Norton Rose Fulbright

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: NRF kommt ihrem Ziel, die deutsche Praxis zu einer tragenden Säule ihrer europäischen Aktivitäten zu machen, näher. Basis dafür ist die immer bessere Zusammenarbeit der Teams in München, Frankfurt u. Hamburg. Ein erfreulicher Nebeneffekt dabei: Die zuvor schwankende Auslastung der Anwälte bekommt die Kanzlei deutlich besser in den Griff. Zum neuen Selbstbewusstsein trägt auch bei, dass sich die dt. Anwälte immer besser in das immer größer werdende internat. Netzwerk integrieren u. zunehmend weltweit agierende Mandanten von sich überzeugen. Größter Erfolg in dieser Hinsicht war die wiederholte Mandatierung durch Energizer, die dem starken Münchner Transaktionsteam einen Large-Cap-Deal mit Mrd-Volumen anvertraute. Dieses mehrere Länder umspannende Mandat wäre vor einigen Jahren nicht unbedingt NRF angetragen worden, auch wenn gerade die Münchner Corporate-Anwälte regelm. auch für die NRF-Stammmandantin BMW arbeiten. Dass Mandatsbeziehungen wie Energizer an jüngeren, intern aufgestiegenen Partnern hängen, setzt zudem ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung. Für das Immobilienrechtsteam hat diese Zukunft schon begonnen. In den vergangenen Jahren durch jüngere Partner, vorwiegend von White & Case, verstärkt, hat es eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte vorzuweisen u. steuert mittlerweile an 3 Standorten Deals. Seit der Eröffnung eines Büros in Luxemburg ist auch von dort weiterer Aufwind zu erwarten, deckt NRF doch so derzeit für Mandanten wichtige Bereiche insbes. im Kontext von Fondsstrukturierungen ab.
Hinter diesen positiven Entwicklungen stecken nicht einzelne Köpfe, sondern ein insgesamt energischeres Management. Augenfällig wird das auch an personellen Veränderungen. Dass der ehem. Kopf der Immobilienpraxis, Thomas Hopf, die Kanzlei verlassen hat, ist Ausdruck der Neuaufstellung dieses Teams. Die Rückkehr von Dr. Caroline Herkströter (von der DekaBank) wiederum bescherte NRFs Bank- und Finanzpraxis neue Glaubwürdigkeit, gewann sie doch eine erfahrene Beraterin für das Wertpapieraufsichtsrecht. Eine Investition in die Zukunft wiederum ist die Aufnahme des angesehenen Dr. Alexander Cappel, zuvor Counsel bei Clifford Chance. Gemeinsam mit unter anderem den Kartellrechtlern soll der Wirtschaftsstrafrechtler der bisher unauffälligen Compliance-Beratung Schwung verleihen.
Siehe auch: Frankfurt; Hamburg; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 125
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei mit rd. 50 Büros in Europa (auch Luxemburg), den USA, Kanada, Südafrika, Fernost u. Australien.
Entwicklung: Bessere Auslastung, gestiegene Produktivität, integrierte Zusammenarbeit und stärke Internationalisierung: Viele Baustellen hat das dt. Management inzwischen zu weiten Teilen beseitigt und sich dadurch auch besser ins internat. Gefüge der Kanzlei eingebracht. Das ändert aber nichts daran, dass das Londoner Mutterhaus weiterhin kanzleiweit die Weichen für die Zukunft stellt: Dort baut NRF mit der angesehenen Spezialistin Stéphanie Hamon u.a. mit Projektmanagern und Pricing-Spezialisten eine Consulting-Einheit auf. Dass die Idee, die Kanzlei immer mehr in Richtung eines Unternehmens zu entwickeln, auch auf die deutsche Praxis Anwendung finden wird, ist nur eine Frage der Zeit. Zugunsten des großen Ganzen scheint das deutsche Management indes manchmal die einzelnen Praxen aus dem Blick zu verlieren – am auffälligsten wird das immer wieder in Frankfurt, dem personalstärksten Standort der Kanzlei. Zu oft wird punktuell verstärkt, was eigentlich diversifiziert werden müsste. Die Strategie dahinter bleibt verschwommen. Dabei hat NRF gezeigt, dass sie in der Lage ist, Praxen erfolgreich um- und auszubauen. Die M&A- und die Immobilienrechtspraxis sind – trotz diverser Abgänge in den vergangenen Jahren – heute schlagkräftig und durch eine gemeinsame Idee und Arbeitsweise verbunden. Im Bank- und Finanzrecht u. anderen Praxen hingegen sind die Partner oft Einzelkämpfer, die der Rückendeckung des deutschen Managements bedürften, um ihre Praxen weiterzuentwickeln. Dass das nicht genügt, zeigt sich bei Compliance, wo NRF schon im Vorjahr einen Zugang verzeichnete, ohne dass dies im Markt bislang bemerkt worden wäre.
Zugleich muss NRF darauf Acht geben, dass der personelle Unterbau – bislang eine der zufriedeneren Mannschaften im Markt – sich nicht durch die strengeren Vorgaben des Managements, die nicht mehr besonders Generation-Z-konform sind, abwendet. Das wäre insofern ein Rückschritt, als dass NRF in den vergangenen Jahren auf motivierte Nachwuchspartner aus den eigenen Reihen setzen konnte u. diese auch regelm. ernennt.
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