White & Case

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: Vor einigen Jahren hatte das W&C-Management für die deutschen Büros ein umfassendes Strategieprogramm gestartet, das internat. Vernetzung, inhaltl. Fokussierung und höherwertiges Geschäft zum Ziel hatte. Dieses Programm läuft unter dem Namen ‚Strategie 2020‘, entsprechend nah sollte die Kanzlei ihren Zielen inzwischen gekommen sein – und das ist sie in der Tat. Personell ist trotz einiger Wechsel weitgehend Ruhe eingekehrt. Die anfängl. rasante Verkleinerung einiger Bereiche hat sich nicht fortgesetzt, und W&C hat im vergangenen Jahr eine Reihe von Anwälte gefunden, die gut in ihr Konzept passen. Viele dieser Zugänge füllen nicht nur Lücken in Rechtsgebieten, sondern verstärken die Branchenschwerpunkte der Kanzlei. So baut nun etwa ein Quereinsteiger von Cleary Gottlieb Steen & Hamilton für die bisher schmal besetzte u. auf Hamburg beschränkte Kartellrechtspraxis ein internat. ausgerichtetes Düsseldorfer Team auf. Er passt mit seiner Erfahrung in kartellrechtl. geprägten Prozessen auch zu den Branchenschwerpunkten Energie, Automotive u. Technologie, wie sich im Mandat Autoliv bereits zeigte. Damit schließt die dt. W&C-Praxis ein Stück weit zu den Kollegen in Paris u. London auf. Auch der neue Corporate-Partner Dr. Murad Daghles ist eine langersehnte Verstärkung. Seine grenzüberschreitende M&A-Beratung, wie beim weltgrößten Öl- und Energiekonzern Saudi Aramco, passt zur Internationalisierungsstrategie.
Der Zugang von Dr. Thomas Helck setzte ein Signal im Wirtschaftsstrafrecht. W&C gehört zu den wenigen internat. Kanzleien, die sich in Deutschland nie aus der strafrechtlichen Beratung zurückgezogen haben, eine ähnliche Sonderstellung wie in der Insolvenzverwaltung. Das Team verzeichnete jedoch eine Reihe von Abgängen und seit 2017 war am Frankfurter Standort kein Strafrechtspartner mehr ansässig. Eine ärgerliche Lücke, zumal die Strafrechtler, die zwar auch den Energieversorger EWE bei der internen Untersuchung berieten, häufig Banken zur Seite stehen.
Den Zugängen standen jedoch auch einige Partnerverluste gegenüber, die zeigen, dass W&C noch nicht ganz am Ziel ist. So wechselte etwa ein Private-Equity-Partner ins Frankfurter Büro von Weil Gotshal & Manges, ein Corporate-Partner, der die internat. Vernetzung besonders stark vorantreiben sollte, schloss sich DLA Piper an. Diese Verluste konterkarieren ein Stück weit die Fortschritte, für die PE-Partner Dr. Stefan Koch in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit dem starken Büro in London steht. Immerhin stieg erstmals seit Jahren wieder die Gesamtzahl der Berufsträger über alle Praxisgruppen hinweg. Der Punkt, ab dem die Kanzlei schlank genug für neues Wachstum ist, scheint damit bereits überwunden.
Der Zugang zu deutschen Großunternehmen, den die W&C-Praxis mit Altstars wie Dr. Lutz Krämer, Dr. Jörg Kraffel u. Prof. Dr. Roger Kiem, inzwischen aber auch mit jüngeren Partnern wie insbes. Dr. Alexander Kiefner erreicht hat, ist mit Mandanten wie Aixtron oder KWS Saat durchaus beachtlich, aber zweifellos noch ausbaufähig. Die gesellschaftsrechtliche Praxis mischt regelm. dort mit, wo es für Geschäftsführer, Vorstände u. Aufsichtsräte um strategische Fragen geht – oder um Haftungsansprüche und Pflichten oder andere potenziell streitige, in jedem Fall aber kritische Themen. Im Zusammenspiel mit anderen Praxen berieten die Corporate-Anwälte etwa Daimler oder den Immobilienentwickler Consus zu einer großen Bandbreite von Themen.
Besondere Stärken: Energie; Insolvenz/Restrukturierung.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 208
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei (urspr. aus den USA) mit überaus starker Verbreitung der Büros, insbes. stark in Osteuropa u. Asien.
Entwicklung: Nach jahrelangem Konzentrationsprozess verteilen sich die Zugänge heute gleichmäßiger auf die verschiedenen Standorte. Frankfurt bildet jedoch weiterhin das Zentrum, was W&C im Zuge des Brexits auch bei den Auslandsbanken eine günstige Ausgangsbasis bietet. Zugleich steigt die Produktivität, bleibt aber ein Stück hinter der einiger großer US-Konkurrenten. Das birgt das Risiko, weitere gute junge Partner dorthin zu verlieren, wenn Geld deren entscheidende Motivation ist. So könnten sich Situationen ergeben, dass der bisher behutsame Ausbau in Praxen wie etwa dem Kartellrecht noch einmal forciert werden muss.
Dass W&Cs Präsenz bei dt. und internat. Konzernen bisher nicht mit den Magic-Circle-Kanzleien oder den bedeutendsten deutschen Kanzleien mithalten kann, hat das Management schon vor Jahren als zentrale Herausforderung identifiziert. Dass inzwischen auch die US-Rivalin Latham & Watkins dank strateg. Expansion mit ausgesuchten Quereinsteigern vorbeigezogen ist, bedeutet für W&C allerdings einen Rückschlag. Dabei böte die Kontaktbasis der internationalen Mutterkanzlei noch enormes Potenzial, wie sich etwa in der Kreditrechtspraxis immer wieder bei der Beratung multinationaler Konsortien zeigt, so zuletzt etwa bei Cheplapharm. Die dafür erforderliche Basis, eine enge Vernetzung mit den übrigen europäischen W&C-Büros, hat die Kanzlei in den vergangenen Jahren schon weit vorangetrieben. In Mandaten wie der eng mit der US-Praxis verzahnten Anleihenemission von Consolidated Energy u. bei Daimlers weltweiter Beratung zur Insolvenz von Zulieferern wie Takata zeigt die Kanzlei bereits ihre internationale Schlagkraft. Gerade bei den starken deutschen Praxen, wie Energierecht, Restrukturierung u. Regulierung, steht eine vergleichbare Entwicklung aber noch aus.
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