TAYLOR WESSING

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Mit dem neuen Managing-Partner Olaf Kranz ändert TW keineswegs den strategischen Kurs. Vielmehr soll der schon zuvor in der Geschäftsführung vertretene Düsseldorfer Partner auf die jüngsten Erfolge aufbauen. Dazu zählt der im Markt viel beachtete Erneuerungsprozess einzelner Büros. Insbesondere Berlin u. Frankfurt galten im Gesamtgefüge der Kanzlei lange als Schwachpunkte. Nach diversen Zugängen u. gezielten internen Wechseln hat dieser Eindruck sich jedoch relativiert, u. der Aufbau ist weitgehend abgeschlossen. So stand das vergangene Jahr v.a. im Zeichen der Konsolidierung. Zugleich zeigte TW in dieser Phase relativer personeller Ruhe einmal mehr, dass sie keineswegs nur auf Quereinsteiger setzt, sondern dem organischen Wachstum einen großen Stellenwert einräumt: Gleich 9 Equity-Partner-Ernennungen sind ein klares Signal an den eigenen anwaltlichen Nachwuchs.
Das Bestreben, den Technologiefokus der Kanzlei weiter auszubauen, machte das beachtliche Wachstum des TMT-Teams deutlich, das seine Associate-Mannschaft verdoppelte. Insbesondere in der Beratung zur DSGVO katapultierte sich das große Team durch seine Weitsicht an die Marktspitze. Dass zugleich die Arbeit für die Gesundheitsbranche zunahm, in der die Kanzlei ebenfalls über großes Know-how verfügt, bietet eine exzellente Ausgangsposition für die Weiterentwicklung in beiden Feldern, etwa im sensiblen Bereich von Patientendaten.
Besonders eingeschlagen hat auch das erst vor Kurzem zur Kanzlei gestoßene Frankfurter Finanzierungsteam, das die Zusammenarbeit mit den Gesellschaftsrechtlern u. den Branchenexperten konsequent sucht. Der Lohn war die Mandatierung in Projekten, die früher kaum bei TW gelandet wären: So zogen die M&A- u. Gesundheitsspezialisten an einem Strang, als Trilantic Capital die Oberberg-Gruppe kaufte, u. berieten auch zur Finanzierung. Ein weiterer Baustein für dieses Mandat war die verbesserte Verbindung zum Londoner Büro. Auch ein stetiger Mandatsfluss aus dem Silicon Valley beweist, dass TW mit ihrer Schwerpunktsetzung richtig liegt. Gleichzeitig zeigt sich darin, dass die Kanzlei nach dem Ausbau der deutschen Büros die internat. Strategie stärker in den Vordergrund rückt. Dies drückt sich auch in Veränderungen an der US-Westküste aus. Nachdem der dort ansässige deutsche IT-Partner zu Bird & Bird wechselte, entsandte TW einen deutschen Corporate-Partner, während GB die IT-Kompetenz beisteuerte. Dieser Wechsel bietet auch der deutschen Corporate-Praxis die Möglichkeit, ihr Geschäft auszuweiten.
Abseits ihrer Kernbranchen, zu denen neben Technologie u. Gesundheitswesen auch der Energiesektor zählt, berät TW als Full-Service-Kanzlei weiterhin einen breiten Bestand an Mittelstandsmandanten. Es bleibt – ähnlich wie bei Wettbewerbern wie Luther – eine Herausforderung, dieses Geschäft mit dem Anspruch, höherwertige u. lukrativere Mandate zu betreuen u. das internat. Netzwerk intensiver zu nutzen, in Einklang zu bringen. Noch bemüht sich TW, beiden Zielen gerecht zu werden, doch wird sie am Ende kaum darum herumkommen, einen Teil ihres Geschäfts u. ihrer Partnerschaft zumindest auf den Prüfstand zu stellen.
Besondere Stärken: Marken u. Wettbewerb; Datenschutz.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 329
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei mit Büros in GB, einigen europ. Städten und Dubai. Starke China-Praxis mit eigenen Büros in Peking u. Schanghai u. Kooperation mit HM Chan & Co. In Singapur als RHT Law Taylor Wessing und in Österreich als enwc Taylor Wessing. Langj. Verbindungen mit US-Kanzleien, v.a. an der Westküste, mit Repräsentanzbüros in New York u. Palo Alto. Auch aktiver Brasilien-Desk. Zudem besteht eine Kooperation mit AlSulaim AlAwaji & Partners in Saudi-Arabien.
Entwicklung: Nachdem die größeren Baustellen an den deutschen Standorten vorerst beseitigt sind, gilt es, das Augenmerk auf die Gesamtausrichtung der Kanzlei zu richten. Insbesondere in den USA steht TW vor der Zukunftsfrage. Noch funktioniert die Strategie, ein Netzwerk von Best-Friend-Kanzleien zu pflegen u. gleichzeitig in Palo Alto u. in New York eigene, auch deutsche Anwälte zu stationieren, doch wird TW sich gerade auch wegen ihres Technologiefokus konsequent für einen Weg entscheiden müssen.
Gleichzeitig muss das erklärte Ziel, sich v.a. auf die Branchen Energie, Life Sciences, Private Wealth u. TMT zu spezialisieren, von der Kanzlei insgesamt mitgetragen werden. Das bedeutet nicht nur in Deutschland den Anspruch, auch Full-Service-Kanzlei zu sein, zu überdenken. Insbesondere im internat. Kontext gilt es, das Selbstverständnis einheitlich zu definieren u. so die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter zu erleichtern. Dass TW jedenfalls in Teilen mit einem klar definierten Beratungsprofil antritt, ist eine exzellente Grundlage dafür. Sie muss sich nur entscheiden, diesen Weg mit aller Konsequenz zu gehen.
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