FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER

Nationaler Überblick Top 50★★★★★

Bewertung: Ihre erfolgreiche Geschäftsentwicklung und der konsequent verfolgte Generationswechsel haben sich inzwischen zu ebenso eindeutigen Kennzeichen der Kanzlei entwickelt, wie die beständige Beteiligung an Spitzenmandaten. Während prominente Partnerweggänge bei anderen Kanzleien im Markt schnell von Katastrophengerüchten begleitet werden, fragen sich dieselben Wettbewerber bei FBD eher, welche strategischen Überlegungen wohl dahinterstecken mögen.
Und die Kanzlei gab in den vergangenen Monaten noch mehr Anlass als schon bislang für Diskussionen über ihre Strategie u. Spekulationen über deren Erfolgschancen. V.a. der Weggang eines renommierten Partnertrios (Dr. Herbert Posser, Dr. Wolf Spieth, Dr. Benedikt Wolfers) im Öffentlichen Recht ließ die Diskussion im Markt um die Rolle dieses Fachbereichs sowie des Berliner Büros wieder kräftig aufleben. Die Rolle des Berliner Büros hat die Kanzlei tatsächlich beschäftigt, denn ab Herbst 2018 entsteht dort eine Abteilung, die speziell auf Innovations- u. Legal-Tech-Entwicklungen sowie Transaktionsunterstützung für alle kontinentaleuropäischen Büros zugeschnitten wird.
Im Öffentlichen Recht konnte die Kanzlei die namhaften Weggänge auffangen, weil mit Dr. Juliane Hilf u. Prof. Dr. Marcel Kaufmann versierte Partner bereitstanden. Mit ihrer tiefen Spezialisierung u. internat. Erfahrung in Regulierungsfragen besetzen sie auch über Deutschland hinaus längst eine Schlüsselposition bei der Beratung stark regulierter Branchen. Darin zeigt sich zudem, dass das Bild der Kanzlei nicht komplett ist, wenn nicht neben den Personalveränderungen auch die bemerkenswerte Präsenz in zentralen Mandaten des Marktes in den Blick genommen wird.
Das komplexe, internat. VW-Mandat hat die Führungsrolle von FBD untermauert u. ihr viel Renommee u. Umsatz eingebracht. Es hat der Kanzlei auch organisatorische Lösungen abverlangt, z.B. hat sie inzw. zahlreiche Kanzleien untermandatiert, darunter Noerr, Esche u. Heuking. Es ist bekannt, dass FBD über ihre Transaction-Lawyer-Teams hinaus, zudem noch mehr Associates eingestellt hat, um die Arbeit zu bewältigen. FBD kann dabei ihr ganzes Können in der Steuerung von Großprojekten u. Vernetzung versch. Fachbereiche beweisen, wie sie es zuletzt auch bei den Restrukturierungsmandaten für die HSH Nordbank u. den Airbaghersteller Takata machte. Wie konsequent sie diesen Ansatz verfolgt, zeigt auch die Zusammenfassung von Gesellschaftsrecht, M&A, Bank- u. Finanzrecht sowie Immobilien unter den Begriff Global Transactions unter der Leitung von Dr. Wessel Heukamp, eines Münchner Corporate-Partners der nächsten Generation.
Weil auf dem Terrain von Compliance-Mandaten u. internen Untersuchungen der Umgang mit Staatsanwaltschaften anspruchsvoller geworden ist, reagierte FBD mit einem für sie außergewöhnl. Schritt: Sie holte eine Quereinsteigerin, nämlich Dr. Simone Kämpfer, eine der angesehensten deutschen Strafrechtlerinnen. Damit gelang ihr ein Coup, der etlichen ihrer Wettbewerber versagt bleibt. Allein das zeigt, wie viel Anziehungskraft die Kanzlei entfalten u. wie flexibel sie reagieren kann, wenn es strategisch nötig erscheint.
