TAYLOR WESSING

Nationaler Überblick Top 50★★★☆☆

Bewertung: Nachdem sich die Kanzlei in den Vorjahren konsequent dem Ausbau der Standorte Frankfurt und Berlin gewidmet hatte, blieben im 2. Jahr der Amtszeit von Managing-Partner Olaf Kranz nur noch kleinere Nachjustierungen zu erledigen. In Frankfurt kamen nun noch mehrere Corporate-Anwälte von Ashurst und Weil Gotshal & Manges sowie aus der ICIG-Rechtsabteilung dazu. Zusammen mit dem starken Finanzierungsteam ist die Transaktionspraxis nun durchaus wettbewerbsfähig – ein spürbarer Fortschritt für das einst deutlich zu schwach besetzte Büro und auch für die Corporate-Praxis insges., die in den vergangenen Jahren zunehmend bei Konzernen wie Evonik oder Saint-Gobain Fuß gefasst hat. Beim Thema Finanzsektorregulierung fokussiert sich TW passend zu ihrer Gesamtstrategie insbes. auf junge Unternehmen wie Exporo u. N26, die den technologischen Wandel der Branche mit vorantreiben.
Die inhaltliche Nähe zum Berliner Büro ist unverkennbar. Kaum eine andere Großkanzlei hat sich in dieser personellen Stärke der Venture-Capital-Beratung verschrieben. Während sich etliche Großkanzlei-Wettbewerber erst allmähl. dem hochvolumigen oberen Ende des VC-Markts zuwenden, widmet sich Taylor Wessing dem gesamten Lebenszyklus eines Start-ups. Mit dem zeitgleichen Aufbau des TMT-Teams in der Hauptstadt – zwei Partnerernennungen allein in diesem Jahr – funktioniert es nun immer besser, Mandate mit Technologiebezug zu bearbeiten. Dass sich die Kanzlei schon früher als viele Wettbewerber dem Technologiesektor verschrieben hat und den Zugang dorthin gerade im Kontext der DSGVO immens ausbaute, zahlt sich gerade bei Digitalisierungsmandaten aus. Das gelang bislang v.a. im Bankensektor, etwa bei Mandantin DKB. Umso schmerzlicher war der Verlust von Prof. Dr. Sibylle Gierschmann, einer der renommiertesten Datenschutzrechtlerinnen im Markt, die sich selbstständig machte.
Auf Transaktionen in den Sektoren Technologie, Gesundheit und Lifesciences festgelegt ist auch die frisch vereinbarte Kooperation mit der US-Westküstenkanzlei Wilson Sonsini Goodrich & Rosati, die in ihrem Heimatmarkt einen ähnl. Technologieschwerpunkt setzt wie TW. Dieses Modell, das mehr als eine Best-Friend-Beziehung, aber weniger als ein Zusammenschluss sein soll, passt gut zu den Branchenschwerpunkten der TW-Transaktionspraxis in Deutschland und kann für beide Kanzleien eine gute Grundlage bieten, ihren Beratungshorizont zu erweitern – ein Schritt, den TW bislang v.a. bei Asien- und insbes. China-Bezügen geschafft hat. Auch im vergangenen Jahr gab es dort eine Reihe von Mandatserfolgen, bspw. die Begleitung von Deutz und anderen Großunternehmen bei Joint Ventures. Die Herausforderungen liegen eher im Inbound-Geschäft, wo TW noch nicht die richtige Strategie gefunden hat, um auch bei chin. Mandanten nachhaltig Fuß zu fassen und sie etwa bei Investitionen im dt. Technologiesektor zu begleiten. Sich stärker mit chin. Anwälten oder möglicherweise auch einer ortsansässigen Kanzlei zu verbünden, könnte den Zugang auch zu diesem Markt erleichtern. Ein weiteres Positivbeispiel für die internat. Zusammenarbeit ist die immer engere Verbindung der dt. Nachfolge- u. Vermögenspraxis zur starken Londoner Private-Wealth-Praxis – ein weiterer Bereich, der über gute Kontakte zu vermög. Privatpersonen und Familien bzw. deren Beteiligungsgesellschaften auch positive Folgen für das Transaktionsgeschäft hat.
JUVE Kanzlei des Jahres in: Nachfolge/Vermögen/Stiftungen.
Besondere Stärken: Marken u. Wettbewerb.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 430
Internat. Einbindung: Internat. Kanzlei mit Büros in GB, einigen europäischen Städten und Dubai. China-Praxis mit eigenen Büros in Peking u. Schanghai, auch in Hongkong u. Koop. mit HM Chan & Co. In Singapur als RHTLaw Taylor Wessing u. Österreich als enwc Taylor Wessing. Langj. Verbindungen mit US-Kanzleien, v.a. an der Westküste, mit Repräsentanzbüros in New York u. Palo Alto, bei Technologietransaktionen Kooperation mit Wilson Sonsini. Auch aktiver Brasilien-Desk. In Saudi-Arabien Kooperation mit AlSulaim AlAwaji & Partners.
Entwicklung: Dass sich TW als Technologiespezialistin versteht, hat sie mit der US-Kooperation mit Wilson Sonsini noch einmal betont und damit wohl auch endgültig einen Kurs für die Zukunft festgelegt. Geht der Plan auf und die beiden Kanzleien beweisen, dass sie sowohl in Deutschland als auch in den USA als Team funktionieren, könnte das Transaktionsgeschäft einen großen Schritt nach vorne machen. Bisher fungierten die beiden TW-eigenen Büros an der US-Westküste als reine Repräsentanzen ohne nennenswertes Eigengeschäft. Mit einem starken einheimischen Partner bieten sich nun ganz neue Möglichkeiten.
Eine andere Chance der vergangenen Jahre muss TW nun auch langfristig nutzen. Mit dem Ausbau der DSGVO-Beratung setzte die Kanzlei zwar auf das richtige Pferd, doch mittlerweile hat der Großteil der Wettbewerber zumindest gleichgezogen. Nun steht TW vor der Herausforderung, ihre bes. große Praxisgruppe mit ähnlich lohnenden Projekten auszulasten und innovative Beratungsprodukte hervorzubringen, mit denen sie ihre Marktposition halten kann. Nach der Masse von DSGVO-Implementierungsprojekten praxisgruppenübergreifend auch in die Schwerpunktsektoren Energie und Gesundheit vorzudringen, bleibt die Herausforderung der nächsten Zeit.
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