der M&A-Spezialist Dr. Anselm Raddatz vor, wie es gelingt, die nachfolgende Generation erfolgreich im Markt zu positionieren. Denn CC verfügt mittlerweile über eine Reihe jüngerer Partner, die sich sehen lassen kann. Und diese Riege bekam zuletzt weitere Verstärkung: Neben 2 intern ernannten Partnern gewann die Kanzlei Quereinsteiger, die das Geschäft weiter abrunden: Mit Dr. Markus Stephanblome (von White & Case) schloss sie eine Lücke in ihrer Beratung zu öffentlichen Übernahmen. Öffentlichrechtler Dr. Thomas Voland (von Freshfields) ergänzt die Praxis für das Öffentliche Wirtschaftsrecht – ein Bereich, der für CC mit Blick auf Transaktionen im regulierten Umfeld wichtig ist. Ein starkes Signal sendete zudem der Gewinn des ehemaligen Herbert Smith-Managing-Partners Dr. Michael Dietrich, der die eher kleine Kartellrechtspraxis auf nun 3 Partner vergrößert u. mit seinen Branchenschwerpunkten Einzelhandel u. Technologie gut in die Praxis passt.
Doch zuletzt kehrten auch wieder Partner CC den Rücken, zumeist jedoch, ohne die jeweilige Praxis nachhaltig zu schwächen: Die Private-Equity-Praxis verlor mit Christopher Kellett im Herbst 2017 einen erfahrenen Kopf an Linklaters. Renommee u. Geschäft des Teams konnten das aber gut verkraften. Ebenso büßte die steuerrechtliche Praxis durch den Ausstieg des langjährigen Leiters der Steuerrechtspraxis Dr. Uwe Schimmelschmidt nichts an Strahlkraft ein. Er machte sich selbstständig. Der Weggang von Arbeitsrechtspartner Thomas Hey (zu Bird & Bird) war insofern keine allzu große Überraschung, als sein Geschäft nicht mehr zur transaktionsfokussierten Strategie der Kanzlei passt. Die zeitgleiche Partnerernennung im Arbeitsrecht unterstreicht, dass CC die Praxis weiter benötigt – nur eben mit einem anderen Fokus. Der größte Verlust des vergangenen Jahres dürfte der Wechsel von Finanzierungsspezialist Thomas Weitkamp (zu Latham & Watkins) sein, denn die Finanzierungspraxis zählt zwar traditionell zu den bedeutendsten Einheiten im Markt, verliert aber mit ihm einen von 3 Partnern, die mit klarem Schwerpunkt auf Kreditfinanzierungen bei Akquisitionen u. Unternehmensfinanzierungen arbeiten.
Besondere Stärken: Anleihen; Gesundheit; Immo/Bau; Investmentfonds; M&A; Private Equ. u. Vent. Capital.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; München.
Anwälte in Deutschland: 215
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei mit Büros auf allen Kontinenten, einschließlich langjähriger Präsenz in Südamerika (Brasilien). US-Ostküstenbüros seit der Jahrtausendwende durch Fusion in Washington u. New York. Deutlich stärkstes Büro ist nach wie vor der Stammsitz in London.
Entwicklung: Das Geschäft von CC hat sich auf breiter Front auf hohem Niveau eingependelt, wenn es auch nicht ganz an das exzellente Vorjahr anschließen konnte. Eine Baustelle bleibt allerdings, die verhindert, dass sich CC stärker in Richtung Marktspitze bewegt: der Gweinn von Quereinsteigern.
Das maßvolle Vorgehen in den vergangenen Jahren bei Verstärkungen von außen hat sich zwar in einer Hinsicht als positiv erwiesen: die Zugänge gelten als bestens integriert, doch reichen sie nicht aus, um ein Dickschiff wie CC nach vorne zu spülen – v.a. nicht im Vergleich zu offensiveren US-Wettbewerbern, die zum Angriff auf die Marktspitze geblasen haben. Gerade Latham macht vor, wie man hochkarätige Quereinsteiger für sich begeistert.
Dass CC einen erfahrenen Partner wie Dietrich gewinnen konnte, ist zwar wieder ein Schritt in die richtige Richtung, doch war er im Berichtszeitraum der einzige Zugang von einer gewissen Seniorität. Offenbar reicht die Strahlkraft der Marke CC nach wie vor nicht, um mehr erfahrene Partner von sich zu überzeugen.
Angesichts dessen wirkt die Strategie, sich parallel auf den Gewinn von jungen Partnern zu konzentrieren, auf den ersten Blick wie eine Verzweiflungstat, ist aber mittelfristig womöglich sinnvoller, um die Altersstruktur der Partnerschaft im Gleichgewicht zu halten. Dadurch darf sich jedoch der Flaschenhals Partnerschaft für die eigenen Associates nicht verschließen. Das wäre ein fatales Signal – auch, weil die zuletzt 2 Partnerernennungen für eine Kanzlei dieser Größenordnung nicht gerade überbordend sind. Immerhin ist die diesjährige Partnerrunde ein positives Signal in eine andere Richtung: CC nahm – nach 12 Jahren – endlich einmal wieder 2 Frauen in die Partnerriege auf.
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