JONES DAY

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Bei mittelgroßen bis großen Transaktionen beeindruckte JD zuletzt mit einer hohen Schlagzahl an Deals. Dabei profitierte sie einerseits von ihrer internationalen Reichweite, aber auch davon, dass einige der jüngeren Partner immer stärker eigenes Geschäft aufbauen. Viel beschäftigt waren zuletzt etwa Dr. Kerstin Henrich oder Dr. Philipp Grzimek. Doch fehlte es auch nicht an den schlagzeilenträchtigen Deals. JD ist eine der wenigen Kanzleien, die im schwieriger gewordenen Klima eine aktive China-Praxis aufrechterhalten hat. Dies ist den guten Verbindungen des Düsseldorfer China-Desk zu Fosun zu verdanken, einem der aktivsten chinesischen Investoren, der ihr mit dem Kauf der FFT-Gruppe einen der größten Chinadeals des Jahres anvertraute. Dabei konnte JD auch ihre Kompetenz bei AWG-Anmeldungen beweisen: Hier agiert ein Quereinsteiger, der vor zwei Jahren dazukam, mit viel Erfahrung.
Weniger im Blickfeld waren bisher die Frankreich-Kontakte, die auf einige wenige Partner begrenzt schienen. Doch jetzt kamen einige bedeutende Neumandatierungen aus dem Venture-Capital-Bereich dazu: Die Beteiligungsgesellschaft Eurazeo, das Family Office Hi Inov sowie Alliance, der gemeinsame Corporate-Venture-Arm von Renault u. Nissan, setzten erstmals auf JD.
Zentral ist aber nach wie vor die US-Beziehung. Dr. Ansgar Rempp, der schon mehrere großvolumige transatlantische Deals steuerte, ist hier einer der erfahrensten Partner im Markt. Nach Procter & Gamble/Merck im Vorjahr begleitete das M&A-Team den Softwareriesen SAP erneut bei einem geplanten US-Zukauf.
Doch JD arbeitete auch daran, andere Fachbereiche auszubauen: In Frankfurt verstärkt der langjährige Linklaters-Partner Florian Lechner die Steuerpraxis, in München kam von McDermott Will & Emery der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Paul Melot de Beauregard dazu. Beide Fachbereiche waren bisher nur schmal besetzt. Dem immer wichtiger werdenden Thema Datenschutz, das bislang v.a. von einer Münchner Partnerin besetzt wurde, gab JD nun mit der Partnerernennung von Dr. Jörg Hladjk mehr Gewicht und zeigte sich damit zukunftszugewandt. Auch die Finance-Praxis präsentierte sich technologieaffin: JD gilt inzwischen neben Linklaters als besonders präsent bei innovativen, teils Blockchain-basierten Emissionen. Ein sehr erfolgreiches Jahr hatte auch der langjährig erfahrene Frankfurter Regulierungsspezialist Dr. Holger Neumann: Er stritt siegreich für Google gegen die Bundesnetzagentur und begleitet Lufthansa in Streitigkeiten um Flughafengebühren.
Besondere Stärken: Patent.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 96
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei mit globaler Reichweite. In Europa starke Büros in London u. Paris. Im internat. zusammengesetzten Brüsseler Büro sind auch mehrere deutsche Anwälte tätig.
Entwicklung: Wie die Partner Geschäft aufbauen und fachbereichsübergreifend entwickeln können, gehört bei Jones Day nicht zu den Aufgaben des Managements. Hierin unterscheidet sie sich von stärker zentral gesteuerten Kanzleien, und dies bietet unternehmerischen Partnern Freiheiten, die diese schätzen. So hat sich Dr. Jürgen Beninca als guter Griff gezeigt, denn seine Erfahrung mit CFIUS- u. AWG-Fragen war in den letzten Monaten stark gefragt. Gleichzeitig konnte er einen kartellrechtlichen Prozesserfolg beim BGH feiern. Die sehr präsente Düsseldorfer Corporate-Partnerin Dr. Kerstin Henrich knüpfte im Bereich Infrastrukturberatung Verbindungen zur belgischen Praxis, und das Team im Bereich strukturierter Finanzierung pflegt viele Berührungspunkte mit dem Pariser u. Mailänder Büro. Dass die Frankfurter Regulierungspraxis in heiklen Prozessen die Interessen von namhaften Mandanten durchsetzt, andererseits aber die M&A-Anwälte bei Regulierungsfragen z.B. in Energiedeals mit einer Boutique zusammenarbeiten, löst bei JD kein stateg. Dilemma aus. Solange es gelingt, bei Deals wie dem Kauf von Qualtrics für SAP alle nötigen Fachbereiche an Bord zu holen, ist das JD-Modell fraglos erfolgreich. Für SAP arbeiten inzwischen auch die Datenschutzspezialisten.
In einer Hinsicht wird JD aber gezielt vorgehen müssen, denn Rempps große Leistung beim Aufbau der Kanzlei hierzulande birgt auch die Notwendigkeit, sich um die längerfristige Stabilität zu kümmern. Freshfields und Hengeler Mueller z.B. haben zuletzt vermehrt mit Tandems aus älteren und jüngeren Partnern gearbeitet und damit ein recht erfolgreiches Modell entwickelt. Darauf zu vertrauen, dass sich ohne Zutun noch mal ein leistungs- und willensstarker Partner wie Rempp entwickelt, wäre wohl zu wenig.
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