HEUKING KÜHN LÜER WOJTEK

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: HKLW verfolgt seit Jahren eine konsequente Wachstumsstrategie. Inzw. gehört sie zu den 5 personell größten Einheiten hierzulande. Auch zuletzt nahm sie Quereinsteiger auf, mit denen sie gezielt Angebotslücken im IP/IT-Recht schloss. Mit ihren Neuaufnahmen aus dem Vorjahr, darunter ein Private-Equity-Transaktionsanwalt in Köln u. Datenschutzspezialisten in München, hat sie eine glückliche Hand bewiesen. Letztere brachten eine Reihe von Dauermandanten mit u. fanden sich z.B. für Mandanten wie Hugendubel rasch mit den Arbeitsrechtlern für DSGVO-Projekte zusammen. Dass sich HKLW vergleichsweise leichttut, Quereinsteiger zu gewinnen, liegt in ihrer Struktur u. Kultur begründet. Das Vergütungssystem ist flexibel genug, um unterschiedliche finanzielle Beiträge der Partner intern auszutarieren. Zugleich ist ihr äußerst zurückhaltendes Management ein Magnet für jene, die ihr Geschäft möglichst unabhängig betreiben u. entwickeln wollen.
Das stetige Wachstum hat der Kanzlei im Lauf der Jahre eine überaus vielfältige Mandantschaft beschert. Diese findet bei HKLW alles, was sie theoretisch braucht, sodass das Potenzial für innerkanzleiliche Verweismandate nahezu unendlich scheint. Genutzt werden die Möglichkeiten nach wie vor primär ad hoc u. auf Basis individueller Kooperationsvorlieben der Partner. Das muss keineswegs zum Nachteil der Mandanten sein, so etwa wenn sich die Top-Vergaberechtlerin für ein Compliance-relevantes Mandat einer Landeshauptstadt mit den Strafrechtlern zusammentut oder die anerkannte Kapitalmarktpraxis mit dem bekanntesten Restrukturierer der Kanzlei. Doch Beispiele aus der insgesamt durchaus erfolgreichen Immobilienpraxis zeigen andererseits, dass Chancen dann auch teils nicht genutzt werden. Dort werden Projekte meist nur in einzelnen Phasen begleitet. Eine stringentere Kooperation zwischen Öffentl., Vergabe- u. Immobilienrecht würde es eher erlauben, sie von Anfang bis Ende in der Kanzlei zu halten u. so häufiger Highlights zu setzen.
Besonders erfolgreich waren zuletzt die Transaktionsanwälte – die in Anbetracht des boomenden Markts sehr gut beschäftigt waren, u. mit etwa BC Partners auch attraktive neue Mandanten gewannen. Immer wieder zeigt sich dabei auch, was HKLW im grenzüberschreitenden Geschäft zu stemmen in der Lage ist: So berieten die Anwälte mit BlueGem einen Mandanten, der über das internat. Kanzleinetzwerk kam, standen USU Software bei einem Kauf in Frankreich gemeinsam mit einer französischen Kanzlei zur Seite u. wickelten eine Reihe von Mandaten mit Bezug zu China ab. Und auch die Prozesspraxis legte deutlich zu. Zum einen war sie mit einer wachsenden Zahl von Schiedsverfahren befasst, zum anderen auch zunehmend mit der Abwehr von Massenverfahren, etwa im VW-Dieselskandal. Für diese Verfahren stockte die Kanzlei die Associate-Riege deutlich auf.
Besondere Stärken: Vergabe.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Sachsen; Stuttgart.
Anwälte in Deutschland: 302
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei, exklusives dt. Mitglied im ww. Netzwerk World Services Group, dem u.a. Garrigues (Spanien), Dorda (Österreich), Arendt & Medernach (Luxemburg) u. Gianni Origoni Grippo (Italien) angehören. Zudem Allianz mit der brasilian. Kanzlei Veirano u. zahlreiche individuelle Kontakte. Eigene Büros in Brüssel u. Zürich.
Entwicklung: HKLW betont das anwaltliche Unternehmertum u. zieht daraus den Schluss, dass ein allzu entschlossenes zentrales Management dem entgegensteht. Dabei kann ein strategisches u. am Interesse der Gesamtkanzlei ausgerichtetes Management die individuelle Freiheit des einzelnen Partners durchaus stützen, etwa durch eine zentrale Förderung des anwaltlichen Nachwuchses. Aus der Gruppe der Associates mehrt sich Kritik am Fehlen einer solchen Steuerung der Ausbildung, auch weil die Partner ihre Verantwortung unterschiedlich definieren. Obwohl die Kanzlei regelmäßig Anwälte zu Partnern ernennt, läuft sie so Gefahr, vielversprechende Junganwälte zu frustrieren u. schließlich zu verlieren. Die teilweise Verjüngung einiger interner Managementausschüsse wird nicht reichen, dem entgegenzuwirken, da dies nur einige wenige betrifft. Eine durchaus vergleichbar strukturierte Kanzlei wie GSK Stockmann hat in den letzten Jahren Associates in wesentlich größerem Umfang in die Kanzleientwicklung eingebunden u. erntet dafür deutliche Zustimmung aus den eigenen Reihen.
Die Frage der Associate-Förderung ist auch deshalb wichtig, weil die Kanzlei im Zuge der VW-Klagen viele junge Juristen eingestellt hat. Gelingt es, diese dauerhaft an die Kanzlei zu binden, ergäbe sich mit Blick auf die gerade eingeführten Musterfeststellungsklagen sogar die Chance, auch über VW hinaus ein neues Geschäftsmodell für die Abwehr derartiger Klagen zu etablieren.
Das verhaltene Management zeigt sich aber auch beim Blick auf das grenzüberschreitende Geschäft. Auch wenn HKLW immer wieder bemerkenswerte internat. Transaktionen begleitet, so würde das riesige Netzwerk World Services Group doch vermutlich noch deutlich mehr ermöglichen. Zwar ist seit einiger Zeit ein HKLW-Partner Teil des Direktorengremiums, doch hat sich dies bislang auf die deutsche Praxis noch wenig ausgewirkt.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Heuking Kühn Lüer Wojtek Partnerschaft10719 Berlin
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