HOGAN LOVELLS

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

JuveAwards2018 Logo Nominierte Kanzlei des JahresBewertung: Inzwischen kann nicht mehr ernsthaft bezweifelt werden, dass HLs transatlantischer Zusammenschluss ein voller Erfolg ist, u. dass sie diesen bemerkenswert nutzt. Erneut legten die 4 deutschen Standorte nicht nur insgesamt ökonomisch, sondern auch in fast allen Fachbereichen zu.
Dem Corporate-Team gelang dabei ein beeindruckender Durchbruch. Energietransaktionsrechtler Matthias Hirschmann begleitete für Exxon den Verkauf des deutschen Esso-Tankstellennetzes. Aber v.a. die Beratung von Daimler beim geplanten Umbau des Konzerns katapultierte die Corporate-Anwälte in eine neue Liga. Der junge Partner Dr. Nikolas Zirngibl führt dabei ein internat. Team. Ausschlaggebend für die Mandatierung waren die guten US-Kontakte zum Autobauer, doch zeigt sich gerade darin, dass die Kanzlei mit ihrer transatlantischen Vernetzung anderen Sozietäten einige Schritte voraus ist. Mit Deals dieser Qualität u. hoch angesehenen Praxen wie Patent-, Marken- oder Versicherungsrecht verkürzt HL so allmählich den Abstand zu den Marktführern. Dass sie sich dabei aber auch in Bereichen, in denen sie ohnehin zur Marktspitze gehört, nicht ausruht, zeigt u.a. das Patentrecht: Dort hat sie nicht nur erneut Partner ernannt, sondern baut auch ein Patentanwaltsteam auf, das die technische Kompetenz ihrer enormen Prozesstätigkeit erweitert.
Grundlage der positiven Entwicklung sind ihr ausgeprägter Sektoransatz in Branchen wie Automotive, Banken, Energie, Life Science oder Versicherungen, u. das konsequente Management durch den internat. Managing-Partner Stephen Immelt u. seinen bisherigen europäischen Kollegen Dr. Burkhart Goebel. Beide trieben die ww. Zusammenarbeit voran. Im Zuge dessen überwanden die deutschen Büros ihr jahrelanges Standortdenken, sodass Hamburger u. Münchner Corporate-Partner nun auch gemeinsam für Daimler arbeiten. Das Daimler-Mandat steht fast schon symbolisch für die bemerkenswerte Stärke der Kanzlei im Automotive-Sektor, die sich in diversen Praxen zeigt: Das Spektrum reicht von Lieferkettenstreitigkeiten für VW u. Daimler über Produkthaftungsfragen bis zu internen Untersuchungen – marktbekannt ist hier die Arbeit für BMW.
Die Erfolge der vergangenen Jahre erarbeitete sich HL primär aus eigener Kraft u. verzichtete anders als etwa Latham & Watkins weitgehend auf Quereinsteiger. Stattdessen förderte sie Eigengewächse wie eben Zirngibl, aber auch junge Prozessspezialisten, Patent- oder Pharmarechtler.
Punktuell holt sie sich allerdings Verstärkung ins Haus, um Bereiche nach vorne zu bringen, in denen ihr entscheidende Kontakte in die Industrie fehlen. Im Frankfurter Büro war zuletzt der Zugang von Dr. Jochen Seitz u. Peter Maier von Mayer Brown eine viel beachtete Erweiterung im Bank- u. Kapitalmarktrecht, denn die Zugänge bedeuten einen deutlichen Kompetenzgewinn u. neues Geschäft. Die eigentliche Herausforderung besteht aber in einer schnellen u. reibungslosen Integration der Quereinsteiger. Denn während die deutsche Praxis Eigengewächse häufig lange an sich bindet, gelingt das bei Quereinsteigern mit starker Persönlichkeit nicht immer, wie der Weggang des sehr renommierten Arbeits- u. Datenschutzrechtlers Tim Wybitul zu Latham & Watkins zeigte. Sein Ausstieg ist ein herber Verlust, repräsentierte er doch mit Datenschutz u. Compliance wichtige Zukunftsthemen, die zwar nun keineswegs verwaist sind, denen Verstärkung jedoch guttun würde.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Dispute Resolution.
Besondere Stärken: Gesundheit; Handel u. Haftung; Marken u. Wettbewerb; Patent; Vertrieb.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 330
Internat. Einbindung: Voll integrierte Kanzlei, mit zahlreichen Büros in Europa, Asien, Südamerika u. den USA. Im August 2018 schloss HL ihr Büro in Rio de Janeiro und konzentriert ihre brasilianische Praxis nun auf São Paulo.
Entwicklung: HL gilt als Kanzlei mit einem exzellenten Gespür für Talente. Dafür sprechen 8 Partnerernennungen in 2018. In Zukunft wird sich die Kanzlei aber auch darum kümmern müssen, wie sie Quereinsteiger besser integriert, denn noch trennt sie eine gläserne Decke von den Top-Kanzleien in Deutschland, die sie aus eigener Kraft kaum durchbrechen kann. So fällt beispielsweise der Vergleich mit den marktführenden Praxen in der Organberatung nicht besonders schmeichelhaft aus. Ein etablierter Quereinsteiger könnte dies ändern. Die Voraussetzungen, Anwälte von außen zu integrieren, sind dank des funktionierenden internat. Netzwerks, herausragender Schlüsselmandanten u. des für junge Leistungsträger sehr attraktiven Vergütungssystems günstiger denn je.
Die Rahmenbedingungen werden für die dt. Praxis dennoch künftig nicht einfacher. Erstmals seit 2010 steht kein Deutscher an der Spitze des kontinentaleuropäischen Managements: Seit Juni 2018 gibt die Pariser Partnerin Marie-Aimée de Dampierre den Takt auch für die dt. Standorte vor. Sie beerbte Goebel, der die internat. Leitung der IP-Praxis übernahm. Gleichwohl sind deutsche Partner weiter stark im internat. Management vertreten, denn mehrere leiten inzwischen europäische Praxisgruppen, etwa im Arbeitsrecht, bei Litigation oder Corporate Capital Markets. Im Exekutivorgan der Kanzlei sitzt neben Goebel auch die Produkthaftungsrechtlerin Ina Brock, die weltweit zentrale Mandatsbeziehungen koordiniert. Sie stehen nun als Team in der Pflicht. Denn es gilt, die internat. Vernetzung weiter voranzutreiben, weitere Industriegruppen europaweit auszurollen sowie Zukunftsthemen wie Blockchain, Datenschutz, Data Mining oder Digital Health konsequent zu besetzen. Hier sind die deutschen Partner zwar engagiert, andere Kanzleien sind HL aber zum Teil etwas weiter voraus.
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