LUTHER

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Kontinuierlich, ohne große Wellen zu schlagen, führt das amtierende wiedergewählte Managementduo Elisabeth Lepique u. Dr. Markus Sengpiel die Kanzlei in neue Gewässer. Luther verfolgt eine ganz bestimmte Strategie: Insbesondere bei Transaktionen, aber auch für Verfahren werden zusehends praxisgruppenübergreifend Teams gebildet, um Branchenstärken auszuspielen. Das Paradebeispiel ist die Beratung der Energiebranche. Hier tritt v.a. das renommierte Düsseldorfer Team an der Seite von Branchenriesen wie E.on auf, auch Vattenfall vertraut schon eine Weile in diversen ICSID-Schiedsverfahren auf die Kanzlei. Luther holte zudem mit Dr. Michael Bormann den Corporate-Chef von Simmons & Simmons, dessen Schwerpunkt in der Energiebranche eine Lücke im Transaktionsgeschäft schließt.
Auch bei der Beratung der öffentl. Hand spielt Luther ihre Stärken aus: Gepaart mit Branchenwissen, z.B. im Gesundheitssektor, etabliert sie sich als kompetente u. auch über verschiedene Standorte hinweg gut vernetzte Beraterin u. war zuletzt in zahlreichen Krankenhaustransaktionen oder Umstrukturierungen involviert. Diese Bündelung von Branchen- u. Fachexperten funktioniert gut. Allerdings noch nicht flächendeckend.
Je weiter sich die Vorzeigeteams entwickeln, desto mehr schleicht sich ein gewisses Ungleichgewicht innerhalb der Kanzlei ein. Die tiefe Verwurzelung im Mittelstand ist das, was die Kanzlei in der breiten Fläche ausmacht, sich aber gleichzeitig als Hemmschuh erweist. Denn will man eine Entwicklung zu höherwertigem, produktiverem Geschäft, muss bestehendes Geschäft auf den Prüfstand. Die natürliche Grenze zur breiteren Abdeckung hochkarätiger Deals, etwa für Dax-Unternehmen, liegt v.a. in der Schwäche der Finanz- u. Kapitalmarktpraxis. Sie kommt über eine Support-Rolle bisher nicht hinaus. Demgegenüber steht der weitere Ausbau der Mittelstandsberatung. So holte die Kanzlei in HH einen Finanzierungsexperten von Watson Farley, der sich auf Schiffsfinanzierungen fokussieren soll. Gleichzeitig ernannte sie 2 Partner vor Ort mit den Schwerpunkten Handels- u. Maritimes Wirtschaftsrecht. Das ist ein klares Bekenntnis, dem gehobenen Mittelstand als Nahversorger auch im Norden beiseitezustehen. Auch andere Projekte fokussieren sich auf diese Klientel: ein Verband für kleine u. mittlere kapitalmarktorientierte Unternehmen in Frankfurt oder bereits die zweite Kooperation mit einem gr. Textilverband in Stuttgart.
Siehe auch: Berlin; Brüssel; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Niedersachsen; NRW; Sachsen; Stuttgart.
Anwälte in Deutschland: 300
Internat. Einbindung: Die Kanzlei hat Büros in Brüssel, London, Luxemburg, Singapur, Yangon u. Schanghai, wo auch Anwälte mit chin. Zulassung arbeiten. Es bestehen Best-Friend-Beziehungen zu Kanzleien in Europa.
Entwicklung: Das Bild, das Luther derzeit abgibt, erscheint angesichts des Erfolgs einzelner Paradedisziplinen heterogen: Während in einigen Sektorgruppen Konzerne zur Mandantschaft zählen, bleiben andere Praxen tief verwurzelt im Mittelstand. Gleichzeitig kristallisiert sich zunehmend ein Nordwest-Schwerpunkt heraus, insbes. bei der Betrachtung der jüngsten personellen Entwicklungen: So gab es in Frankfurt, Stuttgart u. München im Gegensatz zu Hamburg u. Düsseldorf keine Partnerernennungen oder nennenswerten Quereinsteiger.
Ebenso ist die Frage nach der internat. Ausrichtung noch nicht abschließend beantwortet. Aktuell stellt die Kanzlei ihre Best-Friend-Beziehungen auf den Prüfstand, eine Vollfusion ist zunächst kein Thema mehr. Gegenüber Wettbewerbern wie CMS oder Heuking könnte Luther aber insbes. bei US-Mandaten regelm. den Kürzeren ziehen, wenn sie kein – zumindest unter einem gemeinsamen Namen firmierendes – Netzwerk vorweisen kann. Es wäre deshalb nicht verwunderlich, wenn die Kanzlei bei passender Gelegenheit den Plan von einem Netzwerk mit stärkerem Außenauftritt wieder hervorholt. Zentral bleibt für den Moment die Herausforderung, dass die Partnerschaft dieselben Ziele verfolgt. Um das zu fördern, setzte Luther zuletzt ein internes Tool, ähnlich wie ein soziales Netzwerk, neu auf. Mit einem stärkeren Austausch unter den Anwälten sollen die Vernetzung gefördert u. ein zu großes Auseinanderdriften der Arbeit u. der Partnerschaft vermieden werden.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH10117 Berlin
Zum Porträt
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