FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER

Nationaler Überblick Top 50★★★★★

Bewertung: Der vor rund 5 Jahren begonnene tiefgreifende Generationswechsel in der Partnerschaft scheint abgeschlossen. Das vergangene Jahr war erstmals nicht mehr durch das Ausscheiden älterer Partner gekennzeichnet. Neupartnerernennungen hatte Freshfields durchgängig vorgenommen, auch in diesem Jahr waren es wieder 3 – Schwerpunkt Corporate und Litigation. Die Umstellungen – auch am Vergütungssystem hat die Kanzlei gedreht – haben Kraft gekostet u. eins ist schon jetzt klar: Der scharfe Wind, der an der Marktspitze weht, lässt keinen Raum zum Verschnaufen. Latham & Watkins ist nach wie vor in Kernbereichen wie Private Equity, M&A u. Kartellrecht eine äußerst ambitionierte Wettbewerberin. Doch die Herausforderungen kommen für alle Spitzenkanzleien auch von anderer Seite: kühl rechnende Mandanten, die sich analytischer als bisher mit dem eigenen Beratungsbedarf beschäftigen, Technologie testen und ihre Vorstellungen selbstbewusster denn je gegenüber den Kanzleien formulieren.
Was die Einbindung in die Spitzenmandate des Jahres angeht, gibt es allerdings kaum eine Kanzlei, die mit FBD in dieser bemerkenswerten Breite mithält. Der im Vorjahr begonnene Abbau der Grenzen zwischen den Gesellschafts-, Kapitalmarkt-, Finanzierungs- u. M&A-Praxen trifft den Trend, dass diese Fragen bei komplexen Transaktionen immer enger zusammenhängen. Die Beratung der Deutschen Bank beim gepl. Zusammengehen mit der Commerzbank u. zentrale Transaktionen bei der HSH/Hamburg Commercial Bank, für die KfW, Merck, Liberty Global, VW Truck & Bus/Traton sind klare Belege für die immense Leistungsfähigkeit der Teams. Früher als andere hat FBD es dabei zudem geschafft, die nächste Partnergeneration in federführenden Rollen zu etablieren, so etwa Dr. Wessel Heukamp, Dr. Ralph Kogge oder Dr. Patrick Cichy, hinter denen ebenfalls schon weitere nachrücken. Und Rick van Aerssen ist nicht nur einer der maßgebl. Strategen hinter dem Ausbau der US-Zusammenarbeit, er spielte auch eine wichtige Rolle bei der Beratung der Deutschen Bank. Wie stark sich die transatlant. Zusammenarbeit entwickelt, zeigt, dass nach BASF im Vorjahr auch Beiersdorf bei einem US-Zukauf auf die Praxis vertraute. Ein US-Medizinproduktehersteller betraute die Kanzlei mit der Gestaltung eines ww. Distributionsvertrags, u. bei der Beratung von VW zum E-Auto-Joint-Venture mit Ford bewiesen die Teams ihre transatlant. Erfahrung – wenn auch neben US-Wettbewerberin Sidley Austin.
FBD zeichnet sich im Vergleich zu anderen transaktionsstarken Spitzenkanzleien gerade durch ihre fachlich breite Aufstellung aus u. ist in anderen Fachbereichen nicht minder ambitioniert. Im vergangenen Jahr beherrschte sie geradezu den Compliance-Markt, nachdem sie sich auch in den aktuell bedeutsamen Disziplinen Strafrecht u. Datenschutz strategisch aufgestellt hat – auch hier bewies sie viel strategisches Gespür. Dass sie mit der Aufarbeitung des riesigen Datenlecks bei Marriott betraut wurde, wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.
