JUVE Kanzlei des Jahres

Vertriebssysteme

Automobilindustrie im Umbruch

Die Automobilindustrie befindet sich in einem der größten Umbrüche seit Jahrzehnten. Zukunftsthemen wie autonomes Fahren und Konnektivität beherrschen die Produktentwicklung. Davon ganz besonders betroffen sind auch die Vertriebsstrukturen und die komplexen Liefer- und Zulieferketten der Hersteller. Diese setzen dabei außerdem zunehmend auf alternative, von der Digitalisierung getriebene Vertriebsmodelle wie Carsharing, Direktvertrieb oder Onlinehandel. Alle diese Entwicklungen müssen nun die Händlerverträge abbilden. Audi und VW haben den ersten Schritt gewagt und ihre Vertragshändler- und Serviceverträge gekündigt, Opel zog nach. Nun bleibt abzuwarten, wie die beiden Vorreiter ihr Vertriebssystem der Zukunft gestalten. Fest steht schon jetzt: Die Verhandlungen werden mit großem Interesse beobachtet.

Und auch in anderen Branchen ist der Boom des Onlinehandels nicht aufzuhalten. Wegweisend ist hier die lang erwartete Coty-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum selektiven Vertrieb: Hersteller von Luxusprodukten dürfen ihren Händlern verbieten, über Drittplattformen wie Amazon oder Ebay zu verkaufen. Damit sind die Rechte der Markenhersteller deutlich gestärkt worden. Weitreichende Bedeutung hat ebenfalls die Entscheidung des EU-Parlaments zum Thema Geoblocking: So können Onlinestreamingdienste nun auch im EU-Ausland aufgerufen werden. Auch andere Produkte sollen Verbraucher künftig bis auf wenige Ausnahmen im EU-Ausland bestellen können.

Großkanzleien haben bei Legal Tech die Nase vorne

Der unaufhaltsame Weg ins Onlinegeschäft, gekoppelt mit den neuen Datenschutzanforderungen, die im Mai 2018 in Kraft traten, prägt die Arbeit in den Vertriebsrechtspraxen. Besonders breit aufgestellte Kanzleien profitieren dabei von einer engen Verknüpfung mit ihren IT-Kollegen. Traditionell stark sind hier Noerr und Hogan Lovells. Aber auch Osborne Clarke hat anerkannte Spezialisten auf beiden Gebieten und stellt sich zunehmend auf den Vertrieb rund ums Internet ein.

Insbesondere im Hinblick auf die Flut an Standardverträgen, die im Handel vorherrschen, fordern Rechtsabteilungen zunehmend den Einsatz von Legal Tech: Prozesse vereinfachen, Kosten sparen, so lauten die Anforderungen an die Kanzleien. Eine Vorreiterin ist hier CMS Hasche Sigle, die ihr Know-how beispielsweise bei der Automatisierung von Einkaufsvertragsmustern einsetzt. Baker & McKenzie entwickelt ebenfalls im Rahmen eines multidisziplinären Projekts digitale Lösungen für ihre Mandanten.

Personell befinden sich einige Vertriebsrechtspraxen im Umbruch. Während bei Schindler, Fries und LADM Liesegang Aymans Decker Mittelstaedt & Partner jüngere Partner bereits häufig die Federführung übernehmen, steht etwa bei Friedrich Graf von Westphalen & Partner der Generationswechsel noch unmittelbar bevor. Andere wie Gleiss Lutz, die einen Partner an Lutz Abel verlor, sowie Rödl & Partner, bei der sich ein Vertriebsrechtler selbstständig machte, machen aus der Not eine Tugend und setzen jetzt stärker auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die zu Vereinbarungen innerhalb der Lieferkette und anderen unternehmerischen Kooperationen, etwa Handelsvertreter-, Vertragshändler-, Direkt-, Strukturvertriebs-, Vertriebskartell- u. Lizenzrecht sowie Franchising, beraten. Spezialisten für streitige und Schiedsverfahren finden sich im Kapitel Konfliktlösung.


PfeilJUVE Kanzlei des Jahres

  • Teilen