Börseneinführungen und Kapitalerhöhungen

Wechselbad der Gefühle

Die Last-Minute-Absage des Börsengangs von Springer Nature Anfang Mai 2018 stellte so etwas wie einen Wendepunkt am Equity-Kapitalmarkt dar. Zuvor machte sich mit dem 4,2 Milliarden Euro schweren IPO von Siemens Healthineers und den Börsenstarts von DWS, Instone oder Dermapharm – um nur einige zu nennen – regelrechte Euphorie breit. Viele Anwälte sprachen von dem stärksten Jahr seit 2007. Auch wenn nicht jeder Börsengang den erhofften Emissionserlös erzielte, war die Stimmung hervorragend. Seit Springer ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten, doch das starke Debüt von Home24 Mitte Juni sorgte wieder für Zuversicht. Darüber hinaus stecken noch etliche weitere Börsenaspiranten wie Knorr-Bremse oder Novomatic in der Pipeline, und der Markt ist Experten zufolge nach wie vor aufnahmefähig. Auch die Berater dürften also viel beschäftigt bleiben.

Latham & Watkins auf dem Vormarsch

Einige Tendenzen zeichneten sich auf dem Kanzleimarkt bereits ab. So befindet sich Latham & Watkins im Aufwind, befeuert vor allem durch ihre Arbeit beim IPO von Siemens Healthineers. Um ganz bis zur Marktspitze heranzureichen, liegt aber noch ein Stück des Weges vor ihr. Längst an der Spitze angekommen und dort zuletzt besonders präsent war Sullivan & Cromwell. Es gab kaum einen Börsengang mit relevantem Emissionsvolumen, zu dem die Kanzlei nicht beriet. Siemens Healthineers, DWS und Dermapharm sind drei Beispiele aus dem langen Trackrecord der Praxis. An Boden verloren hat dagegen Hengeler Mueller, die zuletzt im Vergleich zum Rest des Führungstrios weniger häufig bei bedeutenden Mandaten zum Zuge kam.

Dünner wurde die Luft bereits für White & Case. Im zweiten Jahr in Folge sank die Zahl der Transaktionen, an denen die Kanzlei beteiligt war. Allem Anschein nach hat sich der strategische Fokus der Kanzlei verschoben. Gleiches gilt für Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Auch in ihrer Bilanz finden sich Jahr für Jahr weniger große ECM-Transaktionen. Eine stärkere Positionierung im Mittelfeld erarbeitete sich dagegen Noerr, die beispielsweise mit ihrer Arbeit für Kering bei der Reduzierung des Anteils an Puma hervorstach.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Emittenten oder konsortialführende Banken bei Aktienplatzierungen an deutschen und ausländischen Börsen beraten.

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