Viele Gemeinsamkeiten

Ihr Geld stecken die meisten deutschen Sozietäten ebenso wie die meisten Rechtsabteilungen bislang vor allem in Bewährtes, also in Softwarelösungen von der Stange. Innovatives bleibt eher selten.

Doch das wird nicht so bleiben. Lange sah es so aus, als würden die Rechtsabteilungen das Feld der Weiterentwicklung weitgehend den Kanzleien überlassen. Vor allem internationale Großkanzleien wie DLA Piper haben oft mehr Erfahrungen mit Legal Tech und auch einen deutlich größeren strategischen Druck, Technologie intensiver zu nutzen. Der Grund: In ihren Stammhäusern in den USA oder Großbritannien wird die Kostendiskussion mit den Mandanten intensiver geführt und es fällt in größerem Umfang standardisierte Volumenarbeit an als hierzulande.

Stärke aus der Gemeinschaft

Doch zumindest einige deutsche Rechtsabteilungen wollen sich das Zepter so ohne Weiteres nicht aus der Hand nehmen lassen: In Frankfurt ging im Frühjahr ein Legal Innovation Hub an den Start, an dem sich neben Baker & McKenzie unter anderem Bosch, Daimler und ZF Friedrichshafen beteiligen.

Eine derartige Gemeinschaftsaktion ist durchaus sinnvoll. Legal Tech bildet eine unmittelbare Schnittstelle zwischen Kanzlei und Mandant. Die Unternehmen laufen Gefahr, sich in neue Abhängigkeiten zu Kanzleien zu begeben, wenn sie sich nicht aktiv an den Entwicklungsprozessen beteiligen. Abseits davon ist aber auch die Interessenlage beider Seiten letztlich ähnlich.

Effizienz und Kosten im Fokus

In vielen Großkanzleien ist die Digitalisierungsstrategie derzeit stark nach innen gerichtet, darauf, einen schlankeren Beratungsprozess zu entwickeln, der eine annähernd gleiche oder vielleicht sogar bessere Qualität bietet. So versprechen es Artificial Intelligence-Programme wie Kira oder Ravn in der Dokumentenanalyse, die in die Kanzleien immer mehr Einzug halten. Insgesamt sind laut JUVE-Umfrage fast drei Viertel der Kanzleien inzwischen davon überzeugt, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel setzen, wenn sie Legal Tech-Instrumente nicht einsetzen.

Auch den Rechtsabteilungen geht es um Effizienz – und mehr Zeit, in der sich die Unternehmensjuristen mit komplexen Fragen anstatt mit Routinearbeiten beschäftigen können. Allerdings haben bislang nur wenige Unternehmen auch im Blick, dass entsprechende Effizienzgewinne – und Kostenreduzierungen – auch bei den Kanzleien zu erreichen sind, wenn diese Technologie einsetzen. Bislang gibt in der JUVE-Umfrage nicht einmal ein Fünftel der Kanzleien an, Legal Tech in konkreten Mandaten auf Wunsch des Mandanten zu nutzen. Der Anteil steigt bei Kanzleien mit mehr als 200 Berufsträgern auf immerhin 41 Prozent, bei kleineren Kanzleien sinkt er jedoch auf etwa 10 Prozent.

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