MCDERMOTT WILL & EMERY

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: McDermott wächst und wächst – aber mit erkennbarer Strategie u. messbarem Ergebnis, denn mit dem personellen Ausbau verbesserte sich auch das Beratungsgeschäft u. eröffnete ihr den Zugang in neue Mandatskategorien. Ein Grund dafür ist, dass sich McDermott bewusst für eine andere Wachstumsstrategie entschieden hat als viele US-Wettbewerber. Während diese häufig zunächst vom Netzwerkgeschäft aus den USA profitieren, hat McDermott von Anfang an primär auf nationale bzw. europäische Mandanten gesetzt. Wie gut das funktioniert, zeigt die Beratung der österreichischen Signa-Gruppe. Den Immobilieninvestor begleitet die Kanzlei seit ihrem Markteintritt in Deutschland u. ist – zumindest bei großen u. komplexen Transaktionen wie dem Kauf von Immobilienportfolios oder der immer mal wieder geplanten Übernahme von Kaufhof – als Beraterin gesetzt. Und das ist nur ein Beispiel dafür, dass die deutsche Praxis weit mehr ist als der Brückenkopf einer US-Einheit, der v.a. Verweismandate abarbeitet, denn zudem geben die deutschen Büros in etwa so viel Geschäft ins internat. Netzwerk, wie sie herausziehen. Exemplarisch dafür steht der Kauf eines britischen Snackherstellers durch Mandantin Intersnack, bei dem ein Team aus deutschen u. Londoner Anwälten gemeinsam beriet.
Neben den obligatorischen Immobilienhighlights für Signa, worunter auch das erfolgreiche Bieterverfahren um den Hamburger Elbtower fällt, zählte die Beratung bei der Refinanzierung von Constantin Medien zu den prägenden Ereignissen jüngerer Zeit. Dass junge Partner u. Counsel diese Mandate führten, zeigt wiederum, dass McDermott nicht denselben Fehler wie Wettbewerber machen will, die ihr Geschäft auf einen begrenzten Partnerkreis ausrichten u. dabei vergessen, Perspektiven für die nachfolgende Generation zu schaffen.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; München.
Anwälte in Deutschland: 108
Internat. Einbindung: Aus Chicago stammende Kanzlei, die mittlerweile Standorte in den gesamten USA unterhält. Gute Zusammenarbeit mit dem Pariser Büro. In Europa zudem Büros in London, Rom u. Brüssel. Auch in Asien präsent: strategische Allianz in Schanghai u. Büro in Seoul.
Entwicklung: Die Kanzlei legte 2018 personell deutlich zu und knackte die magische Grenze von 100 Berufsträgern. Während sie in den vergangenen Jahren, insbesondere in Düsseldorf, den Mittelbau durch junge Anwälte aus Großkanzleien stärkte, die die Chance bekamen, eigenes Geschäft aufzubauen, holte sie in Frankfurt zuletzt sowohl etablierte Partner als auch jüngere, aber bereits erfahrene Anwälte hinzu, die den vorhandenen Praxen zu mehr Schlagkraft u. Präsenz verhelfen sollen. Mit dieser Strategie war sie bereits in den beiden anderen Büros erfolgreich, wie sich aktuell v.a. in der positiven Entwicklung im Kartellrecht u. im Gesundheitswesen zeigt.
Aber auch ihre Associate-Ebene baute McDermott zuletzt deutlich aus. In die Karten spielte ihr dabei auch das 2017 eröffnete Kölner Büro, das – wie erhofft – qualifizierte Nachwuchsjuristen anzieht, die nicht bereit sind, ins 40 Kilometer entfernte Düsseldorf zu pendeln. Auch die Möglichkeit, dank eines festen 35-Stunden-Modells pünktlich in den Feierabend zu gehen, kommt beim Nachwuchs an: Aktuell nutzen dies 5 Associates. Solche Alternativen zur klassischen Karrierelaufbahn werden gerade in einer so stark wachsenden Einheit immer wichtiger, in der überdeutlich ist, dass nicht jeder junge Anwalt den klassischen Aufstieg schaffen kann. Eine solche Grundstabilität ist wichtig, v.a. weil McDermott noch weiterwachsen will. Das stellt das Management bei der inzwischen erreichten Größe noch einmal vor neue Herausforderungen. Eine ist, die bisher gehaltene Balance zwischen Quereinsteigerwachstum u. Förderung des eigenen Nachwuchses zu halten. Eine andere ist, insbesondere auf der wachsenden Associate-Ebene keine Kompromisse bei der Qualität zu machen, um das bisher Erreichte nicht zu gefährden u. das steigende Arbeitsaufkommen überhaupt zu bewältigen.
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