NRW: Stabilität im Strukturwandel

Außerhalb der beiden größten NRW-Städte Köln und Düsseldorf ist die Kanzleilandschaft vor allem durch Stabilität geprägt. Büroeröffnungen, Kanzleizusammenschlüsse und Anwaltswechsel halten sich hier im Rahmen. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel: Als Horlitz Keith & Partner im Vorjahr zwei Partner an Wettbewerberin Heinemann & Partner verlor, sahen Beobachter den Versuch des – ohnehin lange vernachlässigten – Generationswechsels in der Essener Traditionskanzlei endgültig gescheitert.

Nun könnte die Altersfrage auch bei Heinemann selbst mittelfristig zum Thema werden, denn durch den Weggang eines aufstrebenden Umweltrechtlers verliert die Kanzlei einen jungen, im Markt schon jetzt angesehenen Partner, der das Gesicht dieses Generationswechsels hätte sein können. Wie wichtig aber ein langfristig geplanter Generationswechsel ist, zeigen die Ruhrgebietsplatzhirsche Aulinger und Kümmerlein sowie Busse & Miessen aus Bonn. Sie haben sich frühzeitig mit dem Thema auseinandergesetzt und stehen heute mit einer gesunden Altersstruktur da.

Das Generationsthema eint die Kanzleien beider Landesteile, ebenso wie die händeringende Suche nach Nachwuchs. Zu attraktiv wirken die unmittelbaren Nachbarstädte Düsseldorf und Köln auf junge Anwälte. Doch die Kanzleien schauen nicht tatenlos zu: Viele haben ihre Nachwuchspolitik in den vergangenen Jahren grundlegend überdacht und können heute bei Bewerbern mit einer fundierten Ausbildung und realistischen Partnerchancen punkten, wenn sie denn die erste Hürde nehmen – den Juristennachwuchs von der Karriere in einer Regionalkanzlei zu überzeugen.

Kanzleien aus dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen können ihren Junganwälten noch eine Karriereoption mehr bieten: die Tätigkeit als Notar – denn das ist der wohl auffälligste Unterschied im Geschäft. Im Rheinland gilt das ‚Nur-Notariat‘, sodass dort ansässige Wirtschaftssozietäten nicht auf dieses durchaus lukrative Geschäft zugreifen können, weil es dort untersagt ist, Anwälte und Notare in einer Sozietät zu vereinen. Anders in weiten Teilen des Ruhrgebiets sowie in Ostwestfalen: Hier hat nahezu jede Kanzlei ein Anwaltsnotariat, das aufgrund der langjährigen Mandatsbeziehungen häufig als Einfallstor für Folgemandate fungiert. Und die Notariate wachsen. Kanzleien wie Streitbörger und Brandi haben mittlerweile rund 20 Amtsträger in ihren Reihen.

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