CLEARY GOTTLIEB STEEN & HAMILTON

Nationaler Überblick Top 50★★☆☆☆

Bewertung: Auch wenn sich Cleary redlich müht, weitere Praxen nach vorne zu bringen, ist die Kanzlei hierzulande weiterhin v.a. wegen ihrer marktführenden Kartellrechtspraxis bekannt. Allein bei Schadensersatzfällen machten Wettbewerber eine strategische Lücke aus, v.a. nachdem 2 namhafte Mandanten im Vorjahr beschlossen, ihre Streitigkeiten mit anderen Kanzleien auszufechten. Mit dem Zugang von Dr. Wolfgang Deselaers (von Linklaters) ändert sich dies nun: Der neue Partner brachte Mandanten mit wie Beiersdorf, für die das Team Schadensersatzforderungen wichtiger deutscher Einzelhändler abwehrt, u. BayWa, die die Kanzlei nun in einem Bußgeldverfahren vor dem Bundeskartellamt vertritt. So gelang die Abrundung der Kartellrechtspraxis, gleichzeitig verbreiterte die Kanzlei ihre Kontakte zu deutschen Top-Mandanten. Ein Ausweis des internat. Renommees der Praxis ist die Arbeit für das Internationale Olympische Komitee, das die Anwälte ggü. dem Bundeskartellamt wegen vermeintlich marktmissbräuchlicher Vorgaben für Sportler verteidigen. Hinzu kommen eigene, enge Kontakte zu ausl. Großkonzernen, für die das Team regelmäßig auf europäischer u. globaler Ebene tätig ist. Darunter ragen die Arbeit für Google in aktuellen Untersuchungen der EU-Kommission u. für Airbus bei der Mehrheitsbeteiligung an der C-Serie von Bombardier heraus.
Ihre internat. Paradedisziplin M&A wirkt dagegen hierzulande weiterhin schmächtig, auch wenn das Team zuletzt ggü. Wettbewerbern bei grenzüberschreitenden Deals Boden gut machen konnte. Über den im Vorjahr eingestiegenen Dr. Michael Ulmer gelangte Cleary etwa an das Mandat eines Bieters für das Esso-Tankstellennetz u. des chilenischen Kupferbergbaubetriebs Codelco. Besondere Fortschritte zeigten sich dank der gelungenen Vernetzung mit den herausragenden M&A-Praxen in den USA u. Frankreich, die sich insbesondere in der gemeinsamen Arbeit für Goodyear, Alstom u. Accor zeigte. Dadurch konnte die Kanzlei den Rückenwind des guten Transaktionsaufkommens in den vergangenen Monaten nutzen. Dagegen fällt die Arbeit der Banking-Spezialisten zu Umtauschangeboten für Anleihen deutscher Banken in den USA deutlich ab. Da diese Papiere tlw. nicht mehr den regulatorischen Vorgaben entsprechen, muss Neugeschäft mittelfristig erst wieder entwickelt werden.
Besondere Stärken: Kartellrecht.
Siehe auch: Frankfurt; Köln; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 44
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei mit bestens eingespielter internat. Zusammenarbeit. Ursprünglich aus den USA, aber mit großer europ. Praxis (v.a. stark in Paris, London u. Brüssel) u. je 2 Büros in Südamerika u. China. Außerdem präsent in Abu Dhabi u. Seoul.
Entwicklung: Die deutsche Cleary-Praxis kämpft weiter mit ihrer widersprüchlichen Position: Für die Gesamtkanzlei führt an einer Präsenz in Deutschland als bedeutendem Wirtschaftsstandort kein Weg vorbei. Das untermauert die hochkarätige Arbeit für internat. Kanzleimandanten wie GM, Goodyear, 3M oder Accor, zu der die deutschen Anwälte einen wichtigen Beitrag leisteten. Doch im hiesigen Beratermarkt gelingt es nur schwer, Honorare durchzusetzen, die dem internat. einheitlichen Lockstep der Kanzlei genügen. Darunter leiden insbes. die deutschen M&A-, Banking- u. Litigation-Teams. Das lässt sich gut am Bereich Finanzrecht illustrieren: Hier beriet das Team seine Stammmandantin Deutsche Bank v.a. zu US-Anleihen, die aus regulatorischen Gründen abzulösen waren. Das gehört zur Kernkompetenz der Kanzlei, ist für eine deutsche Praxis jedoch nicht nachhaltig.
Tatsächlich brachten Ulmers Kontakte frischen Wind in die M&A-Praxis, doch eine enge Verzahnung mit den Finanzierungs- oder Kartellrechtsteams blieb bisher aus. Damit erscheint die Strategie der Kanzlei uneinheitlich, denn das Kartellrechtsteam bewegt sich im Unterschied zu den anderen Praxen auch internat. an der Marktspitze. Aus deutscher Sicht wirkt dies als Schwäche der hiesigen Bereiche M&A, Banking u. Konfliktlösung. Aus internat. Sicht der Kanzlei ist es die konsequente Umsetzung des eigenen wirtschaftlichen Kurses. Schließlich gelingt es seit Jahren nicht, Anwälte zu finden, zu entwickeln u. zu halten, die den Anforderungen für Partner in der globalen Sozietät genügen. Das wäre jedoch ein wichtiges Zeichen, dass für Nachwuchskräfte am Standort Deutschland gute Karriereperspektiven bestehen.
  • Teilen