LUTHER

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Als geografisch wie inhaltlich breit aufgestellte Full-Service-Einheit fällt es Luther tendenziell schwerer als anderen Kanzleien, eine einheitl., klar fokussierte Strategie festzulegen und intern wirkungsvoll durchzusetzen. Inzwischen aber agiert das Management im Bedarfsfall durchaus energisch, um die Kanzlei, ausgehend von fest definierten Branchenschwerpunkten wie Energie, Gesundheit, Infrastruktur, Auto- u. Mobilitätssektor, stärker im anspruchsvollen Transaktionsgeschäft zu etablieren. Bestes Bsp. war zuletzt die Entwicklung des Frankfurter Büros: Gerade an diesem zentralen Standort für Rechtsberater war Luther bisher mit einer heterogenen u. insges. eher schmalen Mannschaft vertreten. Nun stellte die Kanzlei ihre Bank- u. Finanzrechtspraxis mit Quereinsteigern aus renommierten Fonds- u. Finanzierungspraxen, allen voran Achim Pütz von Dechert, auf eine wesentl. breitere Basis. Zugleich verließen Frankfurter Partner aus Bereichen wie Corporate, Immobilien-, Arbeits- u. Gesundheitsrecht, die den neuen Luther-Kurs nicht mittragen konnten oder wollten, die Kanzlei. Am Münchner Standort schloss die Kanzlei unterdessen eine Lücke im Kartellrecht, und auch in der Immobilienrechtspraxis stehen die Zeichen auf Verstärkung.
Dass Luther nicht auf Quereinsteiger angewiesen ist, um sich erfolgr. weiterzuentwickeln, demonstrierte die Kanzlei an mehreren Fronten. Mit der Beratung von Lavorel Medicare beim Verkauf ihrer dt. Tochter an Advent bewies die Transaktionspraxis, dass sie den gesamten Dealprozess von der Vorstrukturierung bis zum Kartellverfahren begleiten kann. Bei diesem Deal spielte das umf. Branchenwissen im Gesundheitssektor ebenso mit wie die Luxemburger Präsenz der Kanzlei. Auch die Arbeit im Energiesektor, schon bisher eines der Luther-Aushängeschilder, legte abermals zu, v.a. dank des Ausbaus der Düsseldorfer Corporate-Praxis im Sommer 2018. Eine zentrale Rolle spielt bei Mandaten der Größenordnung, die Luther anstrebt, das reibungslose Zusammenspiel stark spezialisierter Teams. Wie gut dies möglich ist, zeigte zuletzt bspw. die Arbeitsrechtspraxis: An den zahlr. Prozessen für Amazon sind Arbeitsrechtler an nicht weniger als 8 Standorten beteiligt. Und anders als manche anderen Kanzleien, die wie Luther zentrale Funktionen bei der massenhaften Abarbeitung von Diesel-Verbraucherklagen für VW erfüllen, schafft es Luther, an diesem Mandatskomplex nicht nur finanziell, sondern auch strukturell zu wachsen. So koordiniert die Kanzlei bspw. mithilfe technischer Werkzeuge zeitweise 100 Verhandlungen wöchentlich. Den notwendigen massiven Einsatz von Projektjuristen – bei Redaktionsschluss waren es mehr als 130 – begreift Luther nicht als reinen Kostenfaktor, sondern nutzt die notwendigerweise offenere Art der Nachwuchsrekrutierung als Labor für neue Bewerberauswahl- und Evaluationsmethoden. Entsprechend sind einige Projektjuristen inzwischen in die klass. Associate-Laufbahn gewechselt.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Köln; München; Niedersachsen; NRW; Sachsen; Stuttgart; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 528
Internat. Einbindung: Die Kanzlei hat Büros in Brüssel, London, Luxemburg, Singapur, Yangon u. Schanghai, wo auch Anwälte mit chin. Zulassung arbeiten. Es bestehen Best-Friend-Beziehungen zu Kanzleien in Europa.
Entwicklung: Mit dem Umbau des Frankfurter Standorts und verschiedener Praxen in ganz Deutschland hat das Luther-Management eine neue Gangart eingeschlagen. Jetzt gilt es, die neuen Partner erfolgreich zu integrieren und die Bestandsmannschaft möglichst geschlossen auf den Kurs einzuschwören, den sich die Kanzlei verordnet hat, denn mit dem intensiveren Wettbewerb, in den sich Luther mit ihrer großen Mannschaft begibt, steigen auch die Anforderungen an die Partner. Eine stärkere Leistungsorientierung so tief in der Kanzleikultur zu verankern, dass ggf. nötige personelle Konsequenzen nicht auf Kosten des Gesamtzusammenhalts der Partnerschaft gehen, wird die Voraussetzung für jede strategische Weiterentwicklung sein. Baustellen gibt es noch zur Genüge: Der IT-Praxis etwa gelingt es bisher nur punktuell, die Beratung zum Datenschutz zu einem echten Geschäftsfeld weiterzuentwickeln. Des Weiteren brächte Luther alle Voraussetzungen mit, um sich bei ihrer mittelständ. Klientel als Compliance-Beraterin zu etablieren – bis hin zur strafrechtl. Kompetenz. Bislang scheitert es hier aber genau an dem, was die Kanzlei in anderen Disziplinen bereits mit Erfolg umgesetzt hat: einer systemat. Zusammenarbeit der einschlägigen Praxisgruppen und Standorte. Dass alle Partner an einem Strang ziehen u. strateg. auf dasselbe Gesamtziel hinarbeiten, wäre auch Voraussetzung für eine strukturiertere Nutzung der internat. Kontakte. Wenn Luther hier den Abstand zu Wettbewerbern wie CMS Hasche Sigle verringern will, wird sie nicht umhinkommen, glaubwürdige und solide internat. Kooperationsmodelle vorzuweisen.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH10117 Berlin
Zum Porträt
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