JUVE Kanzlei des Jahres

Marken- und Wettbewerbsrecht

BGH-Entscheidungen sorgen weiter für viel Diskussion

Bei den Marken- u. Wettbewerbsrechtlern sorgte selten ein Urteilskomplex für so viel kollektives Kopfschütteln, wie zuletzt die Rescue/Hot Sox-Entscheidungen des BGH: Darin legten die obersten Richter fest, dass ein Unterlassungsanspruch in vielen Fällen auch eine Rückrufpflicht des rechtsverletzenden Produktes beinhaltet. Diese Rechtsprechung bewerten die meisten IP-Anwälte als „realitätsfern“, doch in der Praxis mussten sich viele Kanzleien und ihre Mandanten intensiv damit auseinandersetzen.

Auch die Parfummarken-Entscheidung des BGH trieb v.a. die Kanzleien mit großer Markenanmeldetätigkeit um. Deutsche Gerichte sind demnach nicht für Verletzungen von Unionsmarken zuständig, wenn es um den Internetvertrieb über eine Seite geht, die vom Ausland aus betrieben wird. Das schwächt die Unionsmarke gegenüber nationalen Marken. „Alle Unternehmen sind nun aufgefordert, ihre Markenstrategie zu überdenken und sich genau zu überlegen, aus welcher Marke man klagt“, meint ein Markenrechtler. Daneben ist auch der Beratungsbedarf zum Know-how-Schutz gleichbleibend groß: Die Umsetzung einer ensprechenden EU-Richtlinie wird wohl noch 2018 über die Bühne gehen.

Schlaglicht Digitalisierung

Das Trendthema Digitalisierung hält immer stärker Einzug auch in die IP-Welt. Die Qualität und die Anzahl von digitalen Anwendungen nimmt für die Markenportfolioverwaltung zu. Zudem erhöhen immer mehr IP-Dienstleister mit stark technologiegestützten Angeboten den Preisdruck in diesem Bereich. Kanzleien können hier nur mit einem Mehr an strategischer, persönlicher Beratung und vor allem einer starken Prozesspraxis punkten, um sich im Markt abzuheben. IP-Boutiquen wie Bardehle Pagenberg, Boehmert & Boehmert oder Grünecker haben das früh erkannt und hier viel Know-how aufgebaut.

Die Digitalisierung verändert außerdem die Beratungskonzepte. Viele Großkanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer oder Allen & Overy fokussieren sich immer stärker auf neue Geschäftsfelder, die sich durch die digitale Transformation ihrer Mandanten ergeben – oft beraten sie dabei umfassend und praxisübergreifend bei Großprojekten. Lange galt IP in internationalen Großkanzleien als rückläufig, doch nun können sie zumindest auf diesem Gebiet wieder gegenüber vielen Boutiquen punkten.

Daneben legten zuletzt auch wieder einige Mittelständler besonderes Engagement beim Ausbau ihrer IP-Praxen an den Tag: CBH, SKW oder Heuking wuchsen zum Teil kräftig mit Quereinsteigern und entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz am Markt. Wie schwer es für mittelständische Kanzleien aber ist, sich im Markt als einschlägige IP-Adresse zu positionieren, zeigen Beispiele wie GSK oder Orth Kluth: Seit Längerem bieten sie z.T. umfangr. marken- u. wettbewerbsrechtliche Beratung an, aber werden aufgrund des kompetitiven Umfelds und der breiten Aufstellung ihrer Kanzleien oft noch nicht im Markt dafür wahrgenommen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im Marken-, Design- u. Wettbewerbsrecht beraten. Trotz starker Überschneidungen setzen die Kanzleien unterschiedliche Schwerpunkte, sodass Marken- und Wettbewerbsrecht in separaten tabellarischen Übersichten dargestellt sind. Im Markenrecht sind nur Kanzleien erfasst, die sich auch intensiv in zivilrechtl. Prozessen engagieren. Urheberrechtl. Kompetenz wird wg. der engen Verknüpfung mit der Branche im Kapitel ?Medien berücksichtigt.

JUVE KANZLEI DES JAHRESMarken- und Wettbewerbsrecht

PfeilJUVE Kanzlei des Jahres

  • Teilen