CLIFFORD CHANCE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Die Strategie, die Clifford Chance seit nunmehr rund 5 Jahren verfolgt, ist im Großen und Ganzen aufgegangen. Damals verkündete die Kanzlei, sich auf hochvolumige Transaktionsmandate u. ähnlich gewinnträchtige Bereiche wie das Fondsgeschäft, kartellrechtliche und Compliance-Untersuchungen u. steuerliche Strukturierungen zu konzentrieren. An den zentralen Praxisgruppen ist gut ablesbar, wie nah sie diesem Ziel gekommen ist: Gesellschaftsrechtl. begleitete CC Konzerne wie Siemens bei einem 40 Länder umfassenden Carve-out oder den chin. Netzbetreiber SGCC bei dessen versuchtem Einstieg bei 50Hertz. Die dt. Private-Equity-Praxis arbeitete erstmals bei einem Large-Cap-Deal außerhalb des Immobiliensektors für Blackstone u. mischte auch bei einer ganzen Reihe weiterer Large-Cap-Deals wie Hymer oder Ifco mit, wenngleich aufseiten unterlegener Bieter. Dabei ist das Transaktionsteam im Vergleich zu Wettbewerbern verhältnismäßig klein, zeichnet sich aber durch eine breite Riege von Partnern mit starkem Branchenfokus u. entsprechend tiefen Kenntnissen im Energie-, Finanz- u. Gesundheitssektor aus. Dazu zählen neben Praxisgruppenleiter Dr. Anselm Raddatz etwa Dr. Christoph Holstein und Dr. Thomas Krecek. Bei Mandaten wie den internat. Joint Ventures von Pfizer und Merck mit GlaxoSmithKline kam die Verbindung aus regulator. Kenntnissen, Branchenerfahrung u. internat. Reichweite voll zum Tragen. Ihren bereits respektablen Trackrecord bei Finanzindustriedeals verlängerte die Praxis zuletzt etwa mit weiteren Projekten für die Apollo-Portfoliogesellschaft BKB/OLB, bei denen sie eng mit den renommierten Finanzmarktregulierungsexperten zusammenarbeitete.
Stark wie eh und je präsentiert sich die Immobilienrechtspraxis – auch nach dem Ausscheiden der hoch angesehenen Frontfrau Cornelia Thaler, die die Kanzlei Anfang 2019 verließ. Obwohl Wettbewerber dies als "harten Schlag" für CC werteten, konnte die Praxis um den nun an die Spitze gerückten Dr. Christian Keilich ihre führende Position im Markt halten – ein Resultat der weitsichtigen Personalpolitik, die CC über alle Hierarchieebenen hinweg verfolgte. Von dem Erfolg zeugen hier zentrale Deals wie der Verkauf des Frankfurter Trianon an der Seite von NorthStar und der Kauf des Top-5-Portfolios für Amundi.
Eine stabile Größe im Markt bleibt auch die Strafrechts- und Compliance-Praxis, nicht zuletzt durch den guten Ruf von Managing-Partner Dr. Peter Dieners u. Strafrechtspartner Dr. Heiner Hugger. Das Team tritt in schöner Regelmäßigkeit bei internen Untersuchungen, etwa für ein Pharmaunternehmen, u. bei Mandaten rund um das Thema Cum-Ex in Erscheinung. Ein Wermutstropfen ist allerdings – zumindest was die Außenwahrnehmung angeht – die personelle Entwicklung: Nachdem CC die strateg. Bedeutung dieses Bereichs mit der Partnerernennung eines Counsels unterstrichen hatte, verließen gleich zwei weitere Counsel, die sich bereits einen Namen im Markt gemacht hatten, die Kanzlei.
Besondere Stärken: Anleihen; Gesundheit; Immo/Bau; Investmentfonds; M&A; Private Equ. u. Vent. Capital.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; München.
Anwälte in Deutschland: 284
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei mit Büros auf allen Kontinenten, einschließlich langjähriger Präsenz in Südamerika (Brasilien). US-Ostküstenbüros in Washington u. New York. Deutlich stärkstes Büro bleibt der Stammsitz in London.
Entwicklung: Mit ihrer Neuausrichtung vor mehreren Jahren hatte die Kanzlei ausdrücklich das Ziel formuliert, hochkarätige Quereinsteiger aufzunehmen. Dass das bisher nur in Ansätzen gelang, lasten Wettbewerber oft der mangelnden Strahlkraft der Marke an und verweisen auf Gegenbeispiele wie Latham & Watkins. Doch dieser Vergleich hinkt, denn mit den Gehältern expansiver US-Kanzleien kann das brit. Dickschiff CC ohnehin nicht konkurrieren, allen Modifikationen im Lockstep-Vergütungssystem zum Trotz. CC hat die Suche nach erfahrenen Quereinsteigern nicht aufgegeben, rekrutiert aber auch vielversprechende jüngere Partner in Bereichen mit Zukunftspotenzial. So kamen etwa der Finanzierungsexperte Steffen Schellschmidt von Fried Frank, der Kapitalmarktrechtler Philipp Klöckner von Sullivan & Cromwell, der Schiedsrechtler Dr. Moritz Keller von Freshfields und die Litigation-Expertin Christine Gärtner von Latham & Watkins. Zwar kommen die jüngeren Seiteneinsteiger zunächst mit vergleichsweise wenig eigenem Geschäft, doch sie entnehmen auch deutlich weniger, als es altgediente Stars aus führenden Wettbewerberkanzleien tun würden – und die Kanzlei setzt darauf, dass diese Neupartner starke Praxen aufbauen. Bis dies in voller Breite ähnliche Resultate liefert wie schon heute etwa die M&A- oder Private-Equity-Teams, werden aber noch einige Jahre vergehen.
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