Watson Farley & Williams

Nationaler Überblick Top 50★☆☆☆☆

Bewertung: WFW ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Kanzlei mit einer konsequenten Fokussierung auf bestimmte Sektoren – in diesem Fall Shipping und (erneuerbare) Energien – ein deutliches Profil im Markt aufbauen kann. Dabei ist die Kanzlei im Schifffahrtssektor längst nicht mehr nur für Banken tätig, sondern wird dank ihrer Finanzierungs- u. Corporate-Erfahrung mittlerweile auch regelm. von Reedereien wie der zur Zech Group gehörigen Zeaborn oder Investoren nachgefragt. So beriet sie bspw. Cerberus beim Kauf eines großen Schiffskredit-NPL-Portfolios von der NordLB. Nach und nach dehnt WFW ihren Wirkungskreis in der Transportbranche aus u. baut hier auch personell aus: Bereits im Vorjahr war ein Spezialist für Flugzeugfinanzierung hinzugekommen, Ende 2018 stieß ein weiterer erfahrener Projektfinanzierungsrechtler von Clifford Chance dazu. Auch das Erneuerbare-Energien-Kleid ist WFW mittlerweile zu eng geworden: Zwar ist sie immer noch sehr umfangreich im Umfeld von Offhorewindparkprojekten tätig und beriet zuletzt etwa ein Investorenkonsortium beim Kauf von Veja Mate, ergänzend dazu erweitert WFW aber ihren Wirkungskreis und berät verstärkt zu netzgebundenen Infrastrukturprojekten wie dem Breitbandausbau. Auch hier hat WFW in den vergangenen Jahren ihre personelle Aufstellung Schritt für Schritt optimiert und zuletzt v.a. Regulierungs-Know-how dazu geholt: In Hamburg kamen Quereinsteiger von Heuking u. Corinius, in München von Norton Rose.
Diese Verbreiterung setzt sich in der M&A- u. gesellschaftrechtl. Praxis fort. Treiber sind v.a. die Frankfurter und Münchner Büros, die eine ganze Reihe größerer Transaktionen stemmten, darunter die Beratung der Eigner beim Verkauf von Unitank und die Begleitung von Fintyre – bisher ein Hengeler-Mandant – bei Zukäufen.
Eine weitere Stärke der dt. Praxis ist das Arbeitsrecht. Das Team wird seit jeher von einer breiten Gruppe Mandanten beauftragt. Bei einer Mandatsausschreibung von Ørsted konnte WFW sich für eine arbeitsrechtliche Restrukturierung durchsetzen. Allerdings gab es in der Arbeitsrechtspraxis – im Vergleich zur ansonsten eher stabilen Personalsituation der Gesamtkanzlei – eine gewisse Unruhe, die unterm Strich aber sogar positiv für die Kanzlei sein kann: Den Weggang einer erfahrenen Partnerin in München glich WFW schnell mit Dr. Philipp Byers von Lutz Abel aus. Mit ihm gewann sie nicht nur einen als akquisestark geltenden Partner, sondern auch einen Experten für das gefragte Thema Arbeitnehmerdatenschutz.
Siehe auch: Hamburg; München.
Anwälte in Deutschland: 90
Internat. Einbindung: Internat. integrierte Kanzlei, die mit 15 Büros in 12 Ländern vertreten ist. Diese liegen aufgr. ihrer urspr. Tradition im Maritimen Wirtschaftsrecht oft in Hafenstädten wie Athen oder Hongkong. In Griechenland gewann sie Ende 2018 ein Prozessteam von Ince & Co dazu. Im Londoner Stammbüro liegt ein starker Schwerpunkt auf der Betreuung von Banken.
Entwicklung: Die fachliche Verbreiterung gelingt der Kanzlei gut. Davon profitiert auch die gut beschäftigte Finanzierungspraxis, allerdings hat die Zunahme an M&A-Arbeit bislang noch nicht dazu geführt, dass WFW auch in der klassischen Akquisitionsfinanzierung eine wahrnehmbare Marke entwickelt hat. Wie schwer der Aufbau von Fachgebieten abseits ihrer Schwerpunktsektoren ist, musste sie auch beim Versuch erfahren, eine gesellschaftsrechtliche Konfliktlösungspraxis zu etablieren. Erfolgreich war das Projekt erst, als sich WFW ihrer Stärken besann und das Prozessgeschäft branchenspezifisch ausrichtete, so ist WFW im Energierecht inzwischen häufiger in Prozessmandaten zu sehen. Wenn es gelingt, der Prozesstätigkeit auf diese Weise mehr Gewicht zu geben, könnte es über diesen Umweg sogar gelingen, sich – ob mit oder ohne personelle Verstärkung – doch noch in diesem Bereich insgesamt breiter zu engagieren.
Eine Herausforderung bleibt der Aufbau einer schlagkräftigen Immobilienpraxis: Obwohl die Kanzlei in verschiedenen Fachgebieten und Ländern über gute Kontakte in die Branche verfügt, fehlt ihr in Deutschland ein Team, das diese Verbindungen in Mandate ummünzen kann. Ausbaupläne gibt es, wurden aber bislang nicht umgesetzt. Das wäre aber für einen stimmigen Auftritt wichtig, weil der Bereich international zu ihren selbst definierten Schwerpunktbereichen gehört.
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