BEITEN BURKHARDT

Nationaler Überblick Top 50★★☆☆☆

Bewertung: Ein Jahr voller Großereignisse begann für BB mit der Eröffnung eines Büros in Hamburg, womit sie nun – nach der Schließung von Nürnberg 2016 – wieder 5 deutsche Standorte hat. Für den Start gewann sie 2 Hamburger Quereinsteiger, einen Arbeitsrechtler von Prinz Neidhardt Engelschall u. einen Restrukturierer aus der Insolvenzkanzlei Schultze & Braun. Der Hamburger Markt bietet mit seiner starken mittelständ. Prägung u. seiner aktiven Gründerszene beste Rahmenbedingungen für die breite Aufstellung von BB.
Nur wenige Wochen später vermeldete die Kanzlei einen Erfolg ganz anderer Art: Sie berät das Bundesverkehrsministerium bei der Entstehung der zentralen Autobahngesellschaft. Ein echter Paukenschlag, denn um dieses Prestigemandat hatten sich zahlreiche namhafte Wettbewerber ebenfalls bemüht. Zwar war es das Renommee der öffentlich-rechtlichen Praxis, die BB ins Spiel brachte, doch liegt die Federführung nun bei einem Gesellschaftsrechtler. Besser lässt sich kaum illustrieren, wie gut u. umfassend sich BB für Großprojekte der öffentlichen Hand positioniert hat.
Das bislang wohl aufwendigste Mandat, dass BB für den Bund abgewickelt hat, ging im Frühjahr allerdings zu Ende: das Toll-Collect-Verfahren. Das Ende des beratungsintensiven Schiedsverfahrens hätte die Konfliktlösungspraxis in ein tiefes Loch fallen lassen können, doch schloss sich nahtlos Arbeit in einem ihrer Schwerpunktbereiche – Automotive – an: BB ist eine der Kanzleien, die Freshfields untermandatierte, um die große Anzahl an Klagen von Autobesitzern abzuarbeiten, mit denen sich VW konfrontiert sieht.
Getrübt werden die Erfolge durch den Abgang eines Teams um den renommierten Arbeitsrechtler Marco Ferme zu Eversheds. Doch obwohl es der 2. Teamabgang innerhalb relativ kurzer Zeit ist – Anfang 2017 machte sich ein Frankfurter Team selbstständig – genießt das große Team von BB weiterhin einen guten Ruf. Seine Fähigkeiten wird es auch in dem Mandat Autobahngesellschaft erneut unter Beweis stellen können: Hier ist betriebsverfassungs- u. tarifrechtliches Know-how der Arbeitsrechtler in besonderem Maße gefragt.
Eine feste Bank bleibt auch das Chinageschäft der Kanzlei. Ihre jahrelange Erfahrung stellte BB zuletzt etwa beim Verkauf von Siematic an den chinesischen Wettbewerber Nison unter Beweis. Die Kombination von Länder-Desks – neben China gibt es zahlreiche weitere etwa für die Niederlande, Spanien u. Italien – u. engen Kontakten in den deutschen Mittelstand beschert der Kanzlei immer wieder attraktive Mandate. Dass einige jüngere Anwälte daneben die Beratung der Venture-Capital-Szene vorantreiben u. mit der Beratung der ING-DiBa beim Kauf des Vorzeige-Fintechs Lendico überzeugten, schlägt nicht nur bei der Entwicklung des eigenen Nachwuchses positiv zu Buche, sondern auch bei der Verbreiterung des Beratungsansatzes.
Siehe auch: Frankfurt; Berlin; Düsseldorf; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 220
Internat. Einbindung: Eigene Büros in Brüssel u. Peking sowie in Moskau u. St. Petersburg. Ein engeres Netzwerk mit westeurop. u. US-Kanzleien ist weiterhin im Aufbau.
Entwicklung: Mit Quereinsteigern zu wachsen u. neue Fachbereiche zu erschließen, ist BB in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, sei es im Gamessektor, sei es beim Aufbau der Immobilienpraxis, die zuletzt erneut mit mehreren Quereinsteigern, u.a. von Gleiss Lutz u. CMS, verstärkt wurde. Dennoch war es eine wichtige Starthilfe, dass die Eröffnung in Hamburg mit den beiden Quereinsteigern auch durch den kompletten oder teilweisen Wechsel von 9 BB-Partnern flankiert wurde. Um sich vor Ort zügig zu etablieren, wird die Kanzlei dennoch weitere Quereinsteiger gewinnen müssen, idealerweise mit einem bereits exzellenten Ruf im Markt u. einem guten lokalen Netzwerk. Die ersten Schritte in diese Richtung sind seit der Eröffnung bereits gegangen, aber BB konkurriert hier mit Kanzleien, die Quereinsteigern womöglich mehr zu bieten haben. Das gilt v.a. in Gesellschaftsrecht u. M&A, denn bei großen Transaktionen ist BB nach wie vor kaum zu sehen, u. es fehlt eine klar definierte Plattform, auf der ambitionierte Quereinsteiger ihr Geschäft weiterentwickeln könnten. Die zunächst erhoffte Schärfung des M&A-Profils über den Zugang eines Energierechtsteams hat sich bislang wenig realisiert. Umso wichtiger wird es sein, die neue Präsenz im Hamburger Markt zu nutzen u. den Schwung, den die Venture-Capital-Beratung der Corporate-Praxis gerade verleiht, aufzunehmen. Von einer präsenteren Corporate/M&A-Praxis würden auch die starken Beratungsfelder Arbeits- oder Öffentliches Recht profitieren. Die Bundesautobahngesellschaft wirft ein Schlaglicht auf die Möglichkeiten, die sich BB böten, wenn sie aus der strategisch klugen Kombination ihrer Stärken ein klares Kanzleiprofil entwickelt. Gelingt ihr dies nicht, droht sie, langfristig nur eine von vielen mittelständischen Full-Service-Kanzleien zu sein.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbH10785 Berlin
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