OSBORNE CLARKE

Nationaler Überblick Top 50★★☆☆☆

Bewertung: Das Konzept von OC, sich auf technologiegetriebene Branchen zu konzentrieren, ging in diesem Jahr besonders gut auf, denn ihre langjährige Erfahrung in der Beratung zur Digitalisierung u. ihre ausgeprägte praxisübergreifende Zusammenarbeit machten die Kanzlei zur gefragten Adresse. Das lässt sich an der Entwicklung gleich mehrerer Praxisgruppen ablesen. Traditionell mit im Zentrum der Kanzlei steht die TMT-Praxis, die wegen der stark gestiegenen Nachfrage zur DSGVO ein hervorragendes Jahr verbuchte. Da die Praxis die Relevanz des Themas früh erkannte, gehört sie zu den auffälligsten Marktakteuren: Mit mehreren anerkannten Partnern kann sie strategisch wichtige u. umfangreiche Mandate, etwa für BSH, personell gut bewältigen. Zudem ist sie bestens in der Medienbranche verdrahtet, was sich auch bei Transaktionen erneut als gewinnbringend erwies. So steht OC nun schon seit geraumer Zeit in einer steigenden Anzahl von Deals an der Seite von ProSiebenSat.1. Zwar bleibt die Beratung auf IT- u. medienrechtliche Fragen beschränkt, während die Federführung meist bei Milbank liegt, doch konnte sich auch OCs M&A-Praxis ihr Stück vom Kuchen sichern. Vor allem nahm der Anteil an grenzüberschreitenden Deals zu, so wies etwa die Transaktion von Stammmandantin Allgeier US- u. China-Bezüge auf. Auch die kartellrechtliche Praxis, die für Schadensersatzklagen gegen Kartelle steht, profitierte von der allgemeinen Zunahme dieser Streitigkeiten. Sie führte für die Deutsche Bahn im Lkw- u. CDC im Zuckerkartell prominente Verfahren.
Einen deutlichen Schub gab das Management der Entwicklung des Berliner Büros, indem es Robin Eyben (von Morrison Foerster) als Partner u. einen Counsel von CMS in das dortige Büro holte. Eyben ist in der Medien- u. Technologiebranche gut vernetzt u. steuerte direkt die erste Finanzierungsrunde für lokale Start-ups. Zusammen mit Nicolas Gabrysch, der seine Zeit zwischen Köln u. Berlin aufteilt u. als einer der führenden Venture-Capital-Anwälte in Deutschland gilt, soll sich das Duo nun deutlich stärker im VC-Markt verankern. Das kommt nicht zu früh, denn zuletzt fehlte genau diese Präsenz im wichtigen Berliner Markt.
Besondere Stärken: Private Equ. u. Vent. Capital; Datenschutz.
Siehe auch: Köln; München; Hamburg.
Anwälte in Deutschland: 132
Internat. Einbindung: Internat. integriert mit GB, Spanien, Italien, den Niederlanden u. nun Frankreich u. Brüssel (als Schweizer Verein), in 13 Ländern ist sie insgesamt mit 25 Standorten vertreten. Zusätzlich US-Büros in Silicon Valley, San Francisco und New York. Kontakte nach Indien, Skandinavien u. in den Asien-Pazifik-Raum bestehen v.a. von Köln und Hamburg aus. Zuletzt eröffnete sie ein Büro in Stockholm.
Entwicklung: Die Erweiterung des Berliner Büros war ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Schon zu lange war das Büro unterbesetzt, v.a. seit ein Associate, der in der Venture-Capital-Szene der Hauptstadt bestens vernetzt war, der Kanzlei im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt hatte. Gabrysch verbringt auch nur einen Teil seiner Zeit in Berlin, sodass OC in einem ihrer zentralen Geschäftsfelder an einem wichtigen Standort viel zu schwach besetzt war. Es zeigte sich hier wie schon in Hamburg, dass sich OC schwertut, einen Standort zügig aufzubauen. Das hanseatische Büro hat mittlerweile zwar eine kritische Größe erreicht u. erlebt eine Blüte, weil dort mit Dr. Flemming Moos ein Partner beheimatet ist, der im Datenschutz anerkannt ist wie wenige, zugleich schwächelt aber die Corporate-Praxis im Vergleich zu Köln u. München weiterhin. Hinzu kommt nun noch der Weggang von Dr. Isabella Niklas, der für die vor Ort vielversprechende energierechtliche Beratung einen kleinen Rückschlag bedeutet.
Die Strategie, bei Quereinsteigern auf junge Partner wie Eyben zu setzen, kann durchaus die richtige Lösung sein – zumal OC mit ihrem im Marktvergleich eher moderaten Gehaltsgefüge gegen die Angebote, mit denen v.a. US-Kanzleien locken, nicht ankommen kann. Voraussetzung für ein nachhaltiges Gelingen ist allerdings, dass Quereinsteiger den Weg in die Partnerschaft nicht für den eigenen Nachwuchs versperren. Hier Signale an die Associates zu senden, ist jetzt umso wichtiger, weil zuletzt nur 2 Counsel aber keine Partner ernannt wurden.
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