JUVE Kanzlei des Jahres

Bank- und Finanzrecht

Banken im Firmengeschäft unter Druck

Im Juli mahnte die Beratungsgesellschaft Bain, der Preiskampf unter den deutschen Banken nehme im Firmenkundengeschäft ruinöse Züge an. Die Erträge im Corporate Banking waren im zweiten Halbjahr 2017 so niedrig wie seit 2009 nicht mehr. Kein Wunder, der dazu beiträgt, dass der Index der Bankaktien in der Eurozone bis zum Sommer 2018 praktisch durchgängig auf Talfahrt war.

Konkret zeigen sich diese Probleme unter anderem daran, dass die Commerzbank aus dem Dax zu fliegen droht und die Deutsche Bank im April vorzeitig ihren Vorstandsvorsitzenden ersetzte. Experten erwarten dementsprechend auch mehr Bankenfusionen im privaten Sektor. Mit dem Verkauf der HSH Nordbank und der Eingliederung der Bremer LB in die NordLB ging auch die Flurbereinigung unter den öffentlichen Banken weiter.

Für die Bankenberater unter den Kanzleien bedeutet das, dass ihre Mandanten operativ nach wie vor wenig verdienen und sparen, wo immer sie können. Gleichzeitig sorgt die massiv gestiegene Regulierungsdichte für konstant hohen Beratungsbedarf, ebenso der branchenweite Konsolidierungsdruck. Bei Börsengängen machte sich zuletzt ebenfalls wieder eine positivere Stimmung breit, die auch die Rechtsberater mitreißen dürfte.

Zu allem bereit?

Profitieren werden davon die Kanzleien, denen es in den vergangenen Jahren gelungen ist, auf die sich wandelnden Ansprüche der Branche zu reagieren, denn während die Finanzierungspraxen als Umsatzbringer kräftig unter Druck gerieten, sind die Regulierungsspezialisten gefragter denn je. Betrachtet man die Bank- und Finanzrechtspraxen als Ganzes, ist über die letzten Jahre keine der größeren Einheiten im Markt mehr nennenswert geschrumpft. Fällige Schlankheitskuren hatten die meisten schon kurz nach Beginn der Krise 2008 in Angriff genommen.

Im Gleichschritt

Unter anderem Linklaters hat so zum Beispiel seit 2014 trotz der anhaltenden Marktschwäche nominell wieder aufgestockt und mit Dr. Neil Weiand von Allen & Overy zuletzt einen äußerst prominenten Quereinsteiger gewonnen. Personell haben sich die großen Banking-Praxen unterm Strich sogar angenähert und steuern scheinbar auf ein einvernehmliches Idealmaß zu. Wenn der Markt also wieder richtig anspringt, sind die Platzhirsche allesamt in einer guten Startposition. Und die potenziellen Auslöser für ein Wiedererstarken des Marktes in Deutschland rücken zeitlich näher: Da wäre zunächst der Brexit. So zögerlich die Verhandlungen auch vorankommen, die Institute sind zu Entscheidungen gezwungen. Ein anderer Auslöser könnte eine Zinswende werden. Die schreitet in den USA bereits voran, Europa könnte zeitnah folgen.

Einstweilen aber bleibt im europäischen Zinsumfeld vor allem die Finanzierungsberatung ein schwieriger Beratungsmarkt. Da die Banken unter enormem Konkurrenzdruck stehen, liegt die Macht bei den Kreditnehmern und Emittenten – mit unangenehmen Nebenwirkungen für einige Kanzleien. Gerade im Kreditwesen hatten sie ohnehin schon Teile des Geschäfts durch die nach der Finanzkrise 2008 einsetzende Vereinfachung der Verträge und durch Standardisierungen eingebüßt. Für das, was ihnen dann blieb, sind die Honorare im Keller geblieben, weil neue Kanzleien ihre Chance witterten und noch immer wittern. In den Frankfurter Praxen einiger internationaler US-Großkanzleien ist zu hören: „Wenn bestimmte deutsche Kanzleien mit im Pitch sind, geben wir aus preislichen Gründen gar kein Angebot mehr ab.“

Anders die Lage im Bankaufsichtsrecht und in der Fondsberatung: Hier erzielen die erfahrenen Kanzleien weiterhin Spitzenhonorare – der intensiven Regulierung sei Dank. Schon aus diesem Grund werden die hier engagierten Praxen personalstark bleiben. Hinzu kommt, dass die benötigten Experten nicht beliebig geheuert und gefeuert werden können: Dass talentierte Jungjuristen nach wie vor schwer zu bekommen sind, zeigt das jüngst wieder angefahrene Gehälterkarussell. Und nirgendwo ist der Wettbewerb unter den Kanzleien härter als in Frankfurt.

Ein Ende des Käufermarkts ist in Sicht

Wo es möglich ist, nutzen die Mandanten zwar weiterhin ihre Marktmacht, doch wird ihr Spielraum wieder enger. Der boomende M&A-Markt etwa beflügelte auch die Banking-Praxen, sei es auf Finanziererseite, sei es aufseiten der Übernehmer. Das Erstarken von Fintechs sorgt für viel Arbeit und eine Fülle immer neuer strategischer und restrukturierungsnaher Fragen. Die weiter wachsende Nachfrage von Versicherungen erfordert zudem den Einsatz neuer Investitionsformen. Schließlich sind die Banken nur noch einer unter mehreren möglichen Geldgebern.

Eine stärkere strategische Differenzierung ist daher auch bei den Kanzleien zu beobachten. Skadden Arps Slate Meagher & Flom etwa reckt sich mit seinem überschaubaren Team bewusst nicht nach jedem deutschen Mandat, um ihre Kapazitäten nicht für Spitzenmandate wie Takata zu blockieren. Sullivan & Cromwell hat sich derweil fast schon unangreifbar souverän an die Spitze der IPO-Berater gesetzt und streckt die Fühler in Richtung des Anleihenmarkts aus – ein Segment, in dem Hogan Lovells personell aufrüstete. In der Beratung moderner Bankformen reüssieren auch eine Reihe kleinerer Einheiten, während Allen & Overy besonders stark von den Brexit-Vorbereitungen der Finanzhäuser profitiert. Arbeit ist also reichlich vorhanden. Und so werden die Kanzleien sich davor hüten, ihre Teams weiter auszudünnen. Schließlich kann es auch mit den klassischen Banken selbst eigentlich nur noch aufwärts gehen.

 

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