Bayern: Auf der Suche nach dem Aushängeschild

Im Vergleich zu München wirkte der bayrische Kanzleimarkt zuletzt oberflächlich ruhig, allerdings brodelt es intern deutlich mehr als bislang: In einigen Kanzleien diskutieren die Partner intensiv über strategische Neuausrichtungen, weil Alleinstellungsmerkmale immer wichtiger werden, um sich von Wettbewerbern abzuheben.

Die noch jungen Einheiten Theopark und KPMG Law machen es vor: Sie setzen den langjährigen Kontakten der etablierten Traditionskanzleien Dynamik und junge Partnerschaften entgegen. Das kommt bei den Mandanten, aber auch beim Nachwuchs zunehmend gut an. Auch die Spezialisierung auf einen bestimmten Fachbereich kann ein Aushängeschild sein: Meinhardt Gieseler & Partner etwa entwickelt sich immer stärker zum gesuchten Ratgeber für Mandanten aus dem Finanzsektor – und das nicht nur im eigentlichen Bankrecht, sondern darüber hinaus.

Schwieriger ist es hingegen für solche Kanzleien, die mittelgroß und wenig spezialisiert sind. Anders sieht es wieder aus, wenn sie wie Rödl & Partner und Sonntag & Partner ihre Wettbewerber aufgrund ihrer Größe mit schierer Schlagkraft ausstechen. Für alle anderen wird es schwer, sich ohne ein Alleinstellungsmerkmal zu behaupten, denn selbst langjährige Mandatsbeziehungen stehen immer häufiger auf dem Prüfstand, weil sich die Bedürfnisse zusammen mit dem wirtschaftlichen Umfeld verändern.

Auch bei der Nachwuchssuche, bei der die Region mit dem attraktiven München konkurriert, sind Kanzleien mit überzeugendem Konzept erfolgreicher.

Ein Schlaglicht auf die Bedeutung strategischer Konzepte warf in den vergangenen Monaten die Europäische Datenschutz-Grundverordnung. Während Kanzleien wie Fries, Lieb oder Bissel + Partner aufgrund ihrer IT- und/oder Compliance-Kompetenz frühzeitig gut aufgestellt waren, verstärken sich andere Einheiten wie Beisse & Rath jetzt. Doch daneben gibt es genug andere Kanzleien, die diesen essenziellen Beratungsbedarf nicht decken und ihre Mandanten an Kooperationspartner verweisen.

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