GÖRG

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Die Sicht auf Görg als Full-Service-Wirtschaftskanzlei ist seit einiger Zeit selbstverständlicher geworden, denn der einst wirtschaftlich und in der Marktwahrnehmung überragende Zweig für Insolvenz und Restrukturierung hat eine spürbare, hauptsächlich konjunkturell begründete Schwächephase hinter sich. So konnten andere Fachbereiche stärker glänzen als zuvor – und sich insbes. untereinander vernetzen und unterstützen, was noch nicht unbedingt überall zur Routine gehörte.
In dieser Hinsicht machten z.B. etwa die Immobilienrechtler Fortschritte, die mit rund 50 Berufsträgern zum Fundament der Kanzlei gehören, und bei größeren Deals zuletzt immer mehr die Steuer- und Öffentlich-Rechtler einbanden. Auch das deutlich kleinere Vergaberechtsteam hat sich auf der Achse Frankfurt-Hamburg erkennbar zusammengeschlossen und so etwa zahlreiche Forschungseinrichtungen als Mandanten gewinnen können. Großen Eindruck konnte die Kanzlei aber auch im Transaktionsbereich hinterlassen, v.a. auf den Feldern Private Equity und Venture Capital: Das Mandat von CVC für ihre Beteiligung an DKV Mobility Services bedeutete sowohl für den Kölner Partner Dr. Oliver von Rosenberg als auch für die Praxis insgesamt einen Durchbruch. Bei mittelgroßen Fonds ist das Team ohnehin gut vernetzt, und die Münchner Venture-Capital-Experten konnten mit dem Sonnen-Verkauf ebenfalls einen Höhepunkt feiern.
In Köln ist nach dem altersbedingten Ausscheiden von Insolvenzaltmeister Hans-Gerd Jauch hingegen eine Lücke entstanden. Jauch führte nach dem Abschied des Namensgebers Dr. Klaus Görg lange Jahre die Großinsolvenz Karstadt/Arcandor weiter. Dieser Verlust am Kölner Stammsitz wird für die Kanzlei nicht gänzlich dadurch geschlossen, dass der norddeutsche Insolvenzzweig um Dr. Thorsten Bieg und Dr. Gerrit Hölzle so erfolgreich unterwegs ist. Andererseits haben diese mit der aufwändigen Rettungsaktion für den Windenergieanlagenbauer Senvion eines der größten Krisenmandate der letzten Zeit ergattert und ihren exzellenten Ruf untermauert. Im Falle von Senvion zeigt sich auch beispielhaft die Fähigkeit der Insolvenzexperten, schnell und standortübergreifend große Teams zu bilden.
Besondere Stärken: Insolvenz/Restrukturierung.
Siehe auch: Berlin; Frankfurt; Hamburg; Köln; München.
Anwälte in Deutschland: 287
Internat. Einbindung: Offenes Netzwerk mit anderen unabhängigen Kanzleien.
Entwicklung: Viele kleine Schritte ergeben einen großen – nach diesem Motto hat die Kanzlei, die die Interessen einer eher heterogenen Partnerschaft mit rund 120 Köpfen bündeln muss, immer wieder an einzelnen Stellschrauben gedreht. So geht die interne Digitalisierung allmählich voran, auch der Aufbau nicht-anwaltlicher Beratungsleistungen ist offiziell beschlossen. Die Nachwuchsproblematik, insbes. der Bewerbermangel, befördert weitere Themen auf die Tagesordnung: Die Möglichkeiten zur Teilzeittätigkeit werden stärker betont, da die weit überwiegende Mehrheit der Görg-Anwälte nach wie vor Vollzeit arbeitet.
Dabei hat die Kanzlei ihren Ausbaukurs fortgesetzt und immer wieder, zuletzt v.a. in Frankfurt und Hamburg, Quereinsteigern eine Plattform geboten. In Bezug auf Rechtsgebiete und Senioritätsstufen der Zugänge geht Görg opportunistisch vor: Alles kann, nichts muss. Der Stabilität der Kanzlei, die in den vergangenen Jahren erstaunlich wenige Partner bzw. Teams verloren hat, hat dies nicht geschadet – auch nicht der Profitabilität, die dem Vernehmen nach steigt. Ob dies der strategischen Weiterentwicklung der Kanzlei genutzt hat, ist aber fraglich. Legt man nur den Maßstab einer mittelstandsorientierten Kanzlei an, ist Görg bundesweit stark und überdurchschnittlich profitabel. Sieht man Görg als Mitspielerin im Konzert der unabhängigen deutschen Großkanzleien, die um Vorzeigemandate aus der Dax-Konzernwelt, Verweismandate von US-Kanzleien sowie grenzüberschreitende Deals konkurrieren, muss sie vielen anderen den Vortritt lassen. Diesen Spagat wird sie aushalten müssen, solange sie nicht eine stärkere Fokussierung auf Transaktionen als Ziel ausruft. Diese Fokussierung ist aber keineswegs zwangsläufig – sobald sich die Krisenindikatoren für die deutsche Wirtschaft mehren, dürfte Görg erneut gute Jahre vor sich haben.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Görg Partnerschaft von Rechtsanwälten10623 Berlin
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