JUVE Kanzlei des Jahres

Immobilien- und Baurecht

Ungebremste Euphorie

Die Immobilienbranche feierte ein weiteres Jahr der niedrigen Zinsen, was sich in zahlreichen großvolumigen Transaktionen wie dem Verkauf des Sony Centers widerspiegelte. Gleichzeitig sprießen weiterhin Projektentwicklungen wie Pilze aus dem Boden, weil der Markt händeringend nach Objekten sucht – umso mehr, weil der Strom von ausländischen Investoren nicht abreißt. Wegen des Projektmangels suchen deutsche Marktteilnehmer auch immer häufiger den Weg ins Ausland. Und auch die Beteiligung von Private-Equity-Investoren an Immobilienunternehmen selbst kommt immer mehr in Mode. Macquarie etwa kaufte den Münchner Immobilienmanager GLL und sicherte sich neben den etablierten Strukturen auch dessen Assets. Weil sich die Verkäufer aufgrund des hohen Anlagedrucks der Investoren in einer außergewöhnlich guten Position befinden, schlägt die Stunde der Versicherer. In vielen Transaktionen übernehmen sie inzwischen Garantien und entlasten so die Verkäufer.

Von der guten Konjunktur profitiert auch die Baubranche. Die Bauunternehmen sind inzwischen so gut ausgelastet, dass die Bauherren Probleme haben, ihre Projekte zu realisieren. Immer häufiger wird auch in BIM geplant, bislang vor allem bei großen Projekten der öffentlichen Hand. In der breiten Masse ist die neue Planungsmethode noch nicht angekommen. Viele kleine Ingenieur- und Architektenbüros tun sich schwer, weil die Anschaffung der entsprechenden Software teuer ist. Und wenn nicht alle Beteiligten BIM nutzen, kann das Modell nicht seinen vollen Nutzen entfalten.

Eldorado für Immobilienberater

Immobilienkanzleien profitieren fast schon zwangsläufig von dem Boom. Sichtbar wird das auch daran, dass zahlreiche Praxen zuletzt neue Partner ernannten, darunter Freshfields Bruckhaus Deringer, denen jahrelang nachgesagt worden war, nicht mehr das richtige Interesse am Immobilienmarkt zu haben, und Greenberg Traurig, die gleich vier Partner ernannte. Gleichzeitig wird händeringend Verstärkung gesucht. Gerade solche Kanzleien, die bislang im Immobiliensektor eher unauffällig waren, stocken auf. Geglückt ist das etwa Norton Rose Fulbright, Eversheds Sutherland und Beiten Burkhardt.

Die Konkurrenz wird also größer, sodass es den etablierten Kanzleien trotz des enormen Beratungsbedarfs kaum gelingt, höhere Stundensätze durchzusetzen. Aufgefangen wird dies von einigen Einheiten mit dem konsequenten Einsatz von Projektanwälten und Legal Tech bei Due Diligences. Doch die Euphorie, die gegenüber der neuen Technik zunächst zu spüren war, ist abgeflaut. Zwar beschäftigen sich die meisten Immobilienpraxen mit Legal Tech, eingesetzt werden die Tools bislang aber nur selten, v.a. bei sehr großen Transaktionen mit vielen Mietverträgen.

Die große Nachfrage nach Projektentwicklungen sorgt sowohl bei Immobilien- als auch bei Baurechtskanzleien für gute Stimmung. Wer hier den Ansatz der Rundumberatung wie GSK Stockmann verfolgt, kann sich ein gutes Stück des Kuchens sichern. Einheiten wie Breyer und Arnecke Sibeth Dabelstein treiben zugleich die Implementierung sogenannter Partnering-Modelle im deutschen Markt voran. Diese setzen ähnlich wie BIM – nur weniger technisch, sondern juristisch geprägt – darauf, das Miteinander vieler Parteien am Bau zu vereinfachen. Sie gelten als zukunftsfähig – nicht nur für die Baubranche, sondern eben auch für deren Rechtsberater.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die in unterschiedlicher Schwerpunktsetzung rund um das Investitionsprojekt Immobilie beraten. Mehrere tabellarische Übersichten verdeutlichen dabei die Ausrichtung der Kanzleien: Immobilienwirtschaftsrecht berücksichtigt v.a. Transaktionen, Finanzierungen und die Strukturierung von Immobilienfonds (siehe auch Investmentfonds und Asset-Management). Baurecht erfasst die baubegleitende Beratung und daraus resultierende Streitigkeiten sowie das Verhältnis der am Bau Beteiligten. Projektentwicklung/Anlagenbau bildet die Schnittstelle und zeigt Kanzleien, die mit komplexen Großprojekten Erfahrung haben. Besonders erfahrene Kanzleien in einem Teilgebiet des Baurechts sind in einer weiteren Übersicht erfasst. Empfohlene immobilienrechtl. orientierte Notare finden sich im Kapitel Notariat.


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