Auf das Image der Kanzlei fällt dennoch durch die aktuellen Cum-Ex-Untersuchungen ein Schatten: Mehrfach hat die Staatsanwaltschaft Büroräume der Kanzlei durchsucht. Bei den Ermittlungen geht es um die Rolle, die Anwälte der Kanzlei bei den Cum-Ex-Geschäften der mittlerweile insolventen Maple Bank spielten. Der Insolvenzverwalter der Bank, die über ihre Beteiligung an diesen Geschäften stürzte, verlangte Schadensersatz in Höhe von €95 Mio, Ende August verglich sich FBD mit ihm auf €50 Mio. Auch wenn das fachliche Renommee der Kanzlei im Markt deshalb praktisch nicht leidet, wird der Ausgang auch der strafrechtl. Ermittlungen doch weiter intensiv verfolgt.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Compliance.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 550
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei mit einheitl. Vergütungssystem (modifizierter Lockstep), v.a. in Europa sehr stark. Im Nahen Osten mehrere eigene Büros u. exklusive Beziehungen. In Asien liegen strateg. Schwerpunkte in China u. Japan. In den USA baut sie eigene Büros in New York u. Washington auf (aktuell ca. 41 US-Partner).
Entwicklung: Fachliche Stärke, nahtloses Teamwork, internat. Reichweite – Freshfields hat viele ihrer Hausaufgaben gemacht, doch stehen bleiben kann die Kanzlei nicht. Die Beschäftigung mit Legal Operations gewinnt in den Mandantenunternehmen immer mehr an Dringlichkeit. Immerhin formulierte auch der Chefjurist der Deutschen Bank öffentlich, dass er bei der Auswahl der Rechtsberater härter u. strategischer über Kosten verhandelt als zuvor. Mit dem Thema Pricing beschäftigt sich die Kanzlei schon seit ein paar Jahren. Die immer bessere, auch grenzüberschreitende Zusammenstellung der Associate-Teams wirkt sich in einer optimierten Auslastung u. damit auch kostenmäßig aus. Über das VW-Mandat hat die Kanzlei ebenfalls einen Lernprozess durchlaufen, der sie mit Blick auf den Einsatz von Technik u. Projektjuristen auch bei anderen Mandaten agiler werden lässt. Sie ist zugleich dabei, ihre Teams von Projektjuristen auszudifferenzieren u. zählt zu den Kanzleien, die in Berlin mit einem spezialisierten Technologie-Team neue Möglichkeiten der Mandatsbearbeitung entwickeln möchten. Es ist bei FBD nicht unbemerkt geblieben, dass sich bei Projekten wie Carve-outs u. Konzernreorganisationen die Konkurrenz nicht nur vonseiten der üblichen Wettbewerberkanzleien entwickelt. Vielmehr ist u.a. PwC Legal mit einigen jüngeren ehem. Freshfields-Anwälten hier in ein Geschäftsfeld vorgestoßen, dass lange einen wichtigen Teil der Gesellschaftsrechtspraxis bildete.
Von den Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft gibt sich FBD nach außen unberührt, und tatsächl. beeinträchtigen die Ereignisse ihr Geschäft offenbar nicht, nicht einmal das der Compliance-Praxis. Dennoch sind die Ermittlungen gg. zwei Steuerpartner, die nach Ansicht der Ermittler ihren Mandanten bestätigten, dass die Cum-Ex-Geschäfte prinzipiell rechtlich tragbar seien, ein enormes Reputationsrisiko, denn im Nachhinein bestehen deutliche Zweifel an dieser Rechtsauffassung. Abseits der steuer- u. strafrechtl. Beurteilung der Vorgänge werfen die gutachterl. Stellungnahmen grundsätzliche Fragen zu Grenzen der anwaltlichen Beratung auf. Deswegen und wg. ihrer herausgehobenen Marktposition wird der Umgang der Kanzlei mit den Vorwürfen u. mit den Ermittlungsbehörden im Markt intensiv, kontrovers und teils sehr kritisch diskutiert. Die Schadensersatzklage ist verglichen, FBD selbst nicht beschuldigt – der Weg, sich zu den Vorwürfen zu stellen, mithin offen. Die Kanzlei betont ihre Überzeugung, dass die Beratung damals der geltenden Rechtslage entsprach, doch ist FBD in ihrer Rolle darauf angewiesen, dass Großkonzerne mit ihren aktiven Compliance- und Rechtsabteilungen keine Zweifel daran bekommen, dass sie etwaigen eigenen Compliance-Themen mit Sorgfalt und Konsequenz begegnet.
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