Norton Rose Fulbright

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: NRF erwacht aus einem Dornröschenschlaf u. geht mit einem strafferen Management ihren Weg. Der erste Meilenstein war die Steigerung der Produktivität um gut 10 Prozent. Erreicht hat sie das, indem das deutsche Management sich deutlicher vom Londoner Mutterhaus emanzipiert u. zudem darauf achtet, dass Anwälte über Standorte hinweg zusammenarbeiten u. für eine bessere Auslastung gesorgt ist. NRF zeigt sich dabei gegenüber den Partnern etwas weniger kulant, die zu sehr in Standortdenken verhaftet waren. Auch durch die Aufnahme etlicher Quereinsteiger von White & Case, die eine andere Arbeitsweise gewohnt waren, befindet sich die deutsche Praxis so im Aufwind.
Dies zeigt sich auch in den Kernbereichen Gesellschaftsrecht u. M&A: Die Praxis machte mit der Arbeit für Stammmandantin BMW auf sich aufmerksam, die sie dabei beriet, die Mobilitätsdienste in einem internat. Joint Venture mit Daimler zu bündeln. BMW ist v.a. durch das Londoner Büro eng mit der Kanzlei verbunden, hat aber auch feste Kontakte zu jüngeren Münchner Partnern. Das Mandat ist zugleich Ausdruck der neuen Strategie, die sich stärker auf die internat. Vernetzung u. die vom Londoner Mutterhaus vorgelebte Sektorfokussierung ausrichtet. Solide sind etwa Beziehungen zu Versicherern, der Energiebranche, Banken u. dem Agrarsektor, aber auch Technologiemandate werden wichtiger.
Daneben spielen grenzüberschreitende M&A-Deals eine viel größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Einerseits gelang es, NRF-Mandanten wie Energizer u. Reach Local aus ausländ. Büros nach Deutschland zu holen, andererseits begleitete die Praxis deutsche Mandanten ins Ausland. Auch im Equity-Kapitalmarktrecht setzte das Frankfurter Team mit der Begleitung des IPO von Voltabox Akzente. Wieder einmal ist es mit Dr. Benedikt Gillessen ein Anwalt von White & Case, der diese positive Entwicklung verstetigen dürfte. Doch es gab auch Abgänge: So verließ ein Bankrechtsteam um den im Markt renommierten Dr. Rüdiger Litten NRF – ein großer Verlust, der einmal mehr das Frankfurter Büro, den schwächsten Kanzleistandort, trifft. Der Beratungsbereich Anleihen/Strukturierte Finanzierung ist damit bis auf Weiteres weggebrochen. In Hamburg ging zudem Bankrechtler Dr. Ludger Verfürth.
Siehe auch: Frankfurt; Hamburg; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 113
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei mit rd. 50 Büros in Europa (auch Luxemburg), den USA, Kanada, Südafrika, Fernost u. Australien. Internat. Fusionen mit Bull Housser & Tupper (Kanada) u. Chadbourne & Parke (USA).
Entwicklung: NRF hat ihr Profil ein Stück weit optimiert – ein überfälliger Schritt. Die Rezeptur für diesen Erfolg ist nicht neu, wird aber konsequenter als früher umgesetzt: Sektorfokussierung, bessere Auslastung, standortübergreifende Zusammenarbeit. Dass NRF diese Themen erst jetzt angeht, ist verwunderlich, hängt aber auch damit zusammen, dass es offenbar seine Zeit brauchte, bis sich das deutsche Management nicht mehr als Anhängsel des Londoner Mutterhauses, sondern als eigenständiges Gremium begriffen hat. Der Teamabgang in Frankfurt u. auch der Verlust eines Private-Equity-Partners im vergangenen Jahr, der ebenfalls Frankfurt betraf, macht allerdings deutlich, wo der Schwachpunkt liegt: Die Kanzlei lässt Partner, die durchaus ein gutes Standing im Markt haben, immer wieder ziehen u. verliert damit wichtige Kompetenzen – gerade in Frankfurt. Diese Partner sind oft notgedrungen Einzelkämpfer, auch dort, wo es wie im Bank- u. Finanzrecht ein schlagkräftiges Team bräuchte. Einzelnen Partnern allein kann es ohne konsequente Rückendeckung durch das Management kaum gelingen, eine Praxis aufzubauen, die auch noch den gestiegenen Anforderungen der Kanzlei an die Produktivität entspricht. NRF muss es daher gerade in Frankfurt besser gelingen, für die dort entscheidenden Beratungsbereiche Teams aufzubauen, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Eine weitere Daueraufgabe der Kanzlei, die internat. Vernetzung, ist ebenfalls noch nicht erledigt. Wenn NRF es geschafft hat, die Zusammenarbeit der deutschen Büros weiter zu stärken, kann sie das oft noch brachliegende Mandatspotenzial heben, das in dem riesigen internat. Netzwerk der Kanzlei steckt.
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