BAKER & MCKENZIE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Da die internat. Aufstellung traditionell eines ihrer Markenzeichen ist, schreibt B&M ihre größten Erfolgsgeschichten immer dann, wenn sie diese internat. Reichweite ausspielen kann. Doch sind die Zeiten vorbei, wo eine derart globale Reichweite schon für sich als Alleinstellungsmerkmal taugte, u. heute sieht sie sich einem härteren Wettbewerb ausgesetzt. Darauf hat sie an vielen Stellen reagiert. Die stärkere Integration der Fachbereiche, die B&M mittlerweile angestoßen hat, hat sich für eine Reihe von Praxen eindeutig ausgezahlt. Am sichtbarsten wird dies in Compliance, Datenschutz u. Produkthaftung, wo sich die Kanzlei eine starke Stellung bei deutschen Mandanten aufbauen konnte. Zudem hat B&M nun eine internat. besonders relevante Praxis neu aufgestellt: Mit Anahita Thoms, die von Freshfields kam, hat der Fachbereich Außenhandel nun eine Partnerin, die die Anknüpfungspunkte in der Kanzlei aufgreifen u. zusammenführen kann.
Auch die Corporate-Praxis hat sich stetig verbessert, v.a. dank einer Gruppe jüngerer Partner, die im Markt inzwischen Spuren hinterlassen. Im Transaktionsgeschäft positionieren sich starke Eigengewächse wie der im Chinageschäft sehr engagierte Christian Atzler u. eine immer prominenter auftretende Gruppe Düsseldorfer Partner. Dort baut Dr. Ingo Strauss ein Team auf, das eine große Bandbreite von Transaktionen begleitet. Die Wiederbelebung der Private-Equity-Praxis ist v.a. ihm zu verdanken, u. es gibt vielversprechende Anzeichen dafür, dass sein Team zugleich belastbare Verbindungen zu bedeutenden Industriemandanten aus der Rhein-Ruhr-Region knüpfen könnte. In München passt der Fokus von Neuzugang Berthold Hummel (von Dechert) auf Life-Science-Deals gut zu einem wichtigen Branchenschwerpunkt der B&M-Praxis. Von dem deutlich höheren Mandatsaufkommen profitiert auch das Netzwerk insgesamt, sodass die deutsche Praxis einen wichtigen Beitrag zur beschleunigten Integration der europäischen Praxis leistet.
Ansonsten hatte die Kanzlei ein sehr solides Jahr in den meisten Fachbereichen, etwa im Kartellrecht, wo das etablierte Team an der Seite von Carlsberg in ein aufsehenerregendes Bußgeldverfahren involviert ist. Das vor rund 2 Jahren hinzugekommene Berliner Energierechtsteam erwies sich mit umfangreichen Transaktionen für Mandanten wie Steag als Gewinn. Ein erfahrener Partner von PwC verstärkte die Steuerpraxis, u. eine jüngere Generation von Gesellschaftsrechtlern, v.a. Dr. Christian Vocke u. Dr. Peter Wand, baute belastbare Beziehungen zu einer Reihe von Konzernen auf, darunter Daimler.
In der Bankrechtspraxis verstärkte ein Hogan Lovells-Partner das Immobilienfinanzierungsteam, allerdings verabschiedeten sich auch 2 Finanzierungsanwälte zu Ashurst, womit die Bank- u. Finanzrechtspraxis einmal mehr geschrumpft ist. Die Praxis bleibt insgesamt eine offene Flanke für B&M, denn auch in London u. New York bildet der Bereich keine ausgeprägte Stärke.
2 prominente Weggänge warfen aber auch einen Schatten auf die jüngsten Fortschritte: Arbeitsrechtler Dr. Burkard Göpfert, dessen Einstieg vor rund 5 Jahren Aufsehen erregte u. dessen Name schon für sich ein wirksames Akquisewerkzeug war, wechselte zu Kliemt. Und auch Dr. Thomas Grützner, einer der maßgeblichen Partner der deutschen Compliance-Praxis, machte sich auf zu neuen Ufern u. schloss sich Latham & Watkins an.
Besondere Stärken: Handel u. Haftung.
Siehe auch: Berlin; Brüssel; Düsseldorf; Frankfurt; München.
Anwälte in Deutschland: 184
Internat. Einbindung: Global aufgestellte Kanzlei, die in 3 große Einheiten aufgeteilt ist: USA, Europa/Nahost/Afrika sowie, besonders stark, Asien. Servicecenter in Belfast u. in Manila (Philippinen).
Entwicklung: Die jüngere Generation von B&M-Partnern betrachtet die internat. Vernetzung als natürliche Entwicklung u. treibt darum die Vereinheitlichung von Partnerschaft u. Partnervergütung in der europäischen Praxis maßgeblich voran. Im deutschen Vergütungssystem stieg der Lockstep-Anteil zuletzt deutlich an, außerdem erhielt die Umsetzung vereinbarter Ziele mehr Gewicht. Zwar gehört die rein umsatzabhängige Vergütung inzwischen der Vergangenheit an, doch die Geschichte der europäischen B&M-Praxis mit ihren eigenständigen Partnerschaften birgt noch zahlreiche formale u. kulturelle Hürden auf dem Weg zu einer einheitlichen europäischen Partnerschaft. Die Kanzlei selbst hat sich eine solche Vereinheitlichung dennoch als mittelfristiges Ziel gesetzt, wird dafür aber Geduld brauchen.
In einem Bereich ragt B&M in Deutschland jedoch wirklich heraus: Sie hat sich als eine von wenigen Kanzleien öffentlich u. ohne allzu große Rücksicht auf die Kosten dazu bekannt, die Möglichkeiten von Legal Tech auszuloten u. dafür gemeinsam mit mehreren prominenten Mandanten ein eigenes Innovationszentrum in Frankfurt eröffnet. Angesichts der internat. Reichweite u. Schlagkraft der Kanzlei könnte diese Einrichtung bald eine wichtige Rolle gemeinsam mit dem Belfaster Büro spielen, das technikgestützte Support-Funktionen für die europäischen Büros erfüllt. Dass B&M diese Vorreiterrolle übernimmt, während die meisten Wettbewerber noch unsicher sind, wie sich der Einsatz von Legal Tech in Zukunft gestalten wird, ist durchaus mutig.
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