White & Case

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: 2015 startete W&C weltweit ihre „Strategie 2020“, zu der neben bestimmten Umsatzzielen auch die Verschlankung der Fachbereiche zählt. Ein wesentlicher Baustein ist dabei die engere Verzahnung der europäischen Büros. Gerade damit hat die Kanzlei spät begonnen, doch sie kann Erfolge vorweisen: Aufgrund eines insbesondere in Berlin u. Düsseldorf angesiedelten Schwerpunkts in regulierten Branchen wie Energie hat das Team viel Erfahrung mit deutschen Regulierungsbehörden, die im europäischen Kontext an Bedeutung gewinnt. So fügt sich Prof. Dr. Norbert Wimmers Regulierungsschwerpunkt, der etwa bei Streitigkeiten um Einspeiseentgelte zum Tragen kam, ideal in das internat. Netzwerk.
Auch die Corporate-Praxis gewann an Profil, indem sie die Kontakte zu namhaften deutschen Konzernen u. dem Staatsfonds Qatar Investment Authority ausbaute. Als erfolgreich hat sich die stärkere Fokussierung auf die grenzüberschreitende Arbeit auch bei Transaktionen erwiesen, wie etwa bei der Begleitung der Gesellschafter von ControlExpert beim Einstieg von General Atlantic.
Im Zuge der Umstrukturierung hat W&C auch 2017 die Zahl ihrer Berufsträger reduziert, muss aber dennoch regelmäßig Nachwuchsanwälte als Ersatz für Partner gewinnen, wodurch die Personalstruktur heute weniger hierarchisch ist. Das gibt jüngeren Leistungsträgern die Möglichkeit, ihr Potenzial zu entfalten: Partner wie Thomas Burmeister (Energierecht), Sylvia Fiebig (Insolvenzrecht) u. Vanessa Schürmann (Bank- u. Finanzrecht) nutzen die Freiräume hinter altbekannten Galionsfiguren u. erarbeiten sich ein eigenes Profil. Dadurch entsteht eine starke Partnerriege in den Vierzigern, die die nächsten Jahre prägen könnte. Gut in diese Strategie passen auch diverse Zugänge auf Senior-Associate-Ebene. So verstärkte sich W&C etwa in Frankfurt im M&A, Energie- sowie Bank- u. Finanzrecht mit Anwälten von Freshfields, Gleiss u. Clifford.
Die Mandatsentwicklung spiegelt die Branchenschwerpunkte Finanzierung, Technologie, Energie u. Mobilität wider: Daimler mandatierte die Kanzlei zu regulatorischen Fragen. Und die Compliance-Beratung von VW in der Dieselaffäre könnte ein Türöffner für die Beratung weiterer Dax-Konzerne werden. Allerdings verließen zuletzt einige jüngere Anwälte das anerkannte Strafrechtsteam.
Die Branchenfokussierung soll auch helfen, das standortspezifische Wachstum zu fördern. So konzentriert sich Berlin auf die ohnehin stark vertretenen Themen Energie u. Mobility sowie den Ausbau der Litigation-Praxis. Hamburg u. Düsseldorf bilden die Restrukturierungszentren. Dass die Standorte nicht als Full-Service-Büros definiert werden, bedeutet, dass es mehr denn je auf eine Zusammenarbeit über Bürogrenzen hinweg ankommen wird. Das Schwergewicht unter den deutschen Standorten bleibt indes Frankfurt. Die dortige Verzahnung zwischen internat. Bank- u. dem heimischen Gesellschaftsrecht macht das Büro zu einem wichtigen Baustein in der Kanzleistrategie. Dieser könnte nach dem Brexit noch weiter an Gewicht zulegen.
Besondere Stärken: Insolvenz/Restrukturierung.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 196
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei (urspr. aus den USA) mit überaus starker Verbreitung der Büros, insbes. stark in Osteuropa u. Asien.
Entwicklung: Schon durch die Verkleinerung ihrer Reihen hat sich die Kanzlei den ausgegebenen Profitabilitätszielen genähert, doch auch eine qualitative Verbesserung des Geschäfts lässt sich erkennen. Bei allem Willen zur Veränderung haben die vergangenen vergleichsweise ruhigen Monate dennoch gutgetan. Das deutsche Management achtet nun auf eine gewisse Stabilität, um die angestoßenen Entwicklungen fortzuführen: Die deutschen Standorte haben sich im Bereich Gesellschaftsrecht u. M&A schrittweise nach vorne entwickelt und sind so besser für die Vernetzung der europäischen Corporate-Praxis gerüstet, die z.B. bei Private Equity bereits gelungen ist. Auch andere Fachbereiche werden sich mit klaren, über die Rechtsgrenzen hinausgehenden Kompetenzen im europäischen Standortkonzept profilieren müssen. Ein Beispiel ist die Kartellrechtspraxis, die im Vergleich mit Spitzenkanzleien bei der internat. Einbindung Nachholbedarf hat, aber von der Internationalisierung bereits profitiert.
In den Vorjahren waren Personalwechsel meist Ausfluss des bewusst forcierten Verschlankungsprozesses. Inzwischen kommt es aber auch zu Abgängen, meist auf Associate-Ebene, die der Kanzlei nicht recht sein können. Doch gerade die jüngere Partnerriege passt gut in die neue Kanzleikultur. Sie muss nun dazu beitragen, durch den Aufbau weiterer Kapazitäten die Schwerpunktbildung weiter zu forcieren und auch kleinere Standorte wie Düsseldorf wieder zu erweitern.
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