Alle drängen nach Hamburg

Das wohl prägendste wirtschaftliche Ereignis des Jahres in Hamburg war der Verkauf der angeschlagenen HSH Nordbank. Deren Übernahme durch eine Investorengruppe markierte die erste Privatisierung einer deutschen Landesbank. Sie zieht massive finanzielle Folgen für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein nach sich, die bisher 95 Prozent der Anteile hielten. Ein Großaufgebot an Kanzleien begleitete die Transaktion. Neben einem Team von Freshfields Bruckhaus Deringer unter Hamburger Leitung, das das Kreditinstitut beriet, trat unter anderem Noerr aufseiten eines Käufers auf. Damit gelang dem erst im Vorjahr in der Hansestadt eröffneten Büro ein erfolgreicher Einstieg in den Markt, zugleich bewies es, wie viel Potenzial Hamburg für Kanzleien noch bietet.

Das liegt auch daran, dass sich einige internationale Großkanzleien wie White & Case und Latham & Watkins immer stärker auf hochvolumiges internationales Geschäft fokussieren. Daneben verkleinern sie ihre Teams, weil sie ihre Stundensätze bei den mittelständischen und oft familiengeführten Unternehmen der Region immer seltener durchsetzen können. In die dadurch entstehende Lücke drängten zuletzt vor allem deutsche Einheiten mit zum Teil sehr unterschiedlichen Strategien. Tritt Beiten Burkhardt mit dem Ziel an, eine weitere Full-Service-Einheit aufzubauen, gehen Arnecke Sibeth Dabelstein und Oppenhoff & Partner mit bereits etablierten und spezialisierten Teams an den Start. Als einzige internationale Großkanzlei, die ein neues Büro in Hamburg eröffnete, sucht Linklaters in erster Linie die räumliche Nähe zu bereits bestehenden norddeutschen Mandanten.

Mehr Player am Markt verschärfen den Kampf um guten Nachwuchs. Viele ächzen unter der Bewerbersituation, auch Boutiquen haben hier keinen großen Vorteil mehr gegenüber Großkanzleien. Denn wenn die kleinen Einheiten erfolgreich sind, ist auch die Work-Life-Balance dahin. Ähnlich steht es um Partnerchancen. Viele Spin-offs tun sich heute schwer, den Kreis der einstigen Gründer mit Partnerernennungen zu erweitern. Erschwerend kommt hinzu, dass auch kreative Ausbildungsangebote fehlen.

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