LATHAM & WATKINS

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

JuveAwards2018 Logo Kanzlei des JahresBewertung: Lathams ehrgeizige Strategie geht Stück für Stück auf. Ihr trauen Marktbeobachter mittlerweile am ehesten zu, in die Riege der führenden Einheiten an der Marktspitze einzudringen. Und auch dort gibt es Partner, die Latham inzwischen als ihre gefährlichste Wettbewerberin betrachten.
Zu diesem Erfolg haben die strategisch stimmigen Zugänge der vergangenen Jahre wesentlich beigetragen. Dr. Nikolaos Paschos etwa verschaffte seiner neuen Kanzlei u.a. in Mandaten zu Compliance- u. Corporate-Governance-Fragen mehr Gewicht – u. tat damit genau das, wofür er im Vorjahr geholt wurde. Das gilt auch für Dr. Rainer Traugott, der 2 Jahre zuvor ebenfalls von Linklaters gewechselt war. Ein großes Team um ihn beriet Siemens zu den 2 zentralen Corporate-Projekten des Konzerns: der Zusammenlegung der Zugsparte mit Alstom u. dem Börsengang der Gesundheitstochter Healthineers. In diesem Jahr holte sie noch einen jüngeren Corporate-Star von Freshfields dazu, Dr. Tobias Larisch hat sich als Gesellschaftsrechtler insbesondere im Energiesektor einen starken Ruf erarbeitet.
Beim Voranschreiten im deutschen Markt spielt Latham dabei ihre starke US-Praxis in Corporate u. Finance in Zeiten immer komplexerer internat. Großmandate in die Hände – denn hier hat sie gerade ihren wichtigsten britischen Wettbewerbern wie Freshfields, Linklaters oder Clifford etwas voraus. So kommt sie ihrem Ziel näher, sich über den dauerhaften Auf- u. Ausbau von Beziehungen zu großen Industriemandanten u. Entscheidungsträgern für Großprojekte in Gesellschaftsrecht, Banking u. in komplexen Transaktionen zu positionieren. Auch wenn Wettbewerber wie Freshfields u. Hengeler hier noch immer einen Vorsprung haben: Latham holt auf, u. das lässt sich nicht nur an der Marktwahrnehmung festmachen, sondern auch daran, dass die Kanzlei immer lukrativere Mandate begleitet. Die Arbeit für Siemens u. Transaktionen für Private-Equity-Häuser wie IK Investment oder Triton sind dafür Beispiele.
Anders als bei einigen anderen US-Konkurrenten reichen Lathams Ambitionen dabei über Private-Equity- u. M&A-Transaktionen hinaus. So gelingt der Kanzlei offenkundig, woran viele der führenden US-Kanzleien im deutschen Markt scheitern: einen breiten fachlichen Ansatz mit den hohen Profitabilitätserwartungen einer US-dominierten Partnerschaft zu versöhnen. Skadden, Cleary, Kirkland – bei vielen im US-Heimatmarkt führenden Wettbewerbern wirken diese Profitabilitätserwartungen als natürliche Bremse für den Ausbau der deutschen Praxis auf breiter Front, doch Latham hat zuletzt bewiesen, dass sie auch andere lukrative Marktbereiche gezielt erschließen will: Sie gewann mit Tim Wybitul von Hogan Lovells u. Dr. Thomas Grützner von Baker 2 Quereinsteiger für Datenschutz u. Compliance. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil deren Fachgebiete zurzeit dermaßen gefragt sind, dass es normalerweise auch Top-Kanzleien kaum gelingt, Spezialisten mit dem erforderlichen Format als Quereinsteiger zu gewinnen – es gibt schlicht zu wenige. Dass Latham hier dennoch wiederholt punkten konnte, hat mehrere Gründe. Zum Teil speist sich die Attraktivität der Kanzlei für Quereinsteiger schlicht daraus, dass ihnen Latham aufgrund ihres Vergütungssystems mehr bieten kann als Wettbewerber, von denen viele seit Jahren konfliktträchtig an ihren Lockstep-Systemen herumdoktern. Zum Teil entfaltet auch die Erfolgsdynamik viel Anziehungskraft.
Die kompromisslosere Ausrichtung des Geschäfts auf Profitabilität, das straffere Management u. die damit einhergehende Fluktuation sind Faktoren, die den Erfolg begünstigen, aber auch Spannungen erzeugt haben, denn zwingend sind damit auch mehr Druck u. weniger Freiheiten für die Partner verbunden. Dass dieser Effekt aber die Stabilität der Kanzlei gefährdet oder sich der Erfolg als zu teuer erkauft erweisen wird, wie manche Wettbewerber lästern, dafür gibt es derzeit kaum Anzeichen.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Gesellschaftsrecht.
Siehe auch: Frankfurt; Hamburg; München; Düsseldorf; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 164
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei, urspr. aus Los Angeles, mit starken Büros u.a. in New York, Washington u. London. Seit mehreren Jahren strategischer Akzent auf einer Stärkung der europäischen Büros.
Entwicklung: Latham hat sich zuletzt erneut dort verstärkt, wo sie bisher unter ihren Möglichkeiten blieb – dies gilt etwa für Datenschutz u. Compliance, aber auch für ihr Know-how bei öffentlichen Übernahmen. Wenn es gelingt, dieses Potenzial noch stärker in High-End-Mandate zu übersetzen, dürfte die Marktwahrnehmung sich weiter verbessern.
Hilfreich ist in dieser Hinsicht auch, dass Latham in den Augen vieler Marktbeobachter inzwischen der Nimbus einer kaum aufzuhaltenden Gipfelstürmerin anhaftet. Das erzeugt – unabhängig von objektiv messbaren Erfolgsfaktoren – eine eigene Sogwirkung auf starke Partner anderer Kanzleien, deren Wechsel dann wiederum als neue Kapitel in der Aufstiegsgeschichte der Kanzlei gelesen werden können.
Dieser Mechanismus wird sich aber abschwächen, je näher Latham ihrem Ziel kommt. An der Marktspitze entfallen der Schwung u. die stabilisierende Kraft der gemeinsamen Anstrengung beim Aufstieg. Für diese Zeit, in der sie nicht mehr der aufregende Angreifer ist, muss die Kanzlei wetterfest gemacht werden. Dies ist für das Management die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre.
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