CMS HASCHE SIGLE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Was nach Ansicht einiger Wettbewerber einen unauflösbaren Gegensatz darstellt, bildet die Grundlage der CMS-Kultur und -Strategie. Keine andere Kanzlei verfügt auf einer so großen inhaltlichen Bandbreite über eigenständige, teils sehr renommierte Praxen und bedient dabei das komplette Mandantenspektrum vom kleinen Mittelständler bis zum Weltkonzern. Zugleich ist die Kanzlei immer wieder in Großmandaten wie der Maple-Bank-Insolvenz oder der planungsrechtl. Begleitung der Fehmarnbeltquerung aufseiten der Projektgesellschaft Femern zu sehen. Mit dieser Kombination ist CMS durchaus erfolgreicher, als manche Wettbewerber meinen. Dazu trägt auch und gerade die zunehmende interne Vernetzung bei, wie im vergangenen Jahr eine Reihe von Flaggschiffmandaten zeigte, allen voran die Beratung des Landes Niedersachsen als Eigentümer der angeschlagenen NordLB: Mit kombinierter Corporate-, Finanzmarktregulierungs-, beihilfe- und steuerrechtl. Kompetenz stand CMS im Zentrum dieses Großprojekts. Auch die Teams, die Stammmandanten wie Porsche, Strabag oder Bechtle beraten, sind regelm. mit wechselnden Schwerpunkten etwa in IP/IT, Arbeits- oder Vertriebsrecht besetzt. Dies sind allesamt Praxen, die in ihren jeweiligen Märkten zu den zentralen Akteuren in Deutschland gehören.
Hier allerdings zeigt sich auch der größte Schwachpunkt der letzten Jahre. Die genannten Praxen arbeiten immer wieder an Transaktionen, Joint Ventures oder Umstrukturierungen mit, bei denen andere Kanzleien den gesellschaftsrechtl. Part übernehmen. Zwar gab es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe anspruchsvoller Corporate -Mandate für dt. und internat. Großkonzerne, doch in diesem Segment ist CMS noch ein ganzes Stück davon entfernt, mit Kanzleien wie Noerr oder gar Gleiss Lutz mithalten zu können. Dass sich dies zu ändern beginnt, ist maßgebliches Verdienst einer Gruppe jüngerer Partner, die energisch an der Verbesserung der Kontakte zu besonders bedeutenden Mandanten, v.a. Konzernen, aber auch Finanzinvestoren und Investmentbanken, arbeitet – durchaus mit Erfolg, wie Projekte etwa für Boehringer Ingelheim oder One Square Advisors zeigen.
Zugleich gehört CMS mit ihrem Servicecenter in Berlin zu den Vorreitern beim Aufbau von Kapazitäten für standardisierbare Arbeiten, die teils auch über das traditionelle Spektrum der juristischen Beratung hinausgehen. Die Kanzlei begreift dies nicht als Gegenbewegung, sondern als logische Ergänzung zum Streben nach höherwertigen Mandaten: Wer Standardaufgaben möglichst effizient und kostengünstig erledigt, so das Kalkül, kommt nicht nur bei diesen häufiger für Konzerne zum Einsatz, sondern kann auch mehr Ressourcen für anspruchsvollere Mandate verwenden – z.B. als Berater genau derselben, der Kanzlei umso enger verbundenen Konzerne. Was in der Compliance-Beratung und im Immobiliensektor bereits gut funktioniert, muss sich für andere Praxen zwar noch beweisen, so oder so ist CMS bei diesem zentralen Zukunftsthema den meisten Wettbewerberkanzleien aber einen Schritt voraus.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Sachsen; Stuttgart; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 659
Internat. Einbindung: Mitglied der CMS-Allianz aus 10 unabh. europäischen Kanzleien mit gemeinsamer Dachmarke u. übergreifenden Fach- u. Industriegruppen, eigenes Büro in Hongkong, Kooperation mit ehem. CMS-Büro in Teheran. In Moskau, der Türkei u. Asien betreiben CMS-Mitglieder in versch. Zusammenstellung Standorte. Über CMS Reich-Rohrwig Hainz (Österreich) starke Osteuropaverbindungen, seit 2017 mit Büro in Bratislava.
Entwicklung: Der Transformationsprozess, in dem sich CMS seit einigen Jahren befindet, verläuft grundlegend anders als bei anderen – zumal international integrierten – Kanzleien. Bei CMS gibt es keine Wellen von Partnerabgängen, keine Standortschließungen oder Abspaltungen ganzer Praxisbereiche. Wenn Partner ausscheiden, dann meist aus Altersgründen, und inhaltlich begreift sich CMS weiterhin als Vollsortimenter. Stattdessen setzt das Management um den gerade für eine dritte Amtszeit gewählten Dr. Hubertus Kolster auf behutsame Eingriffe wie eine vorgezogene Ruhestandsoption für Partner, die Einführung des Principal Counsel als Alternative zur Partnerschaft und auch ganz schlicht auf weniger Partnerernennungen als früher. Die Risiken, die damit einhergehen, sind allerdings nicht unbedingt kleiner als bei einer schnellen und drastischen Verschlankung. Wie schon im Vorjahr gab es eine Reihe von Counsel-Abgängen, zuletzt in der Investmentfondspraxis, und dass der Principal Counsel als Karriereziel auf breitere Akzeptanz stoßen wird als sein Vorläufer, der Associated Partner, ist nicht gesagt. Dabei kommt es stärker als bisher darauf an, dass die Kanzlei den richtigen Unter- und Mittelbau für eine zahlenmäßig kleinere Partnerschaft findet, die fokussierter auftritt und immer komplexere Mandate in Angriff nimmt.
Eine Herausforderung bleibt auch die internat. Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb des CMS-Verbunds, die bisher nur in einzelnen Praxisbereichen ähnlich ausgeprägt ist wie bei internat. integrierten Wettbewerbern. Allen Erfolgen wie bspw. M&A-Deals für Tata Steel und Pioneer & Onkyo zum Trotz gibt CMS hier ein weniger überzeugendes Bild ab als bspw. Noerr, die als unabhängige dt. Kanzlei über eine befreundete US-Sozietät bei einem der größten Private-Equity-Deals des Jahres als Beraterin eines Bieters in Mandat kam.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
CMS Hasche Sigle Partnerschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern mbB10785 Berlin
Zum Porträt
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