Die Fähigkeit, Marktereignisse u. Strategien bei ihren Mandanten zu analysieren u. Trends zu erkennen, zählt schon lange zu ihren Stärken. Die Beratung von BASF – zu der insbes. die Brüsseler Kartellrechtler schon länger Beziehungen pflegten – im Zshg. mit der Bayer/Monsanto-Transaktion, verdeutlicht dies eindrucksvoll. Sie führte dazu, dass der Chemieriese einige Bayer-Geschäftsbereiche übernahm, deren Verkauf die Kartellbehörden zur Bedingung gemacht hatten. Eine besondere Bedeutung des Mandats liegt auch darin, dass FBD die hochkarätige Transaktion auch in den USA weiterzuführen. Viele Jahre lang wäre solch ein Deal wohl auf dem Tisch einer New Yorker Spitzenkanzlei gelandet.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 419
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei mit einheitl. Vergütungssystem (modifizierter Lockstep), v.a. in Europa sehr stark. Im Nahen Osten mehrere eigene Büros u. exklusive Beziehungen. In Asien liegen strateg. Schwerpunkte in China u. Japan. In den USA baut sie eigene Büros in New York u. Washington auf (aktuell ca. 38 US-Partner).
Entwicklung: Für die Partnerschaft bedeuten die strategischen Herausforderungen einen andauernden Kraftakt. Es gilt die Spitzenposition in den einzelnen Fachbereichen hierzulande zu verteidigen u. zugleich die Rolle im US-Markt zu vergrößern. Letzteres erfordert eine immer weitere Steigerung der Profitabilität, um für Quereinsteiger u. talentierte Associates in den USA attraktiv zu sein.
Zuletzt hat es tatsächlich mehr Stimmen gegeben, die auf strategische Verunsicherungen innerhalb der Kanzlei hindeuten. Wurde vor wenigen Jahren z.B. noch über eine Verkleinerung der Präsenz hierzulande diskutiert, beschäftigt die Kanzlei heute mehr Anwälte als früher – u.a. eine Folge zahlreicher Neueinstellungen im Zusammenhang mit dem VW-Mandat. Auch der Verlust von marktführenden Teams, die obendrein weiterhin sehr erfolgreich arbeiten – erst vor 2 Jahren hatte sich in Berlin das Blomstein-Team verabschiedet – befeuert möglicherweise nicht nur bei externen Beobachtern Zweifel am Bekenntnis zum Full Service. Dass Wolfers auch nach der Abspaltung im VW-Mandat mandatiert ist, zeigt immerhin, dass die Kanzlei nicht ganz so leicht ohne Galionsfiguren auskommt. Außerdem verlor die Kanzlei 2 jüngere Partner an ihre engsten Konkurrenten: so wechselte ein Arbeitsrechtler zu Linklaters, v.a. aber der Weggang von Dr. Tobias Larisch, der sich im Gesellschaftsrecht einen exzellenten Ruf erarbeitet hatte, zu Latham & Watkins ließ aufhorchen.
Die zuletzt erfolgte Umstellung des Partnervergütungssystems soll nun einige immer wieder geführte Diskussionen beenden. Die Kanzlei fügte ihrem Lockstep einige individuelle, leistungsbezogene Elemente hinzu. Ein Vergleich mit zwei ihrer wichtigsten Konkurrenten auf dem internat. Parkett, Cleary Gottlieb u. Latham & Watkins, macht die Richtung deutlich. Erstere bezahlt das Festhalten am einheitlichen Lockstep damit, dass sie z.B. in Deutschland über eine bestimmte Größe nicht hinauswächst. Letztere kann mit der Kombination aus einer finanzstarken US-Praxis u. einem leistungsbasierten Vergütungsmodell ihre Expansion in Europa vehement vorantreiben. Mit der Anpassung des Vergütungssystems bekräftigen das FBD-Management u. die Partnermehrheit, dass die Kanzlei weiter an der Profitabilitätsschraube drehen will – nicht zuletzt auch, um ihre Partnerreihen vor weiteren Abwerbeversuchen zu schützen.
Dem Erstarken von Wettbewerbern wie Latham setzt FBD aber nicht nur finanziell eine strategische Antwort entgegen: So hat sie ihre kontinentaleuropäischen Büros unter einen einheitlichen Managementschirm gefasst. Mandate, Associate-Teams u. Fortbildungen – all dies ist noch stärker als bislang integriert worden. Damit rüstet sie sich nicht nur für den unwägbaren Ausgang der Brexit-Verhandlungen, sondern will der Konkurrenz auch beim Wettbewerb um hochkarätige internat. Mandate eine Nasenlänge vorausbleiben.
  • Teilen