Dentons

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Expansion ist in dieser Kanzlei seit Jahren Programm. Quereinsteiger kamen im Insolvenzrecht sowie für Anleihen, Restrukturierung u. Finanzierung. Zudem wurde die Sal.-Partner-Ebene breiter aufgestellt. Dass dieses Wachstum für Dentons aber kein Selbstzweck ist, sondern auch Früchte trägt, zeigte sich zuletzt in der Bankenpraxis in Frankfurt: So brachte der vor anderthalb Jahren eingestiegene Dr. Arne Klüwer die Praxis deutlich voran. Das Team beriet etwa den DSGV beim Verkauf der HSH Nordbank, während das Immobilienrechtsteam bei Finanzierungen spürbar von der Präsenz der Kanzlei in Luxemburg profitierte. In Berlin wiederum sind die Kartell- u. Regulierungspraxen die tragenden Säulen des Standorts, wobei v.a. Erstere mit Netzwerkmandanten wie Yamaha ebenso auffällt wie mit ihrem Engagement im Finanzierungssektor. Und die Restrukturierungspraxis, angesiedelt in Berlin u. Frankfurt, ist schon seit Langem hoch angesehen. Zuletzt übernahm das Team die Beratung des Managements der Paracelsus-Kliniken bei der Insolvenz in Eigenverwaltung.
Dass Dentons mittlerweile eine Kraft im Markt ist, zeigt auch die Entwicklung der M&A- u. Corporate-Praxis. Sie gehört heute zu den größten im Markt u. berät regelmäßig Mandanten aus dem ww. Netzwerk. Das zeigt die Einbindung der deutschen Anwälte in die Arbeit für Fresenius Medical Care. Das Mandat hat seine Ursprünge in den USA u. ist heute eines der größten der Kanzlei. Ein weiteres Highlight war ein von Frankfurt aus gesteuertes Verkaufsmandat für die Deutsche Post, die Dentons erstmals wg. Kontakten zu DHL in GB mandatiert hatte.
Doch auch in Deutschland gewann die Kanzlei hinzu u. eroberte Plätze auf weiteren Beraterlisten. Sowohl bei Konzernen als auch bei Mittelständlern überzeugt sie, ähnlich wie DLA oder Baker, dabei immer wieder mit ihrem dicht gewebten internat. Netzwerk u. dem Einsatz von Legal-Tech-Lösungen, den sie konsequent vorantreibt. Beides macht sie für global agierende Mandanten v.a. als operative Beraterin interessant. Wie bei ähnlich groß aufgestellten Wettbewerbern wie CMS ist aber auch die Dentons-Praxis auf das stete Grundrauschen von Beratungsmandaten angewiesen, das aus ihrer langjährigen Verwurzelung in den zahlreichen regionalen Märkten u. dem Mittelstand entsteht. Derartige Mandate machen weiterhin fast die Hälfte des deutschen Geschäfts aus, was dem Grundkonzept von Dentons entspricht, gemeinschaftlich betreute globale Mandanten mit einer starken Stellung der jeweiligen Landesgesellschaft im lokalen Geschäft zu kombinieren.
Besondere Stärken: Insolvenz/Restrukturierung; Arbeit im Gesundheitssektor; internat. Vernetzung.
Siehe auch: Berlin; Frankfurt; München.
Anwälte in Deutschland: 112
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei in der Struktur eines Schweizer Vereins, die über 150 Standorte in mehr als 60 Ländern unterhält. Über Nextlaw Global Referral Network weiteres loses Netzwerk mit 283 Kanzleien in 160 Ländern.
Entwicklung: Die Kanzlei sieht sich selbst in der Position des Angreifers und wähnt sich mit ihren Expansionsplänen in Deutschland noch lange nicht am Ziel. Zwar belächeln Wettbewerber teilweise ihr rasantes Wachstum, doch dabei laufen sie Gefahr, Dentons zu unterschätzen. Planlos war ihre Expansion nie, sondern wird von der Kanzlei selbst immer wieder kritisch hinterfragt. Allerdings geht sie dabei opportunistischer in den Markt als viele ihre Wettbewerber u. nutzt Chancen, um regionale oder fachliche Lücken im Beratungsangebot zu schließen. Ihr Ziel ist lokale Größe, um auch im globalen Zusammenspiel ihren Beitrag leisten zu können. Dazu gehört es auch, Quereinsteigern Chancen zu bieten, deren Geschäft Wettbewerber als nicht lukrativ genug beurteilen. Zudem schaut sich Dentons die Performance ihrer Partner nun genauer an – und hat zuletzt ihr Vergütungsmodell umgebaut, sodass neben einem Aufstieg nun auch der Abstieg aus der Partnerschaft möglich ist. Das zeigt, dass die Kanzlei heute viel klarer gemanagt wird als noch in den Anfangsjahren. Was Umsatzvorgaben angeht, ist sie in ein weniger enges Korsett geschnürt als die meisten US- oder brit. Kanzleien u. hat auch dadurch mehr Freiheit bei der Entwicklung von Neugeschäft. Hausaufgaben sind trotzdem noch zu machen: So bleibt die Integration des Münchner Büros ein Thema, denn dort wächst man zwar im Kartellrecht u. verstärkte sich zuletzt auch im Immobilienrecht, doch kanzleiintern ist die Achse Berlin-Frankfurt noch deutl. eingespielter als die Zusammenarbeit mit den Münchnern. Und auch der Ausbau der Mandantenkontakte könnte noch schneller vorangehen, insbesondere was die Beziehung zu Banken in den unterschiedlichen Teams angeht. Insofern muss Dentons aufpassen, sich nicht zu verzetteln – insbesondere, wenn sie ihrem Ziel einer bundesweiten Präsenz tatsächlich durch einen 4. Standort Nachdruck verleihen sollte.
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