FLICK GOCKE SCHAUMBURG

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Die steuerzentrierte Großkanzlei hat die Verbreiterung des Gesamtgeschäfts nochmals deutlich forciert. Das zeigt sich v.a. an der Vielzahl der Partnerernennungen u. der Eröffnung eines Büros in Düsseldorf, aber auch in der kontinuierlichen Fortentwicklung von Beratungsfeldern, die sich bislang vermeintlich am Rand des Kerngeschäfts befanden.
Mit 9 neuen Equity- u. 13 Salary-Partnern hat FGS im Jahr 2018 so viele Partner ernannt wie nie zuvor in der langen Kanzleigeschichte. Wie zu erwarten, stammen 8 der neuen Equity-Partner aus dem steuerlichen Umfeld. Zentral ist jedoch, dass die Kanzlei mit den Ernennungen u. dem neuen Büro in Düsseldorf einen Fokus auf Verrechnungspreise legt, u. damit auf eine der dynamischsten steuerlichen Disziplinen, in der die im Konzernsteuerrecht überragende Kanzlei jedoch den Anschluss an andere führende Steuerberatungshäuser zu verlieren drohte. Mit der nach wie vor seltenen Aufnahme eines Quereinsteigers als Equity-Partner u. der internen Ernennung 2er weiterer Equity-Partner in diesem Bereich setzte FGS nun ein Ausrufezeichen.
Und mit der Eröffnung in Düsseldorf signalisiert FGS, dass sie überzeugt ist, ihr Potenzial insgesamt noch nicht ausgeschöpft zu haben. Denn der Schritt erfolgt nur wenige Jahre nach der Eröffnung in Hamburg, u. das Management hat bereits Stuttgart als nächstes Ziel ausgerufen.
Auch wenn das Gesellschaftsrecht u. andere Beratungsfelder im neuen Düsseldorfer Büro noch unterrepräsentiert sind u. es auch in der Partnerrunde nicht ganz so deutlich zu erkennen ist, so baut FGS doch kontinuierlich auch jenseits des Steuerrechts aus. So hat die Kanzlei in Frankfurt erstmals einen Notar zum Eq.-Partner ernannt, der mit der Beurkundung des Verkaufs der Toys’R’Us-Geschäfte in Deutschland, Österreich u. der Schweiz gleich einen Achtungserfolg verbuchte. Seine Ernennung zeigt, wie sich FGS in der Rechtsberatung seit Jahren unauffällig, aber kontinuierlich verbreitert, auch wenn das Management stets die Steuerzentrierung der Kanzlei betont. Mit einer vergrößerten Mannschaft schaffte es die Kanzlei zum Beispiel auch, im Arbeitsrecht durch die Beratung namhafter Mandanten wie Haribo, Grünenthal oder Ryanair ein eigenständiges Profil aufzubauen. Und im Energierecht hat das Anfang 2017 von Freshfields nach Bonn gekommene Team FGS auf ein völlig neues Beratungsniveau gehoben.
Siehe auch: NRW; Berlin.
Anwälte in Deutschland: 143
Internat. Einbindung: Als unabhängige multidisziplinäre Kanzlei Mitglied der ww. Steuerallianz Taxand u. formalisiertes steuerl. Netzwerk in Österreich/Osteuropa mit Leitner + Leitner. Abseits des Steuerrechts informelles Netzwerk von Korrespondenzkanzleien.
Entwicklung: Der Verbreiterungskurs sowohl in wirtschaftsrechtlichen Beratungsfeldern als auch in steuerlichen Disziplinen verleiht der Kanzlei mehr Flexibilität. Das Profil als steuerzentrierte Rechtsberaterin verwässert aber so immer mehr: Durch den konsequenten Ausbau der Beratung bei Verrechnungspreisen u. Umsatzsteuern, die vergleichsweise weniger steuerrechtl. Gestaltung als die bisherigen FGS-Kernbereiche beinhalten, sowie v.a. durch den massiven Ausbau von Tax-Tech-Dienstleistungen zur Unterstützung von Compliance- u. Prozessstrukturen in Inhousesteuerabteilungen, tritt die Kanzlei mehr in den Wettbewerb mit den größten Steuerberatungshäusern als je zuvor. Gleichzeitig entwickelt sich FGS mit dem Ausbau der Beratung etwa im Arbeits-, Energie- oder Kartellrecht sowie dem Notariat immer mehr zu einer Full-Service-Anwaltskanzlei, was sie in ein gänzlich anderes Wettbewerbsumfeld stellt. Ob sie diesen Spagat aushält, ist noch nicht ausgemacht. Der Weggang eines großen Teils des Berliner Büros vor 2 Jahren, der einen deutlich engeren Beratungsfokus aufweist, sollte zu denken geben. Der seit Jahren vorangetriebene massive Ausbau der Partnerschaft, der 2018 seinen bisherigen Höhepunkt fand, kann einerseits ein Aufbruchssignal sein, andererseits führt er – jedenfalls vorübergehend – zu einer in jeder Hinsicht deutlich heterogeneren Partnerschaft. Das stark leistungsorientierte Vergütungssystem stützt die Vielfalt in der Kanzlei u. dürfte den Verbreiterungskurs erleichtern, die traditionelle Kanzleikultur gerät jedoch gleichzeitig ins Wanken – was allerdings kein Nachteil sein muss, wenn es gelingt, die gesamte Partnerschaft in die neue Aufstellung mitzunehmen.
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