JUVE Kanzlei des Jahres

Energiewirtschaftsrecht

Das Jahr der Game Changer-Deals

Bislang war es stets der Gesetzgeber, der mit schöner Regelmäßigkeit dafür sorgte, dass den Energierechtlern die Beratungsanlässe nicht ausgingen. Im Dickicht der widerstreitenden Regelungen zur Energiewende wird das auch so bleiben, denn die Politik muss die großen Fragen des Trassen- u. Pipelinebaus, der dezentralen Energieversorgung, der Weiterentwicklung von Speichertechnologien und dem Aufbau eines Reservekapazitätsmarktes noch beantworten. Mit dem Anfang 2019 in Kraft tretenden Netzentgeltmodernisierungsgesetz und den bereits geänderten Verordnungen für Gas- und Stromnetze ist er seinem Auftrag zumindest formal nachgekommen. Ob sich an die Änderungen der Gesetze auch unmittelbar Konsequenzen für die Unternehmen knüpfen, ist zumindest mit Blick auf die StromNZV auszuschließen. Die Verordnung schreibt die deutsche Strompreiszone als eine Einheit fest. Ein strategischer Zug, im schwelenden Konflikt mit der EU-Kommission. Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Energiemarktes hatten in diesem Jahr aber vor allem Transaktionen. Allen voran der Innogy-Aktientausch von RWE und E.on, der die Energielandschaft nachhaltig verändert. Gleichzeitig erwarten Marktbeobachter, dass sich viele Stadtwerke ihre Change-of-Control-Klauseln noch genau anschauen werden. Beratungsbedarf auf allen Seiten ist vorprogrammiert. Auch der Öl- und Gasmarkt wird durch die Riesenfusion von Wintershall und Dea neu geformt. Doch auch abseits solcher Milliardendeals läuft der Markt auf Hochtouren, auch weil vermehrt ausländische Investoren hohe Preise aufrufen. Gleichzeitig müssen sich Energieversorger und Industrie um ihre energierechtliche Compliance sorgen. Insbesondere industrieintensive Unternehmen haben bei Umstrukturierungen laufend Beratungsbedarf zur energie- und steuerrechtlichen Optimierung.

Regulierungswissen weiterhin gefragt

Hengeler Mueller und Linklaters beweisen immer wieder trotz aller kanzleiinternen Fokussierung, wie wichtig eine tiefe Kenntnis der regulatorischen Zusammenhänge für eine erfolgreiche Transaktionspraxis ist. Das gilt auch für Freshfields Bruckhaus Deringer, die in den vergangenen Jahren allerdings zahlreiche Regulierungsspezialisten an Flick Gocke Schaumburg oder Clifford Chance verloren hat. Andere im Energiesektor tätige Transaktionskanzleien wie Jones Day kompensieren Schwächen, indem sie regelm. auch Boutiquen hinzuziehen, die das nötige regulatorische Detailwissen mitbringen. Im Energiesektor mit seinen häufig auch kleinen Targets sind aber auch Boutiquen und kleinere Full-Service-Einheiten wie Chatham Partners und Aulinger in der Lage, Mid-Cap-Transaktionen zu stemmen.

Daneben entwickeln die reinen Regulierungskanzleien sich auf eine andere Art weiter. Nahezu marktweit kopieren sie mittlerweile das Modell der Prozesskostengemeinschaft von Becker Büttner Held. PricewaterhouseCoopers Legal, Rödl & Partner, aber auch Dolde Mayen & Partner gründen für ihre Mandanten solche Gemeinschaften. Dies war jüngst im Verfahren gegen die EK-Zinsfestlegung der BNetzA zu beobachten und wird auch die Verfahren zum Produktivitätsfaktor prägen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die die Energiebranche in mehr als einem relevanten Rechtsgebiet beraten, dazu gehören Gesellschaftsrecht, M&A, Bank- u. Finanzrecht, Kartellrecht, Öffentl. Sektor und Immobilien- und Baurecht.


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