Stuttgart: Boomtown und Magnet

Anfang Mai meldete das Stuttgarter Hauptzollamt, dank der boomenden Wirtschaft habe man im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro für den Staat eingesammelt. Dabei seien für die Ausfuhr von Waren mehr als doppelt so viele Anmeldungen erfolgt wie für die Einfuhr. Dieses Zahlenverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr steht exemplarisch für die Vitalität der Landeshauptstadt. Mit dem steigenden Umsatz ihrer Mittelständler wächst auch deren Privatvermögen. Erb- und haftungsrechtliche sowie steuerliche Fragen drängen sich in die Stuttgarter Corporate-Praxen. Der Gestaltungsbedarf wächst mit jedem Generationswechsel der Mandanten. Dabei können sich die Spezialisten von Hennerkes Kirchdörfer & Lorz, Binz & Partner und Reith Neumahr Leisle profilieren. Menold Bezler hat zwar nicht vor, den zahlr. MDP-Einheiten der Stadt in der interdisziplinären Beratung der Mittelständler und Familienunternehmer das Feld zu überlassen, allerdings erlitten ihre Ambitionen auf diesem Feld einen deutlichen Dämpfer, als Mitte 2018 ein neunköpfiges Anwaltsteam zur MDP-Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem ging und für einen Paukenschlag im Markt sorgte. Zumal auch andere MDP- und WP-Kanzleien weiter wachsen: PricewaterhouseCoopers Legal holte im Herbst 2017 zwei neue Senior-Manager an Bord und EY Law möchte mit einem langjährigen Oppenländer-Partner die pharmarechtliche Kompetenz ausbauen.

Bewegung in den Kanzleimarkt brachten daneben vor allem neue Sozietäten: Die US-Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan eröffnete im September 2017 ihr viertes deutsches Büro in Stuttgart, Buse Heberer Fromm wenig später ihr siebtes hierzulande und auch die Strafrechtsboutique Tsambikakis & Partner plant einen weiteren Standort für Herbst 2018. Süddeutsche Sozietäten haben das Potenzial in der baden-württembergischen Landeshauptstadt längst erkannt: Nachdem Lutz Abel, Bartsch und Voelker & Partner den Schritt bereits gewagt hatten, hat seit Anfang 2018 auch die junge Tübinger Einheit Leichtle Lambrecht Omari ein Büro in Stuttgart.

Neu ist auch die Corporate-Boutique Burger Rosenbauer Beier, ein Spin-off von Binz & Partner. Der Wettbewerb nimmt zu, nicht nur um Mandanten, sondern auch um Talente.

Die zieht es in der Landesmetropole weiterhin vor allem zu Gleiss Lutz. Wer sonst im Ländle berät die Gremien großer Autokonzerne in schlagzeilenträchtigen Fällen? Wo sonst werden Milliardentransaktionen im Quartalstakt angepackt? Doch neue Partner ernannten zuletzt eher ihre Wettbewerber. Während größere Einheiten wie CMS Hasche Sigle und Oppenländer Frauen in die Partnerriege holten, stiegen bei kleineren Einheiten wie Kuhn Carl Norden Baum und Lehmann Neunhoeffer Sigel Schäfer erwartungsgemäß männliche Jungtalente auf. Die männliche Dominanz erklärt sich auch damit, dass im schwäbischen Mittelstand Diversity kein Thema ist. Zu sehr ist man damit beschäftigt, die Folgen der diversen Diesel- und Kartellfälle für das eigene Unternehmen abzuschätzen sowie Entwicklungskooperationen für die Digitalisierung und E-Mobilität zu schließen.

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