CMS HASCHE SIGLE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Die Stärkung von Fortbildung und Wissensmanagement, eine klare Branchenfokussierung, personelle Stärke in vielen Praxisgruppen, die Bildung von Gespannen aus älteren u. jüngeren Partnern sowie eine engere Verzahnung mit dem neu aufgestellten Londoner Büro haben dazu beigetragen, dass CMS wie in jedem Jahr Fortschritte machte. Allerdings waren diese zuletzt weniger groß, als es die Kanzlei selbst erhofft hat. Trotzdem zeigte sie mit der Begleitung von HP beim milliardenschweren Kauf der weltweiten Druckersparte von Samsung u. der Beratung von euNetworks beim Reverse Takeover durch Stonepark u. Columbia Capital erneut, dass sie ganz oben mitmischen kann.
Derartige Mandate vermögen aber nicht darüber hinwegzutäuschen, dass das Bestreben des CMS-Netzwerks, in allen Märkten Full-Service-Beratung anzubieten, bislang nicht dazu geführt hat, den Anteil an internat. Leuchtturmmandaten, v.a. im grenzüberschreitenden M&A, zu erhöhen. Um daran etwas zu ändern, müsste eine noch strategischere Verzahnung der Allianzpartner erreicht werden, etwa für eine langfristige Mandantenpflege u. -akquise, statt einer punktuellen Zusammenarbeit in Mandaten.
Doch mit ihrer großen Stärke, der reibungslosen Verzahnung verschiedener Praxisgruppen, glänzte CMS einmal mehr: Bei der Neuaufstellung der russischen VTB-Gruppe arbeiteten Aufsichts-, Bankrechts-, Corporate- u. Arbeitsrechtspartner eng zusammen u. koordinierten aus Frankfurt heraus das Mandat auch für Frankreich u. Österreich. Auch in der Vorstandsberatung gab es Fortschritte: So mandatierten Vorstand u. Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens die Kanzlei in einem brisanten Compliance-Fall. Hier wie auch bei der Beratung im Zusammenhang mit dem aktienrechtlichen Squeeze-out bei KD River Invest war die kapitalmarktrechtliche Praxis der Türöffner für die Vorstandsberatung.
Die Nase vorn hat sie weiterhin bei der Bearbeitung von großen Mengen an standardisierten Deals. Für CMS typisch, setzt die Kanzlei bereits bei vielen Deals Software ein u. bietet IT-Lösungen für Mandanten, womit sie ihrem Ruf als operative, pragmatische Beraterin gerecht wird. Zudem eröffnete sie als eine der ersten Kanzleien ein Servicebüro in Berlin, in dem Projektjuristen u.a. die Transaktionsanwälte unterstützen.
Akzente setzte CMS aber auch in der Beratung zum Gesundheitswesen, wo sie dank des kontinuierlichen Aufbaus junger Partner nun die gesamte Palette abdeckt. Auch künftig sollen sich jüngere Leistungsträger etablieren u. die Kanzlei prägen können: 2018 ernannte sie 8 Partner. Allerdings war das auch dringend notwendig, denn sie steht unmittelbar vor einem umfassenden Generationswechsel: Rund die Hälfte der mehr als 200 Partner erreicht in den nächsten 10 Jahren die Altersgrenze. Zugleich musste sie in bemerkenswertem Umfang Abgänge von Counsel hinnehmen, von denen sie zumindest einige für die Wahrung ihres Full-Service-Anspruchs gut hätte gebrauchen können, wie etwa im Energie- u. Vertriebsrecht.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Gesundheitswesen.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Sachsen; Stuttgart; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 551
Internat. Einbindung: Mitglied der CMS-Allianz aus 10 unabh. europ. Kanzleien mit gemeinsamer Dachmarke u. übergreifenden Fach- u. Industriegruppen, eigene Büros in Teheran u. Hongkong. In Moskau, der Türkei u. Asien betreiben CMS-Mitglieder in versch. Zusammenstellung Standorte. Über CMS Reich-Rohrwig Hainz (Österreich) starke Osteuropaverbindungen, seit 2017 mit Büro in Bratislava. Seit 2017 neu im CMS-Verbund: Carey & Allende (Chile), Grau (Peru), Rodríguez Azuero Contexto Legal (Kolumbien).
Entwicklung: CMS ist nach Jahren eines kontinuierlichen Aufstiegs an einem Punkt angekommen, an dem sie auf Herausforderungen trifft, die sie zu konsequenteren Entscheidungen zwingt, als sie es bisher gewohnt war. Schon das Programm, bei dem ältere Partner auf freiwilliger Basis den Status wechseln oder vorzeitig ausscheiden können, trägt in einer derart auf Partnerschaftlichkeit ausgerichteten Lockstep-Kanzlei geradezu revolutionäre Züge. Doch dies kann nur ein erster Schritt sein, will sie ihr Ziel, die Entwicklung zu höherwertigem Geschäft, im Blick behalten. Denn dafür muss sie weitere Teile ihres aktuellen Geschäfts u. damit auch Partner auf den Prüfstand stellen, die sich scheuen, von der komfortablen Situation des Rundummittelstandsberaters Abschied zu nehmen.
Besonders drängend ist dies im Corporate/M&A, wo sich der Abstand zu Marktführern wie Freshfields auch deshalb weiter vergrößerte, weil sich CMS sowohl bei den Kontakten zu Investmentbanken als auch zu Organen schwächer zeigt. Dass sie dafür eine Taskforce, bestückt mit einigen ihrer vielversprechendsten jüngeren Corporate-Partner, einsetzt, zeigt, wie ernst es ihr ist. Gerade hier bietet es sich auch an, eine stärkere Vernetzung mit anderen Praxisgruppen zu suchen, um Kontakte zu Schlüsselmandanten auf breiterer Ebene in der Kanzlei zu verankern. Anknüpfungspunkte bieten die arbeitsrechtliche Beratung von E.on, wo CMS den Sprung auf die Beraterliste schaffte, die Compliance-Beratung für VW/Audi u. die Fortschritte im Bank- u. Bankaufsichtsrecht.
Klar ist: Managing-Partner Dr. Hubertus Kolster, dessen 2. Amtszeit im Frühjahr endet, kann es – sollte er zum 3. Mal gewählt werden – im Zusammenspiel von Digitalisierung u. Generationsüberleitung sicher nicht allen recht machen. Doch schon der Verlust etlicher Counsel, der das Karrieremodell insgesamt in Frage stellt, zeigt: Die Kanzlei muss in ganz neuen Dimensionen über ihre Zukunft nachdenken.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
CMS Hasche Sigle Partnerschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern mbB10785 Berlin
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