GSK STOCKMANN

Nationaler Überblick Top 50★☆☆☆☆

Bewertung: Nachdem sie in den Vorjahren viel an ihren internen Strukturen gearbeitet hat, macht sich GSK nun an den Feinschliff, v.a. mit Blick auf den Wiederaufbau solider internationaler Beziehungen. Seit dem Zerfall des Netzwerks Broadlaw fehlt es hier an einer klaren Struktur. Erstmals wurde eigens ein Managing-Partner berufen, der die bestehenden Kontakte zu ausländischen Kanzleien ordnen und optimieren soll. In die Rolle schlüpfte einer der Luxemburger Partner. Das dortige Büro hat derzeit ohnehin die vielleicht am stärksten international orientierte Praxis, beschäftigt zwei chines. Anwältinnen und beriet zuletzt u.a. die China Merchant Bank. Das Büro wird damit zum Motor der Weiterentwicklung und Modernisierung des Geschäfts.
Auch wenn das Immobilienwirtschaftsrecht Dreh- und Angelpunkt der Kanzlei bleibt, zeigt sich doch, dass sie immer häufiger Akzente auch außerhalb dieses Feldes setzen kann. Dazu gehörten zuletzt etwa die Beratung von Lockheed Martin bei einem Joint Venture mit Airbus, aber auch ein wegweisendes Mandat der Bankaufsichtsrechtler bei einer Wertpapiertransaktion über eine DLT-Plattform für die Commerzbank, Siemens u. Continental. Der überraschende Tod eines gerade für komplexere Regulierungsfragen im Finanzsektor stehenden Partners warf die Praxis durchaus zurück, auch wenn sie einen auf Fintech spezialisierten Quereinsteiger von Schiedermair gewann. Dessen Einstieg markiert einmal mehr, GSKs Engagement bei innovativen Themen. Das gilt auch für die Immobilienpraxis, die mit einem Mietvertrags-IT-Tool in den Markt ging, das bereits erste Interessenten unter den Mandanten gefunden hat. Initiativen wie diese, die nun auch auf andere Felder ausgeweitet werden soll, zeigen, ebenso wie milliardenschwere Finanzierungen im Immobiliensektor, dass GSK gut daran tut, ihre traditionelle Kernkompetenz nicht zu vernachlässigen, sondern sie als Ausgangspunkt für eine breite Weiterentwicklung zu nutzen. So bietet die Immobilienpraxis etwa reichlich Potenzial, die Gesellschaftsrechtler weitaus intensiver einzubinden, als dies bislang geschieht. Und auch die recht isoliert dastehende Private-Equity-und-Venture-Capital-Praxis könnte von einem geschlosseneren Auftritt auf Investorenseite profitieren.
Als einen Weg, die interne Vernetzung voranzutreiben hat GSK die Konzentration auf einzelne Branchen definiert. So sollen auch Fachbereiche wie Litigation, deren Hamburger Erfolgsteam lange als ein Solitär galt, künftig einzelnen Branchengruppen zugeordnet sein. Dass GSK-Partner dem keineswegs negativ gegenüberstehen, zeigt sich inzwischen bei der Compliance-Beratung, die fast schon zwingend auf die Kooperationsbereitschaft von Anwälten angewiesen ist. Ein Quereinsteiger aus dem Vorjahr geht das Thema beherzt an, nimmt etwa gerade die Hamburger Prozessspezialisten mit ins Boot. Damit lässt sich das Projekt erfolgreicher an als vorherige Versuche der Kanzlei, bei Compliance zu reüssieren. Gelingt nun noch der Schulterschluss mit der Immobilienpraxis, kann sich die Kanzlei ein Geschäftsfeld erschließen, das enormes Potenzial bietet und gerade erst im Entstehen begriffen ist, wie sich an der Entwicklung bei Kapellmann & Partner ablesen lässt.
Siehe auch: Baden-Württemberg; Berlin; Frankfurt; Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 201
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei mit eigenem Büro in Luxemburg, das auch chin. Anwälte beschäftigt. Keine institutionalisierte internat. Vernetzung, aber ein vielfältiges Netz individueller Kontakte.
Entwicklung: Immer wieder war GSK in ihren Bemühungen um eine Modernisierung zurückgeworfen worden. Zwar brachte ihr internationales Netzwerk nur selten entscheidende grenzüberschreitende Arbeit, doch stand es immerhin für eine gewisse Struktur in der internat. Kooperationslandschaft. Nun steht GSK wieder dort, wo sie einst anfing: Eine Vielzahl individueller Kontakte einzelner Partner muss koordiniert werden. Die Entscheidung, das Management zu erweitern, ist vor diesem Hintergrund richtig. Mit wie bisher zwei nebenamtl. Managing-Partnern ist die Strukturierung eines neuen internat. Netzwerks nicht zu machen. Hier steht zunächst Grundlagenarbeit an, um aus individuellen Kontakten einzelner Partner ein tragfähiges Fundament für grenzüberschreitende Arbeit zu schaffen. Die stärkere Orientierung an Branchen dürfte diese Aufgabe erleichtern. Lange bestand für GSK keine Notwendigkeit für eine Sektorausrichtung, kreiste doch der Löwenanteil ihres Geschäfts um Immobilien. Um neue Kompetenzen wie Fintech oder Compliance zu etablieren, ist eine klare Grundstruktur aber zwingend.
Eine auf den ersten Blick der Vergangenheit zugewandte Entscheidung ist allerdings die erneute Aufnahme eines ehemaligen Politikers in München. Auf dessen gute Vernetzung in der lokalen Wirtschaft zu setzen, erscheint als Widerspruch, beschreitet GSK doch gerade einen Weg, der nicht in der Regionalität enden soll. Dabei wäre es wichtig, gerade jüngeren Anwälten gegenüber einen klaren Kurs glaubhaft zu machen. Das ermöglicht es dem Nachwuchs, sich entsprechend zu orientieren und zum geschäftlichen Erfolg beizutragen, denn bis GSK ökonomisch annähernd an deutsche Großkanzleien wie Noerr oder CMS herankommt, steht ihr noch ein langer Weg bevor.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
GSK Stockmann Partnerschaftsgesellschaft10117 Berlin
Zum Porträt
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