HEUKING KÜHN LÜER WOJTEK

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Im Vergleich zu früheren Jahren zeigte sich HKLW zuletzt zurückhaltender bei der Aufnahme von Quereinsteigern. Nur die Compliance-Praxis wuchs um einen Salary-Partner von außen. Diese Verschnaufpause dürfte der Kanzlei guttun, da sie zugleich ein rasantes Personalwachstum auf den unteren Ebenen verzeichnete – geschuldet primär der Arbeit im Prozesskomplex VW, für den die Kanzlei inzwischen etwa 50 Anwälte einstellte. Das Megamandat hat die Kanzlei gut organisiert, was im Markt hier und da Überraschung hervorrief, gilt die Kanzlei doch als vergleichsweise lose gesteuert.
Tatsächlich wird HKLW anders gesteuert als dies bei anderen Kanzleien ihrer Größe üblich ist. Ganz im Einklang mit ihrer auf Unabhängigkeit der einzelnen Partner bedachten Kanzleikultur übernehmen wirtschaftlich erfolgreiche Partner das Management, die in der Partnerschaft akzeptiert sind. Eine signifikante Entlastung von der Mandatsarbeit ist daher nicht vorgesehen. Dass dem Aufwand damit Grenzen gesetzt sind, ist der Kanzlei durchaus bewusst, erweiterte sie doch zuletzt das Management von 3 auf 5 Köpfe. Diese Erweiterung erlaubt es nun zwar, Themen wie Legal Tech und interner Organisation mehr Zeit zu widmen, doch wird es nicht dazu führen, dass die Kanzlei insgesamt künftig offensiver gemanagt wird. Schließlich hat HKLW seit Jahren genau wegen der großen Unabhängigkeit des einzelnen Partners viele Quereinsteiger angezogen, ist wirtschaftlich erfolgreich und hat auch immer wieder gezeigt, dass am Ende auch weniger populäre Entscheidungen getroffen werden können. So bleibt es aber auch dabei, dass das Potenzial, das die vielfältige Mandantschaft bietet, nicht ausgeschöpft wird, weil es an den dafür erforderlichen Strukturen fehlt.
Dass die Kanzlei dennoch immer wieder Erfolge feiert, liegt in der Vielfalt der Beratungsfelder, der Diversität der Mandantschaft und der Fähigkeit der großen Partnerschaft, sich bei Bedarf in funktionierenden Teams zusammenzufinden. Und es liegt daran, dass Mandanten gerade den individuellen Ansatz der Kanzlei schätzen, der zu „exzellenten Arbeitsbeziehungen“ führt.
So zeigten sich zuletzt im M&A insofern beachtliche Erfolge, als– anders als noch im klass. Gesellschaftsrecht – die jüngere Partnergeneration immer mehr Lob von Wettbewerbern wie Mandanten erntet. Dass einer von ihnen nun die Praxis mit leitet, ist konsequent. Die neue Doppelspitze wird auch dafür Sorge tragen müssen, dass die klass. Corporate-Berater und die eher auf Private Equity ausgerichteten Anwälte engen Kontakt zueinander halten. Schon jetzt ist die Kooperation hier enger als sonst bei HKLW üblich. Weil immer mehr Privatinvestoren und Family Offices, bei denen v.a. das Düsseldorfer Büro gut vernetzt ist, ihre Investitionen wie Kapitalgeber strukturieren, könnte die Kanzlei ihren Zugang zu diesen Mandanten zu nutzen, um auch andere Praxen mit ihrer Erfahrung in diversen Asset-Klassen einzubringen.
Besondere Stärken: Vergabe.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Sachsen; Stuttgart.
Anwälte in Deutschland: 415
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei, exklusives dt. Mitglied im ww. Netzwerk World Services Group, dem u.a. Garrigues (Spanien), Dorda (Österreich), Arendt & Medernach (Luxemburg), Gianni Origoni Grippo (Italien) u. Veirano (Brasilien) angehören, u. zahlreiche individuelle Kontakte. Eigene Büros in Brüssel u. Zürich.
Entwicklung: Bei allem wirtschaftlichen Erfolg u. Wachstum zeigt sich immer wieder, wo die Kanzlei mit mehr Konsequenz u. Steuerung deutlich mehr erreichen könnte. Neben der internen Vernetzung insgesamt ist dies schon seit Jahren die Förderung des anwaltl. Nachwuchses. Auch wenn sich in M&A allmählich die nächste Generation etabliert, fehlt eine vergleichbare Entwicklung in anderen Praxen. Trotz aller Transparenzbemühungen hält sich die Kritik junger Anwälte, dass ihr persönl. Fortkommen zu sehr vom jeweiligen Partner abhängt. Die Tatsache, dass HKLW regelm. Partner ernennt, würde die Junganwälte wohl noch deutlich stärker motivieren, ginge sie mit einer kanzleiweit vereinheitlichten Karriereförderung u. transparenten Personalentscheidungen einher. Ein markantes Bsp. ist derzeit die Haltung ggü. den zahlreichen Juristen, die die VW-Klagen abarbeiten: Während Wettbewerberkanzleien wie Luther diesen Pool als Chance begreifen, sich kompetenten Nachwuchs zu sichern, der in einem klassischen Bewerbungsverfahren womöglich durchs Raster gefallen wäre, sieht HKLW darin eher eine organisatorische u. ökonomische Herausforderung. Um aus dieser Sondersituation langfristig Vorteile zu ziehen, wäre nachhaltigeres Personalmanagement und mehr Offenheit für neue Rekrutierungs- und Evaluationsmodelle hilfreich.
Gleiches gilt weiterhin für das grenzüberschreitende Geschäft, insbes. für die beiden Auslandsstandorte Zürich und Brüssel. Beide geben ein recht statisches Bild ab. Immer wieder einmal deuten einzelne Mandate an, was HKLW auch mit ihren sehr individualistischen internat. Kanzleikontakten leisten kann, etwa bei Transaktionen mit China-Bezug oder bei Mandaten, die eben individuelle Kontakte auf die Tische einzelner Partner spülen. Doch eine strategische Herangehensweise, etwa eine engere Verbindung der starken kapitalmarktrechtlichen Praxis von HKLW mit den Luxemburger Kooperationspartnern, ist nicht erkennbar. Die Kontakte aus dem internat. WSG-Netzwerk werden etwa bei der Beratung ausl. Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland relevant, doch bleiben derartige Mandate eher zufällig.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Heuking Kühn Lüer Wojtek Partnerschaft10719 Berlin
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