P+P PÖLLATH + PARTNERS

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Ein starkes Private-Equity-Jahr bedeutet stets ein gutes Jahr für P+P. Mit ihrer Konzentration auf Transaktionen, steuerliche u.Regulierungsberatung für Private-Equity-Häuser sowie vermögende Familien bzw. Privatpersonen entwickelte sich die Kanzlei an all diesen Fronten gut: Die Investmentfondspraxis schloss mit einer internen Partnerernennung eine Lücke, die durch den Weggang einer sehr bekannten Partnerin vor mehreren Jahren entstanden war. Bei der Beratung zu gemeinsamen Vehikeln von Forschungseinrichtungen u. öffentl. Geldgebern betonte sie ihre Vorreiterrolle im Markt sogar weiter. Die Private-Equity-Praxis beriet bemerkenswert viele europäische Fonds bspw. aus der Schweiz u. Italien bei ihren deutschen Investments u. steht damit für eine sich auch an anderen Stellen abzeichnende langsame Internationalisierung des Mandantenstamms.
Den Boom der letzten Jahre hat P+P aber auch dazu genutzt, um die wohl signifikantesten strukturellen Veränderungen der über 20-jähr. Kanzleigeschichte anzustoßen. Der individualistische Ansatz der Partnerschaft blieb stets unverändert, doch mit inzwischen fast 140 Anwälten stellt sich die Frage, wie sich die Partnerschaft für die nächsten 20 Jahre nachhaltig aufstellt. Als Schlüssel sieht die Kanzlei das Vergütungssystem. Bisher zählte hier der Umsatz des einzelnen Partners, nicht aber die relative Gewinnmarge des Teams: So konnte, wer mit niedriger Leverage arbeitete, ähnlich gut verdienen wie diejenigen, die einen Fachbereich mit zahlreichen Associates aufgebaut hatten. Im Lauf der Jahre war dadurch der Zusammenhalt in der Partnerschaft unter Druck geraten. Das neue System berücksichtigt nun stärker die Profitabilität eines Partnerdezernats insgesamt u. motiviert so zur Leistungssteigerung, die der Kanzlei insges. zugute kommt. Erstmals wird zudem die Weitergabe von Mandatskontakten an andere Praxen belohnt. Auch nicht quantifizierbare Aufgaben im Management u. im Personalbereich werden berücksichtigt.
Bisher wird diese grundlegende Umstellung akzeptiert, nur ein Partner – letztlich verschmerzbar – verließ die Kanzlei. Dies ist nicht selbstverständlich, denn ca. ein Drittel der Partnerschaft nimmt nun weniger Geld nach Hause als zuvor. Dass erfolgreichere Partner dafür mehr verdienen, dürfte für die Zukunft aber wichtige Weichen stellen.
In einer Reihe von Praxisbereichen lässt sich bereits beobachten, dass die Veränderung zur rechten Zeit kommt. Im Bereich Venture Capital etwa arbeiten die verschiedenen Teams enger vernetzt. Das ist deshalb wichtiger geworden, weil eine ganze Reihe von Start-up-Mandanten mittlerweile so groß geworden ist, dass sie komplexere gesellschaftsrechtl. u. steuerliche Beratung oder M&A-Kompetenz braucht. Ähnliches ist in der Immobilienpraxis zu beobachten, wo komplexere Strukturen den Input anderer Fachbereiche erfordern. Dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern früher nach dem Zufallsprinzip erfolgte, brachte P+P ggü. anderen Kanzleien zunehmend ins Hintertreffen.
Empfohlen für: Gesellsch.recht; Immo/Bau; Investmentfonds; M&A; Steuern.
Siehe auch: Berlin; München.
Anwälte in Deutschland: 138
Internat. Einbindung: Unabhängige Kanzlei. Einzelne Partner unterhalten enge Kontakte zu führenden, oft kleineren Spezialkanzleien im Ausland, die meist anlassbezogen genutzt werden.
Entwicklung: Die Reform des Vergütungssystems soll die wichtigsten Leistungsträger der Kanzlei stärker motivieren, sich in gemeinschaftl. Aufgaben, wie z.B. Nachwuchsförderung einzubringen, aber auch dazu beitragen, diese Partner in der Kanzlei zu halten. Theoretisch macht sie zudem P+P attraktiver für Seiteneinsteiger. Aber dabei hat sich die Kanzlei traditionell zurückhaltend gezeigt u. nicht zu viel Energie in den Prozess der Suche nach neuen Partnern investiert. Dies liegt zum einen an vermeint. Enttäuschungen in der Vergangenheit – obwohl die Bilanz von P+P in dieser Hinsicht nicht schlechter ist als bei den meisten Kanzleien –,aber auch daran, dass die Kanzlei vor jeglichem Risiko für ihre kollegiale Kultur zurückschreckt. Das neue System gibt aber die Möglichkeit, Fachbereiche zu verstärken oder sogar erstmals aufzubauen: Arbeitsrecht und IP/IT sind zwei naheliegende Bereiche, in denen P+P viel Umsatz an andere Kanzleien weitergibt. In der Kanzlei wird zudem durchaus anerkannt, dass die Zurückhaltung beim Ausbau des Büros in Frankfurt eine verpasste Gelegenheit darstellt.
Das dreiköpfige Managementteam will die Partnerschaft praxisorientierter ausrichten, um sie in eine strategische Richtung zu lenken, die nicht allein von den kurzfristigen Profitabilitätserwartungen der einzelnen Partner bestimmt wird.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
P+P Pöllath + Partners10785 Berlin
Zum Porträt
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