JUVE Kanzlei des Jahres

Insolvenz und Restrukturierung

Sanierung kontra Steuerrecht?

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen ESUG-Evaluation dürften die fachliche Diskussion eine Zeit lang beschäftigen. Wichtiger noch als diese Zwischenbilanz ist allerdings die Frage, wie die Steuerbehörden mit dem Thema Sanierungsgewinne umgehen und wie mutig der Gesetzgeber in dieser Frage. Das ESUG sollte – so der Name des Gesetzes – der „weiteren Erleichterung von Sanierungen“ dienen. Der Bundestag muss also die Frage beantworten, warum das Steuerrecht bzw. der Bundesfinanzhof Sanierungen faktisch verhindern können. Die widersprüchlichen Richtungen sollten schnell versöhnt werden, um bei der nächsten Konjunkturkrise nicht mit lauter stumpfen Werkzeugen hantieren zu müssen.

Immer schon wichtig für finanzielle Restrukturierung, wird die Internationalisierung immer wichtiger für alle Sanierungen, z.B. wegen der vielen internationalen Kaufinteressenten bei Insolvenzen. Und, die internationalen Deals haben immer noch gute Margen, während rein deutsche Sanierungsmandate oft günstig zu haben sind. Es herrscht Preiskampf unter den Insolvenzkanzleien. Ob die wirtschaftliche Bedrängnis mancher Insolvenz-Einheiten darauf abfärbt, wie in Deutschland über die zu erwartende EU-Richtlinie zur Sanierung diskutiert wird?

Kleine Kanzleien setzen erfolgreich auf Vernetzung

Die eigenen Leistungen billig zu verkaufen, kann nicht der Königsweg für die Insolvenz- und Sanierungsprofis sein, um mit der schwachen Auftragslage umzugehen. In diesem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit, nicht aber darüber, welche anderen Möglichkeiten besonders wirkungsvoll sind, um der anhaltenden Flaute zu begegnen. Manche setzen weiter auf Ausbau: Vom Auseinanderfallen der Kölner Kanzlei Dr. Ringstmeier & Kollegen, vor Jahren eine der Vorzeigeboutiquen im Insolvenzrecht, profitierten mit Pluta und vor allem Eckert zwei eher große und expansive Verwalterkanzleien.

Andererseits setzt Andreas Elsäßer wie zuvor schon viele andere auf die Vorteile einer kleinen Einheit und hat nach knapp vier Jahren Schultze & Braun wieder verlassen. Sein Team, nun Elsässer Restrukturierung, reiht sich ein in die Reihe der kleinen Insolvenzkanzleien, die auf maximale Flexibilität durch flexibles Networking setzen – und auf effiziente Kostenstrukturen.

Der seinerzeit hochgelobte Zusammenschluss zwischen hww Hermann Wienberg Wilhelm und der Unternehmensberaterin CMS – nicht die Anwaltskanzlei – fand 2018 ein Ende mit dem Ausscheiden der Berater, die jetzt als Restrukturierungspartner jwt firmieren. Doch auch der Aufspaltungstrend schafft es nicht, sich eindeutig als die derzeit vorherrschende strategische Entwicklung durchzusetzen. So fand die renommierte Sanierungsboutique Thierhoff Müller & Partner Anschluss an frühere Kollegen aus dem Andersen-Netzwerk, Andersen Tax & Legal.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich auf die Begleitung von Unternehmenskrisen spezialisiert haben. Aufgrund der Breite des Beratungsfeldes sind die Kanzleien in drei tabellarischen Übersichten dargestellt: Unter finanzielle Restrukturierung fallen v.a. die Neuverhandlung von Krediten, die Refinanzierung und die Veränderung der Beteiligungs- oder Gläubigerstruktur (siehe auch Kredite und Akquisitionsfinanzierung, Private Equity), während die Insolvenz/Sanierungsberatung vor allem gesellschaftsrechtliche und operative Probleme umfasst (siehe auch Gesellschaftsrecht). Eine weitere Übersicht zeigt Insolvenzverwalter- und Sachwalterkanzleien. Restrukturierung im Bankensektor ist im Bank- und Bankaufsichtsrecht behandelt, arbeitsrechtlich geprägte Umstrukturierungen im Arbeitsrecht.


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