HENGELER MUELLER

Nationaler Überblick Top 50★★★★★

Bewertung: Wie eh und je ist HM bei großvolumigen, komplexen Transaktionen ebenso präsent wie bei Mid-Cap-Deals. Dabei kommen ihr aktuelle Entwicklungen auf dem M&A-Markt entgegen, etwa dass Private-Equity-Investoren und Konzerne inzwischen gemeinsam antreten, um sich interessante Kaufobjekte zu sichern. So stand HM an der Seite der Deutschen Börse, als diese gemeinsam mit der PE-Gesellschaft General Atlantic (vertreten durch Milbank) den im Indexgeschäft starken US-Anbieter Axioma übernahm. HM punktet bei solchen Transaktionen, weil sie auf eine besonders große u. homogene Partnerschaft von Corporate-Generalisten setzen kann. So wandeln Partner wie Dr. Maximilian Schiessl und Prof. Dr. Hans-Jörg Ziegenhain regelm. zwischen den Fonds- und Konzernwelten. Auch im Venture-Capital-Bereich lassen sie sich häufiger als ihre Wettbewerber an der Marktspitze blicken, wie zuletzt etwa die Beratung von Silver Lake bei einer weiteren Flixbus-Finanzierungsrunde zeigte.
Der an allen deutschen Standorten auch von der Altersstruktur her recht ausgewogenen Corporate-Riege gelingt es zudem, rasch schlagkräftige Teams zusammenzustellen, die sämtlichen Anforderungen der Mandanten Rechnung tragen. Angesichts der im oberen Marktsegment komplexer werdenden u. kurzfristiger anberaumten Transaktionen ist das ein weiteres Asset, mit dem HM regelm. überzeugt. Dass die fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit dabei bestens funktioniert, belegen Mandatierungen bei Transaktionen in den Sektoren Energie, Gesundheit, Telekommunikation, Verkehr u. Finanzen. Den hohen regulatorischen Beratungsbedarf bedient HM mit einem der größten öffentl.-rechtl. Teams im Kreis der Großkanzleien, ganz besonders im Energiesektor – ein Bereich, aus dem sich etwa Freshfields nach dem Eindruck vieler Mandanten zugunsten der IT- u. Telekommunikationsbranche zurückzieht.
Dass HM sich diese Spezialisierungen in der Breite leisten kann, liegt sowohl an der Lockstep-Vergütungsstruktur als auch am Generalistendasein selbst dieser Partner. HM-Partner sind auch im Öffentlichen Wirtschaftsrecht nicht auf einzelne Sektoren spezialisiert, sondern in mehreren regulierten Sektoren sowie in Beratungsprojekten mit hohem Compliance- und Litigation-Anteil einsetzbar. Projekte dieser Art, zu denen auch die Kartellrechtspraxis kräftig beiträgt, gewinnen für HM weiter an Bedeutung, was insbes. auch der Zugang eines Strafrechtlers von White & Case belegt.
Strategischer denn je geht HM auch den Generationswechsel an: Regelm. teilen sich die Federführung bei Transaktionen altbekannte Dealgrößen u. ein Vertreter der jungen Partnergeneration. Bei Transaktionen im Finanzsektor, wie dem gepl. Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank, arbeiten Prof. Dr. Johannes Adolff und Dr. Lucina Berger regelm. zusammen. An der Seite von Ziegenhain stand sowohl im Deutsche-Börse-Deal als auch beim Hymer-Verkauf an Thor Dr. Daniel Möritz. Die jüngsten Partnerernennungen zeigen dabei, dass HM die Spezialisierung auf bestimmte Mandanten und Mandate nicht nur zulässt, sondern inzwischen gezielt fördert. Die drei zuletzt ernannten Corporate-Partner sind auf Restrukturierung, Bankregulierung u. Immobilienrecht spezialisiert. Das bedeutet zwar nicht das Ende des generalistisch geprägten HM-Ansatzes, es deutet aber an, dass HM der Entwicklung einer stärkeren Verbundkultur ggü. der Entwicklung starker individualistischer Persönlichkeiten Vorrang gibt.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Energiewirtschaftsrecht; Regulierte Industrien.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 278
Internat. Einbindung: Unabhängige dt. Kanzlei, Best-Friend-Beziehungen zu Slaughter and May in GB, einer Reihe von Kanzleien in den USA, Bredin Prat (Frankreich), Uria Menéndez (Spanien), Bonelli Erede Pappalardo (Italien), De Brauw (Niederlande).
Entwicklung: Verglichen mit einigen ihrer engsten Wettbewerber war strategische Entwicklung bei HM nie ein zentrales Anliegen. Die Partner sollten fachlich über alle Zweifel erhaben sein und ihre Kreativität zur selbstständigen Entwicklung des Geschäfts nutzen. Und das taten sie auch – meistens und v.a. im Transaktionsgeschäft mit nachhaltigem Erfolg, doch Wettbewerber bemerken inzwischen, dass die Kanzlei in einigen Bereichen sehr wohl strategisch vorgeht.
Denn der Generationswechsel bleibt ein brennendes Thema. Die Riege der führenden Corporate-Generalisten wird in den kommenden 5 Jahren noch eine führende Rolle einnehmen. Ihre Aufgabe u. die der Kanzlei wird es sein, diese Zeit zu nutzen, um den Partnerverbund zu stärken u. auch in den Mittelbau hinein Akzeptanz für das traditionelle Lockstep-System zu schaffen, denn den will HM auch in Zeiten erhalten, in denen ihre Wettbewerber neue Wege gehen. Die neue Partnergeneration muss dies auch dann mittragen, wenn sie aus dem Schatten ihrer Förderer heraustritt. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn hinter der Riege der etablierten Corporate-Partner sowie der Reihe danach formiert sich eine Generation, die Wettbewerber nicht nur für ihre fachliche Qualität loben, sondern auch dafür, dass sie teamorientierter u. nahbarer ist. Dies darf nicht unterschätzt werden, denn auch die Ansprechpartner bei den Mandanten entwickeln sich weiter. Vorstände u. General Counsel sind keine Alleinherrscher mehr.
Zugleich mehren sich die Anzeichen, dass HM ihr Corporate-unabhängiges Geschäft stärkt und auf eine gewisse Ausdifferenzierung setzt. Insbes. der Zugang eines Strafrechtlers ist zu nennen, der der bisher regulatorisch geprägten Compliance-Praxis neue Chancen eröffnet. Auch die Entscheidung, an der Seite von Slaughter and May das kartellrechtlich komplexe Vodafone-Mandat rund um die Fusion mit Unitymedia zu übernehmen, deutet in diese Richtung, denn es war zugleich eine Entscheidung für einen Wettbewerber der langjährigen Corporate-Mandantin Deutsche Telekom. Marktbekannt ist, dass diese inzwischen die Zusammenarbeit mit HM beendete. Dieses Risiko könnte HM bewusst eingegangen sein, um die internat. Kontakte, v.a. aber die lange meist als Transaktions-Support agierenden Kartellrechts- u. Regulierungspraxen zu stärken. Demnach hätte sich HM hier für das genaue Gegenteil dessen entschieden, was in der Vergangenheit meist Priorität war. Die Kanzlei achtet offensichtlich stärker darauf, wie sie ihre Marktführerposition auf breiterer Basis sichert und weiterentwickelt – und wird damit Freshfields ähnlicher, als sie es bisher war.
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