HOGAN LOVELLS

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Das internationale Netzwerk von HL wirkte sich im vergangenen Jahr erneut positiv auf die Entwicklung der deutschen Büros aus. Eine Reihe von Praxisgruppen, allen voran das Corporate-Team, trieb die transatlantische Vernetzung voran und sorgte so für ein weiteres, auch wirtschaftlich erfolgreiches Jahr. Aber die guten ökonomischen Kennzahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Praxis in der Normalität angekommen ist. Die Entwicklung der jüngeren Zeit lässt sich am besten als Konsolidierung auf sehr hohem Niveau beschreiben.
So ist die Corporate-Praxis bei der Koordination gesellschaftsrechtlicher Umstrukturierungen exzellent positioniert. Sie beriet bspw. die Generali-Gruppe und ist an der weltweiten Reorganisation von Daimler beteiligt. Beide Mandate wären ohne das transatlantische Netzwerk und den ausgeprägten Sektoransatz bei Versicherern, der Kfz- und der Gesundheitsbranche undenkbar. Letzteres macht HL zu einer der gefragtesten Adressen bei Lifescience-Transaktionen. Vor allem bei der Steuerung von internat. Transaktionen, etwa für BASF und Covestro, legte das Team zu.
Der Automobilsektor vertraut HL inzwischen breit bei grundlegenden Problemen: So helfen die Kartellrechts- und Litigation-Praxis Ford bei der Durchsetzung von Schadensersatz gg. diverse Zuliefererkartelle u. berieten zum E-Auto-Joint-Venture mit VW. Das Patentteam vertritt den US-Autobauer bei der Abwehr der Klage eines Rechteverwerters um Connected-Cars-Patente. Bei Porsche und einem Kfz-Zulieferer stemmt das Compliance-Team interne Untersuchungen. Ausgeprägt ist der Sektoransatz auch in den Branchen Banken und Energie, sowie immobilienrechtlich im Hotelgewerbe. So hat das Team für strukturierte Finanzierungen eine exzellente Position bei Autoverbriefungen. Die Arbeit des Ende 2017 gekommenen Derivatespezialisten Dr. Jochen Seitz für den DDV zu Gesetzgebungsverfahren u. aufsichtsrechtl. Fragen zeigt das Know-how des Teams.
Die enge internat. Vernetzung zeigt sich auch im Patentteam, das große Pharma- bzw. Mobilfunkklagen etwa für Merck, HTC und Vodafone europaweit führt. Die gute internat. Zusammenarbeit in etlichen Fachbereichen geht auf das konsequente Management durch den internat. Managing-Partner Stephen Immelt zurück. Dass auch die deutsche Praxis bei der Entwicklung der Gesamtkanzlei ein gewichtiges Wort mitzureden hat, belegt die Präsenz von Dr. Burkhart Goebel und Ina Brock im internat. Management ebenso wie die Leitung des Aufsichtsrats der Kanzlei durch Dr. Leopold von Gerlach. Dr. Kerstin Neighbour wurde Leiterin der weltweiten Arbeitsrechtspraxis.
Dabei profitierten die deutschen Büros von einer Ausnahmeregelung: Bis zum Sommer 2018 hatte stets ein deutscher Partner alle kontinentaleuropäischen Büros verantwortet. Das änderte sich, als diese Verantwortung von Goebel auf eine Pariser Partnerin überging. Dafür bekamen die deutschen Büros mit dem Münchner Partner Dr. Stefan Schuppert einen eigenen Managing-Partner. Eine seiner ersten Amtshandlungen war 2019 die Eröffnung eines Service-Büros in Berlin. Es dient v.a. der Rekrutierung von Projektjuristen, die insbes. die Teams für Produkthaftung und Compliance bei Großprojekten unterstützen und so eine effizientere Beratung erlauben sollen.
Besondere Stärken: Gesundheit; Handel u. Haftung; Marken u. Wettbewerb; Patent; Vertrieb.
Siehe auch: Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 349
Internat. Einbindung: Voll integrierte Kanzlei, mit zahlreichen Büros in Europa, Asien, Südamerika u. den USA. Daneben auch Standorte im Nahen Osten und in Afrika. Die deutschen Büros sind Teil der kontinentaleuropäischen Praxis, die seit 2018 von der Pariser Partnerin Marie-Aimée de Dampierre geleitet wird.
Entwicklung: Das neue Service-Büro in Berlin dient HL nicht nur dazu, Projektjuristen an sich zu binden, sondern auch zur Rekrutierung von Anwälten für die 4 Hauptstandorte. Nach wie vor gilt HL als Kanzlei mit einem exzellenten Gespür für Talente. Dafür sprechen ganze 8 Partnerernennungen in zentralen Praxen wie Corporate, IP, Litigation und Immobilienwirtschaft. HL investierte aber auch mit zwei neuen Partnern in die Wachstumsthemen IT und Datenschutz.
Für den neuen Managing-Partner Schuppert wird es künftig zu den Aufgaben gehören, Sorge auch für eine noch intensivere Integration von Quereinsteigern zu tragen. So kam die Transaktionsexpertin Dr. Urszula Nartowska in Hamburg von Gleiss Lutz. Sie ist eine wichtige Ergänzung zu der gut beschäftigten Praxis von Matthias Hirschmann mit seinem Schwerpunkt auf der Energiebranche. In Frankfurt kehrte im August 2019 die Finanzierungsspezialistin Bianca Engelmann von Allen & Overy zu HL zurück. Aber HL erlebte zugleich erneut einen Weggang unter ehem. Quereinsteigern. Gerade im Frankfurter Büro ist das nicht das erste Mal: Schon 2018 war ein wichtiger Partner an der Schnittstelle von Arbeitsrecht u. Datenschutz zu Latham & Watkins gewechselt. 2019 ging der Leiter der Praxisgruppe Infrastruktur u. Energie Ulrich Helm zu Mayer Brown, der Finanzierungsspezialist Dr. Patrick Mittmann zu Baker & McKenzie. Zwar sind die betroffenen Praxen weiterhin gut besetzt, doch sorgen solche Abgänge für Unruhe. Die von Eigengewächsen dominierte Partnerschaft prägt ein euphorisches Wir-Gefühl, seit sie die Früchte der transatlantischen Fusion erntet. Das könnte es manchem Quereinsteiger schwermachen, langfristig in der Kanzlei Fuß zu fassen.
Doch es gibt auch gelungene Beispiele wie die Einbindung von Dr. Matthias Jaletzke in die Private-Equity-Praxis oder die Einbindung der Corporate-Partnerin Birgit Reese, die ihr Geschäft im Versicherungssektor Hand in Hand mit der starken Versicherungspraxis weiterentwickelte.
Beides muss zusammenkommen: eine gute Integration von Quereinsteigern und eine agile nächste Generation der Eigengewächse. Nur so wird HL sich den marktführenden Kanzleien weiter nähern u. in Bereiche vorstoßen können, in denen HL noch weit von der Marktspitze entfernt ist. So fällt der Vergleich mit den marktführenden Praxen in der Organberatung oder bei öffentlichen Übernahmen nicht besonders schmeichelhaft aus. Auch das Banking-Team gilt als nicht sehr homogen, was eine Weiterentwicklung erschwert. Gerade auch nach den letzten Personalwechseln braucht das Frankfurter Büro eine Phase der Ruhe und Stabilität, um nicht wieder in den Ruf zu kommen, es sei das Sorgenkind der deutschen Praxis.
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