JUVE Kanzlei des Jahres

Nachfolge/Vermögen/Stiftungen

Souveräner Umgang mit neuen Erbschaftsteuerregeln

Nach langen Jahren der Unsicherheit in Bezug auf erbschaftsteuerliche Gestaltungen hat sich seit der Reform der Erbschaftsteuer Mitte 2016 die Aufregung mehr und mehr gelegt – mit der Folge, dass sich bestimmte Gestaltungen insbesondere für die durch die Reform besonders betroffenen Großvermögen von mehr als 90 Millionen Euro am Markt durchgesetzt haben.

Als besonders populär erweist sich etwa die Übertragung des Vermögens auf neu gegründete Familienstiftungen, um die gesetzlich vorgesehene Trennung von steuerlich vorteilhaften Betriebs- und schädlichem Verwaltungsvermögen abzufedern. Mit der Übertragung eines Großteils des Vermögens auf solche Stiftungen – statt zum Beispiel auf die eigenen Kinder – wird die sonst anfallende Erbschaft- respektive Schenkungsteuer erheblich gedrückt. Gleichzeitig können die Kinder als Begünstigte einer Familienstiftung die Erträge des Unternehmens erhalten.

Auch die Gründung und der Betrieb von Wohnungsunternehmen zur Vermeidung von Erbschaftsteuern erfreuen sich weiter großer Beliebtheit. Das Modell geriet durch ein Urteil des Bundesfinanzhofes aus dem vergangenen Oktober zwar ins Wanken, weil das Gericht die bisherige Annahme, dass Immobilienvermögen mit mehr als 300 Wohneinheiten praktisch automatisch als steuerlich privilegierte Wohnungsunternehmen gelten, gekippt hat. Jedoch hat ein Nichtanwendungserlass der Finanzverwaltung zumindest vorerst für Ruhe gesorgt.

Segmentierung des Marktes nimmt zu

Angesichts der nun wieder eindeutigeren Beratungslage konzentrieren sich die Kanzleien verstärkt auf ihre eigene Aufstellung. Dabei wird der Unterschied zwischen den verschiedenen Geschäftsmodellen sichtbarer denn je. Grob lässt sich der Beratermarkt in vier Gruppen unterteilen:

Nachfolgeboutiquen wie Hennerkes Kirchdörfer & Lorz, Binz & Partner und Heuer Busch & Partner konzentrieren sich auf die enge Beziehung zu Familienunternehmen und Stiftungen durch die vielfach auch operative Einbindung in Aufsichts- oder Beiräte.

Deutsche Full-Service-Kanzleien wie CMS Hasche Sigle oder Noerr begreifen Nachfolge- und Vermögensberatung als essenziellen Teil ihres umfassenden Beratungsansatzes.

Internationale Großkanzleien hingegen meiden dieses Geschäft vielfach. Diejenigen, die die Beratung vermögender Privatpersonen dennoch betreiben, etwa Freshfields Bruckhaus Deringer oder DLA Piper, setzen gezielt auf sehr große, international verstreute Vermögen mit hoher Investmentneigung, um mit ihrer fachbereichsübergreifenden Spezialberatung punkten zu können.

Die letzte Gruppe bilden große deutsche Kanzleien mit sehr ausgeprägter Private-Client-Beratungstradition, zu denen auch die Marktführer Flick Gocke Schaumburg und P+P Pöllath + Partners zählen. Mit ihrer Größe und Breite im Private-Client-Bereich, aber auch durch die enge Verknüpfung mit anderen Fachbereichen und ihren etablierten Beziehungen zu internationalen Kooperationspartnern, versuchen sie alle geschilderten Welten zusammenzubringen. Dies ist der anspruchsvollste Weg – jedoch zeigt die ungebrochene Dominanz der beiden Kanzleien im Nachfolge- und Vermögensberatungsmarkt, dass das Spektrum von häufig kleinteiligem Fachwissen bis hin zu einem internationalen Beratungsansatz erfolgversprechend ist.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die vor allem Familienunternehmen und -unternehmer sowie weitere vermögende Privatpersonen beraten (High Net Worth Individuals (HNI) oder Ultra High Net Worth Individuals (UHNI), bei Vermögen ab €100 Mio). Die Kanzleien beraten zu Unternehmensnachfolgeregelung, Verwaltung und Weitergabe der Vermögen, etwa durch Stiftungslösungen. Zentral ist dabei das Steuerrecht, aber auch ?Gesellschaftsrecht u. Transaktionen ( ?M&A, ?Private Equity), Erb-, Familien- u. Kunstrecht, Stiftungsrecht u. Testamentsvollstreckung spielen eine Rolle. Rein steuerlich ausgerichtete Kanzleien werden nicht hier, sondern im JUVE Handbuch Steuern besprochen.

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