Sachsen: Spezialisierung nimmt zu

Auch in Sachsen sind es aktuell vor allem Kanzleien mit hoher Spezialisierung, die die gute konjunkturelle Lage für sich zu nutzen wissen. Sie begleiten deutsche und internationale Konzerne bei der Errichtung neuer Produktionsstätten in Dresden. So baut Bosch ein neues Werk zur Batterieproduktion, Philipp Morris eines für seine neu entwickelte E-Zigarette und die Samsung-Tochter Nowaled erweitert ihre OLED-Produktion vor Ort.

Beraten werden die Unternehmen von Einheiten wie Noerr oder Battke Grünberg. Letztere steht gleichzeitig für einen Trend im sächsischen Anwaltsmarkt: Immer deutlicher zeigt sich, dass abseits der dominierenden Großkanzleien ein bislang nie dagewesener Spezialisierungsprozess eingesetzt hat, dessen Auswirkungen noch kaum vorhersehbar sind – sei es das Arbeitsrecht bei Battke Grünberg, das Vergaberecht in der ebenfalls aus Dresden stammenden Kanzlei Kiermeier Haselier Grosse oder das Steuerrecht bei der mittlerweile an vier Standorten in Ostdeutschland vertretenen MDP-Einheit Eureos. Nun trägt die VW-Abgasaffäre dazu bei, dass auch die Prozesskompetenz im Osten eine größere Rolle spielt. Dies zeigen die Entwicklungen bei Luther, die durch den Aufbau eines Teams von spezialisierten Projektanwälten vorerst zur größten Kanzlei Mitteldeutschlands avanciert ist, und v.a. bei KPMG Law. Bei der Abwehr von Ansprüchen geschädigter Dieselkäufer hat die WP-Kanzlei begonnen, ihr vorhandenes Prozess-Know-how in Dresden mit der neuen Abteilung für Legal Process Management in Leipzig zu kombinieren, was eine für Deutschland noch sehr neuartige Vorgehensweise darstellt.

Neue Wege sind auch nötig, um die Attraktivität des Anwaltsdaseins vor Ort aufrechtzuerhalten, denn angesichts der Tatsache, dass sich fast auf einen Schlag die erste Richter- und Staatsanwaltsgeneration nach der Wende in den Ruhestand verabschiedet, ist die Justiz in Sachsen gezwungen, Jagd auf den juristischen Nachwuchs zu machen. Wollen die Kanzleien den Kampf nicht verlieren, bedarf es eines attraktiven Arbeitsumfeldes, aber wohl auch eines höheren Niveaus beim Einstiegsgehalt als die maximal 60.000 Euro. Bislang sind für einen Preiskampf aber nur die großen Einheiten wie CMS Hasche Sigle und Noerr sowie – mit Einschränkung – Luther gerüstet.

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