MAYER BROWN

Nationaler Überblick Top 50★☆☆☆☆

Bewertung: Mehr Profitabilität durch einen Umbau, der die deutschen Standorte stärker in die internat. Schwerpunktbildung der Kanzlei einbezieht – dieses Ziel eint die US-Kanzlei mit ihren deutlich größeren Wettbewerbern Hogan Lovells u. White & Case. Die unter Managing-Partner Dr. Guido Zeppenfeld eingeleitete Neustrukturierung kommt gut voran, u. dass MB mit Personalabgängen dabei nicht mehr Schlagzeilen produziert hat, ist durchaus ein Erfolg.
Dass das deutsche Management die internat. Vernetzung fest im Blick hat, zeigte sich, als sich zuletzt das Geschäft etwas verschob: Die starken Standorte in Asien trugen weniger Arbeit in die deutschen Büros. Diese suchten stattdessen den engen Schulterschluss mit den westlichen Standorten, vor allem Paris u. London. Exemplarisch dafür steht etwa die Beratung bei der Refinanzierung der Klesch-Gruppe.
Im Gesellschaftsrecht setzt MB auf 3 Felder: Neben der laufenden Beratung ihres weltweiten Mandantenstamms, zumeist Industrie, stehen in Deutschland die aktien- u. konzernrechtliche sowie die Restrukturierungsberatung im Fokus. Ein Highlight des Jahres war die komplexe Auflösung eines Joint Ventures für Dow Chemical, die das Potenzial des Teams bei der Arbeit für hochkarätige internat. Konzerne zeigte. Die in anderen Ländern für die Kanzlei wichtige gesellschaftsrechtliche Beratung von Finanzdienstleistern ist in Deutschland allerdings noch nicht so stark.
Die Praxis für Bank- u. Finanzrecht hatte zuletzt eine wichtige Personalie zu verdauen: Der ehemalige Praxischef Dr. Jochen Seitz wechselte Ende 2017 mit einem Team zu Hogan Lovells u. schwächte damit das kapitalmarktrechtliche Team spürbar. Dies ist umso unglücklicher, als dass diese Praxis eine der wichtigsten internat. Gruppen der Kanzlei ist. Doch könnte der personelle Umbruch auch eine Chance zur strategischen Neuausrichtung bieten, denn bisher war die Praxis weniger auf die regulatorische Beratung ausgelegt. Nun ist Raum, um den Fokus künftig stärker auf die strategische Beratung von Instituten zu deren regulatorischen Schlüsselthemen zu richten. Zudem ist nun der Weg frei für jüngere Partner, nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Unruhe im Team gegeben hatte.
Dies schadte MB, da sie sich nicht immer leicht tut, personelle Lücken zu schließen. Dies zeigte sich zuletzt im Arbeitsrecht. Den Weggang eines Partners im Vorjahr federte die Kanzlei zwar inhaltlich ab, rüstete personell aber bislang nicht nach. Dies schmerzt umso mehr, als der renommierte Datenschutzspezialist Zeppenfeld wegen der DSGVO stark im Geschäft ist u. die Arbeitsrechtspraxis Chancen liegen lässt, darauf nahtlos aufzubauen.
Siehe auch: Frankfurt; Düsseldorf; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 57
Internat. Einbindung: Transatlant. Kanzlei mit Büros an vielen US-Standorten (Stammsitz in Chicago), Mexiko u. in London. Große asiatische Büros, v.a. in Hongkong.
Entwicklung: Umbau kann ein dauerhaftes Prinzip sein und eine Kanzlei flexibel halten. Will MB aber alte Umsatzhöhen übertreffen u. in Deutschland expandieren, führt am Ausbau und damit der Aufnahme weiterer Quereinsteiger in klar definierten Schwerpunktbereichen kaum ein Weg vorbei. Das wäre selbst in starken Praxen wie Gesellschaftsrecht/M&A in Frankfurt sinnvoll, um sich für internationale Großmandanten dauerhaft zu empfehlen. Vor allem die Düsseldorfer Corporate-Praxis ist aber viel zu klein, um am kompetitiven Markt die gewünschte Präsenz zu zeigen. Ähnlich sieht es im Arbeitsrecht aus: Die Praxis arbeitet zwar bis zur Kapazitätsgrenze mit anerkannter Qualität, eine solche Basis nutzen andere Kanzleien aber leichter, um auch mit Verweismandaten aus anderen Praxen ihre Präsenz u. Profitabilität zu steigern.
Eine klar definierte u. überzeugende Marktposition der deutschen Büros würde MB nicht nur attraktiver für Mandanten u. Quereinsteiger machen, sondern auch ihre Bedeutung im europäischen Gefüge der Kanzlei festigen. Beim Umbau im Bank- u. Finanzrecht deutet sich eine solche Entwicklung jetzt an: Durch den Weggang von Seitz u. seines Mitpartners Peter Maier dürfte großvolumiges, aber margenschwaches Geschäft wegfallen sein. Angestrebt ist nun eine stärkere Marktstellung in den hart umkämpften Fachgebieten Bankaufsichtsrecht u. Litigation. Dass MB zur Neuausrichtung mit Hilfe von Quereinsteigern in der Lage ist, hat sie im Immobilienrecht bewiesen. Dr. Fabian Hartwich, der vor 2 Jahren von BLP kam u. inzwischen die Praxis leitet, hat die Präsenz des Teams innerhalb kurzer Zeit spürbar gesteigert.
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